Schulen Kleve

Schulhöfe in Kleve sollen richtig schön gestaltet werden

Die Montessorischule Spyckstraße bekommt derzeit neue Anbauten. Wenn die Baufahrzeuge den Schulhof verlassen, kann man ihn kreativ neu gestalten.

Die Montessorischule Spyckstraße bekommt derzeit neue Anbauten. Wenn die Baufahrzeuge den Schulhof verlassen, kann man ihn kreativ neu gestalten.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.  Eine Landschaftsarchitektin stellte im Schulausschuss Überlegungen für die zwölf Klever Schulen vor. Die Zeit der Baustellen kann man nutzen.

Wenn denn schon jede Menge Schulhöfe derzeit und in absehbarer Zeit wie Baustellen aussehen, gibt das der Stadt Kleve die Chance, diesen Pausen-Lebensraum und Open-air-Klassenraum, diesen sportlichen, entspannenden Naturraum neu zu gestalten. Die Verwaltung bat die – in Schulhofbau erfahrene – Landschaftsarchitektin Martina Hoff aus Essen um Ideen. Einen ersten Vortrag hielt sie vor dem Schulausschuss und wird ihn in einer Versammlung Schulleitung, Lehrern, Eltern, Hausmeistern, Verwaltungsleuten am 11. Juli erneut vorstellen.

Als erstes geht es um die Grundschule An den Linden

Konkret soll es als erstes um die Grundschule An den Linden gehen, dann folgt die Großbaustelle Montessorischule Spyckstraße, dann Willibrordschule Kellen. Natürlich werden auch die Gesamtschulen am Forstgarten und Joseph-Beuys und der Neubau des Konrad-Adenauer-Gymnasiums hinterm Bahnhof Nutznießer der modernen Auffassung sein: „Nichts ist entspannender als Natur“, so sagt Martina Hoff. Das bestätigten Untersuchungen.

400 Schüler mit Hinternbreite von 50 Zentimetern brauchen nicht 200 Meter Bank

An Grundschulen brauche es durchaus noch Sandspielflächen und Sitzbänke, auf denen man balancieren kann, für ältere Schüler an weiterführenden Schulen mehr Sitzplätze, „auf denen man sauber sitzen kann“, mit Tischen, an denen sie open air ihre Aufgaben machen können. Wobei Martina Hoff nicht für jeden einen Sitzplatz vorsieht: „400 Schüler mit einer durchschnittlichen Hinternbreite von 50 Zentimetern, das wären 200 Meter Bank“.

Je mehr die Fläche gegliedert ist, desto weniger Unfälle gibt es

Je mehr eine Pausenfläche gegliedert ist, desto weniger Unfälle gibt es. Bis 1981, so wusste Hoff, galt noch die DIN-Norm, dass Schulhöfe staubfrei und schnell trocknend sein müssten. „Schülerfüße sind wie Entenfüße. Wo die laufen, wächst kein Gras mehr.“ Heute aber rät sie auch zum „Spielgebüsch“ an Schulen, die genügend Platz haben. Wobei das „schnell Trocknende“ auch heute eine Rolle spielt bei der Wahl der Sitz-Plätze; wo man herumrennt, darf es schattig sein.

Natürlich bedenkt sie wichtige Wegeachsen für Rettungswege, Müllabfuhr, Hinführung zu Eingängen. Schulgebäude werden zudem für Ganztags-Aufenthalt, manche als öffentlicher Spielraum nachmittags oder für VHS-Kurse genutzt.

Schulgarten, Kunst-Aktionsfläche, Bewegungsparcours

Ein Schulhof sei geeignet, Fachwissen praktisch zu erfahren – Thema Regenwasser-Management –, er könne als Kunst-Aktionsfläche, Bewegungsparcours, Sinneserfahrung oder mit Freiluftklasse für 30 Schüler viel Abwechslung bieten. Der Schulgarten könne Naschgarten oder mit Färber-Pflanzen bestückt sein für den selbst hergestellten Öko-Farbkasten. Verhaltenes Gelächter erntete die Landschaftsarchitektin im Schulausschuss für ihren Hinweis, dass an manchen Schulen in anderen Städten auch Tiere gehalten werden, wenn ein Lehrer guten Kontakt zum Geflügelzuchtverein oder zu Imkern habe.

Ideen sammeln bei Workshops und Projektwochen

Sobald es um die konkreten Schulen geht, rät Martina Hoff zur Beteiligung des Kollegiums in Workshops und der Schüler in Projektwochen, um Anregungen zu Lieblingsplätzen einzuholen. Sie merkte an, dass Schüler durchaus daran denken, dass auch ihre Lehrer eine ruhige Pausenecke für sich brauchen. Auch wenn dies aufwendiger ist als klassische Planung, „der Prozess lohnt sich für alle Akteure“, Schüler seien motiviert, Lehrer fänden eine vorbereitete Lernumgebung, Eltern und Externe lernen sich kennen. Das Verfahren liefere konsenstaugliche Ergebnisse für die Stadt, es sei kostensicher und terminsicher. „Wir sollten die Chancen nicht verpassen, ganzheitlich zu planen“, sagte auch Bürgermeisterin Sonja Northing.

Mit Schulerweiterung für Offenen Ganztag auch weitere Schulhöfe im Blick

Auf den Schul-Baustellen haben Hochbaumaßnahmen Vorrang, aber An den Linden beispielsweise könne der hintere Schulhofteil schon begonnen werden, sagte Baudezernent Jürgen Rauer. Kleve hat zwölf Schulen. Weil der Offene Ganztag teils Schulerweiterungen mit sich bringt, so Rauer, werden auch an anderen Schulen als den genannten Umgestaltungen möglich werden.

Die Zeitplanung umriss Martina Hoff: Von der ersten Idee über drei Monate Ausschreibung bis Baufertigstellung etwa ein Jahr. Für mehrere Schulen in Velbert brauchte ihr Büro insgesamt vier Jahre, für alle 20 Schulen in Iserlohn nach und nach rund zwölf Jahre.

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