Hützemert

100 Jahre Haus Wigger: Trotzdem jung geblieben

Das Haus Wigger in Hützemert feiert 100-Jähriges. Zwei Generationen auf einem Foto: Christian Scholemann und seine Mutter Mechthild freuen sich, viele Gäste begrüßen zu dürfen.

Das Haus Wigger in Hützemert feiert 100-Jähriges. Zwei Generationen auf einem Foto: Christian Scholemann und seine Mutter Mechthild freuen sich, viele Gäste begrüßen zu dürfen.

Foto: Josef Schmidt / WP

Hützemert.  Im Haus Wigger ist die Gastro-Welt noch in Ordnung. Christian Scholemann, seine Familie und sein Team können am Samstag 100-Jähriges feiern.

Wenn ein gastronomischer Betrieb nach einem jahrzehntelangen Kneipensterben gerade auf den Dörfern der Region ein Jubiläum feiern darf, und dazu noch das 100-Jährige, dann ist das ein Grund, kräftig zu feiern: Anke und Christian Scholemann (49), Betreiber des Hauses Wigger in Hützemert, wollen genau das tun - und zwar morgen, am Samstag, 20. Juli, ab 11 Uhr. Trotz des betagten Alters ist das Hotel/Restaurant jung geblieben. Und wirtschaftlich erfolgreich, wie Scholemann und seine Mutter Mechthild (73) betonen, die das Haus vor ihrem Sohn mit ihrem Mann Günter (75) viele Jahrzehnte geführt hat.

Viele Standbeine

Auf das Erfolgsrezept angesprochen, in einer schwierigen Branche nicht nur so lange durchgehalten zu haben, sondern auch optimistisch in die Zukunft blicken zu können, braucht Scholemann, der den Betrieb mit seiner Frau Anke (45) führt, keine Sekunde zu überlegen: „Man muss mehrere Standbeine haben, und das haben wir.“

Jausenstation

Da ist das Gasthaus mit Restaurant, Mittagstisch und elf Hotelzimmern. Da ist die benachbarte Jausenstation des Alten Bahnhofs (samstags und sonntags), ein vielfältiger Catering-Betrieb, die Kegelbahn und last not least die Möglichkeit, einen Planwagen für das besondere Event zu mieten - mit Fahrer versteht sich. „Als Gastronom muss man sich schon bewegen“, weiß Scholemann aus jahrelanger Erfahrung. Ein großes Einzugsgebiet - von Drolshagen über Olpe bis hin in den Raum Eckenhagen und Bergneustadt - sei ebenfalls ein spürbarer Vorteil. Martin Köhler, Stammgast und Freund der Familie, der sich mit der Historie des Hauses Wigger beschäftigt hat, fügt hinzu: „Die Küche hier ist einfach ausgezeichnet. Das hat sich herumgesprochen.“

Personalprobleme wie überall

So ganz ohne die branchentypischen Probleme kann das Haus Wigger aber nicht geführt werden: „Geeignetes Personal zu finden, ist nicht einfach“, räumt Scholemann ein. Wobei er gleich hinzufügt, dass seine Frau Anke und er sich auf ihre Stammkräfte seit vielen Jahren zu 100 Prozent verlassen könnten.

Da seien zu allererst die beiden Köche zu nennen: Maria Dransch (55), die am 1. August ihr 40-jähriges Betriebsjubiläum feiere und Jungkoch Florian Käseberg. Darüber hinaus gehörten etwa 20 Aushilfen zur „Wigger-Mannschaft“. Und Azubis? „Fehlanzeige“, zuckt Scholemann, selbst gelernter Koch, mit den Schultern: „Die Arbeitszeiten schrecken viele junge Menschen ab. Arbeiten, wenn andere feiern, will halt nicht jeder, spätabends, am Wochenende und feiertags.“

Tolles Wetter vorausgesagt

Am Samstag steht jedoch das Jubiläum im Blickpunkt, das bei schönstem Sommerwetter gefeiert werden darf, wenn man den Vorhersagen glauben darf. Gefeiert werden dann eigentlich gleich zwei Jubiläen. Denn nach einem Brand 1918 wurde das Gasthaus 1919 neu aufgebaut, und 1969 übernahm Günter Scholemann den Betrieb.

Am Samstag, 20. Juli, ab 11 Uhr geht’s los: Dann heißt es „Essen und Trinken zu Preisen fast wie früher“, Liedervorträge und eine böhmische Blasmusikapelle gehören zum Tagesprogramm. Die große Hüpfburg für die Kleinen komplettiert das Angebot für Alt und Jung.

Historie

Die Historie der Gastronomie rund um das Haus Wigger, die Martin Köhler zusammengestellt hat, begann bereits im 19. Jahrhundert. 1871 war ein Johann Peter Wigger der vermutlich 1. Betreiber der Gastwirtschaft, die beim alten Sägewerk an der Hauptstraße (damals Provinzialstraße) stand. Er übergab den Betrieb an seinen Sohn Adam Wigger. Dessen Nachfolger wird 1907 Sohn Robert, der auch den Neubau 1919 im damaligen Germinghauser Weg betreibt, heute: Vorm Bahnhof 4.

Ende der 30-er Jahre wird ein Saal angebaut, 1957 übernehmen Hermann und Mathilde Wigger das Gasthaus, 1969 dann Günter Scholemann, Neffe von Hermann Wigger. 2003 folgt die Übergabe an den Sohn Christian Scholemann.

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