Europawahl-Serie

ÖPNV in die Niederlande soll sich im Kreis Kleve verbessern

Eingerostete Verbindung: Auf der Strecke zwischen Kleve über Kranenburg nach Nimwegen fahren derzeit nur Draisinen.

Eingerostete Verbindung: Auf der Strecke zwischen Kleve über Kranenburg nach Nimwegen fahren derzeit nur Draisinen.

Foto: Andreas Gebbink

Kreis Kleve.  Der grenzüberschreitende ÖPNV zwischen dem Kreis Kleve und den Niederlanden ist ein Problem. Welche Verbindungen sollten gestärkt werden?

So nah und doch so weit entfernt: Wer nicht mit dem Auto in der Grenzregion unterwegs ist, der muss auch für eigentlich überschaubare Distanzen zwischen dem Kreis Kleve und den Niederlanden einige Zeit einplanen. Denn der grenzüberschreitende öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verlangt Pendlern und anderen Fahrgästen wegen der nicht gerade direkten Verbindungen Geduld ab – wenn denn überhaupt Busse und Bahnen über die Grenze fahren.

Beim schwierigen Versuch, die Bahnstrecke zwischen Kleve und Nimwegen zu reaktivieren, schwankt die gewillte deutsche Seite zwischen Resignation und Hoffnung auf Bewegung der niederländischen Partner. Auf absehbare Zeit jedenfalls fahren nur Draisinen auf der Schiene, die rechtsrheinisch dagegen ein verbindendes Element ist. Seit gut zwei Jahren fahren wieder Züge von Emmerich nach Arnheim.

Auch mit dem Bus geht es vom Kreis Kleve in die Niederlande. Doch angesichts von 51 Haltestellen und einer Fahrtzeit von 71 Minuten von Emmerich über Kleve nach Nimwegen macht die Schnellbuslinie 58 ihrem Namen nicht unbedingt alle Ehre.

Zum Abschluss unserer Serie zur Europawahl haben wir daher die Kreisverbände der sechs führenden Parteien gefragt: Welchen Beitrag kann Europa zu einem besseren ÖPNV-Netz leisten? Welche Verbindungen sollten Ihrer Meinung nach gestärkt werden?

CDU-Kreisverband Kleve

„Die EU ermöglicht problemlose Grenzübertritte, was gerade im Kreis Kleve von großem Vorteil ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg – das müssen wir stets betonen. Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen und niederländischen Besucher in den Städten diesseits und jenseits der Grenze ist immens, die Rolle der jeweiligen Arbeitsmärkte ebenso, und die Kooperation der Hochschulen Rhein-Waal und Nimwegen wird stärker. Daher müssen wir an weiteren Verzahnungen auch beim ÖPNV arbeiten. So stehen die Reaktivierung der Bahnstrecke Nimwegen-Kleve und Verbesserungen etwa durch Schnellbuslinien im Fokus. Denn: Alltäglicher Austausch wird durch bessere Verkehrsanbindung unterstützt und fördert europäische Integration. Gut ist, dass die Verbindung Emmerich-Arnheim bereits verbessert wurde. Ein ICE-Stopp am Bahnhof Emmerich wäre natürlich erstrebenswert – leider stößt das bei der Bahn bis dato auf kein Interesse.“

SPD-Unterbezirk Kleve

„Die SPD Kreis Kleve will die Reaktivierung der Schienenverbindung zwischen Kleve und Nimwegen erreichen. Leider ist das bisher gescheitert. Dennoch halten wir an dem Ziel fest. Wir sind froh, dass es jetzt eine Zug-Anbindung zwischen Arnheim und dem Ruhrgebiet gibt. Auch das war eine langjährige Forderung von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die letztlich Realität wurde. Weiterhin sollten insbesondere bei den bestehenden Busverbindungen möglichst die Takte diesseits und jenseits der Grenze besser abgestimmt werden. Die Einführung eines Schnellbusses (siehe Studie der Hochschule Rhein-Waal) zwischen der Stadt Kleve und Achterhoek – nach Möglichkeit mit Elektrikantrieb – wäre ein kleiner Schritt für besseren öffentlichen Personennahverkehr.“

Grünen-Kreisverband Kleve

„Die Möglichkeiten zur Verbesserung des ÖPNV, insbesondere des grenzüberschreitenden Verkehrs, über diverse EU-Förderprogramme gerade für den ländlichen Raum sind enorm. Basis jedoch ist, den ÖPNV als grundlegendes Angebot zur Verkehrswende und nicht zuerst als Kostentreiber zu sehen. Dann dürfte es irgendwann leichter fallen, allein schon auf deutscher Seite die Tarife und Fahrpläne von Bus und Bahn großräumiger abzustimmen. Wenn allerdings die deutsche Seite bei der Integrierung der verschiedenen Angebote nicht deutlicher vorangeht und sich zumindest national besser aufstellt, kann dieses Projekt grenzüberschreitend nicht gelingen.“

FDP-Kreisverband Kleve

„Wir Freie Demokraten setzen eindeutig auf eine engere Verzahnung des grenzüberschreitenden ÖPNV. Die Bedeutung grenzüberschreitender Verbindungen ist auch vom NRW-Landtag hervorgehoben worden, und dieser hat hierfür entsprechende Mittel bereitgestellt. Die jetzigen grenzüberschreitenden Verbindungen weisen sehr viele Lücken auf. Meist bleibt den Grenzbewohnern nur das Auto, um den Nachbarort auf der anderen Seite der Grenze zu besuchen. Vorhandene Verbindungen, zum Beispiel die Busverbindung zwischen Kleve und Nimwegen, sind zudem wenig attraktiv. Im Alltag beträgt hier die Fahrzeit über eine Stunde für nicht einmal 30 Kilometer. Das halten wir nicht für akzeptabel. Die Reaktivierung der Bahnstrecke Kleve-Nimwegen bleibt für uns daher nach wie vor ein wesentlicher Punkt auf der Agenda. Auch in einer europaweiten Studie der EU-Kommission wurde die Reaktivierung dieser Strecke empfohlen. Die jüngsten Provinzwahlen in Gelderland lassen hoffen, dass auf niederländischer Seite die politische Unterstützung für diese und andere grenzüberschreitende Verbindungen nun gestärkt worden ist. Wir werden daher weiter daran arbeiten, dass der Klever Bahnhof nicht weiter ein provinzieller Endbahnhof bleibt, sondern wieder Haltestation einer regelmäßigen Bahnverbindung zwischen Düsseldorf und Nimwegen wird.“

AfD-Kreisverband Kleve

„Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte im ländlich geprägten Kreis Kleve und den großen Entfernungen ist der Ausbau des ÖPNV wie auch des Fahrradverkehrs erschwert. Wer beispielsweise in Kalkar wohnt und im Industriegebiet in Arnheim arbeitet, kann nur das Auto benutzen. Wenn diese Fahrten durch einen Ausbau der Pendlerparkplätze in Fahrgemeinschaften organisiert sind, ist es auch die preiswerteste, umweltschonendste und schnellste Option. In Ballungsräumen hingegen kann mit kurzen Takten und dichten Netzen der ÖPNV den Individualverkehr unattraktiv machen, ohne besondere Strafen, Fördergelder oder Verbote. Eine Betrachtung der sinnvollsten Lösungen vor Ort darf nicht durch Klimahysterie, Angst vor Dieselautos oder sonstige Ideologien verzerrt werden. Der Ausbau der Bahnlinie über Kleve hinaus nach Nimwegen bedarf vorab eines Bürgerentscheids.“

Die Linke-Kreisverband Kleve

„Nicht nur der grenzüberschreitende, sondern der gesamte ÖPNV in unserer ländlichen Umgebung ist eine Katastrophe. Selbst der Rhein teilt den Niederrhein und den Kreis Kleve in zwei Welten, die mit dem ÖPNV fast unerreichbar sind.“

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