Politik

1222 Hünsborner gegen das neue Gewerbegebiet

Gertrud Quast

Foto: Herbert Spies

Gertrud Quast Foto: Herbert Spies

Hünsborn.   Unterschriftensammlung: Kein Gewerbegebiet oberhalb des Sportplatzes in Hünsborn gewollt. Bürgermeister Clemens: „Sorgen sind unberechtigt“

1222 Bürger von insgesamt 3200 im Wendener Ortsteil Hünsborn lebenden Einwohnern sprechen sich gegen die Entstehung eines Gewerbegebiets oberhalb des Sportplatzes aus. Ortsvorsteherin Gertrud Quast hat gemeinsam mit 15 Helfern Unterschriften gesammelt, die sie am Mittwoch Wendens Bürgermeister Bernd Clemens (CDU) vorlegen will. „Wir sind für den Erhalt von Natur und Wald, wir möchten einen Ort haben mit lebenswertem Wohnraum und nicht eingekesselt von Gewerbegebieten“, sagt Quast am Dienstagabend auf einer Versammlung vor knapp 60 Bürgern.

Rückblende: Im Juni dieses Jahres hatte Bürgermeister Clemens bekanntgegeben, dass die Politik im Rahmen eines Flächennutzungsplans eine zwölf Hektar große Gewerbefläche oberhalb des Sportplatzes des Sportvereins RW Hünsborn plant. Auf einer Bürgerversammlung machten damals viele Besucher ihrem Unmut Luft, insbesondere Ortsvorsteherin Quast. Sie kündigte Gegenwehr an und diese konnte sie gestern schwarz auf weiß belegen. „Wir sind von Tür zu Tür gegangen und konnten mehr als 1200 Unterschriften sammeln. Die Menschen stehen voll hinter uns, gerade die jüngeren Leute, die sich eine Zukunft inmitten von Gewerbegebieten nicht bieten lassen wollen.“ Sie und ihre Helfer seien insgesamt 260 Stunden unterwegs gewesen, um der Politik einen Denkzettel zu verpassen. „Die Bürgerinnen und Bürger haben Bedenken um die Mehrbelastung und alles was dem neu geplanten Gewerbegebiet wohl noch folgen wird“, beklagt Quast.

Sorgen und Bedenken

Bedenken, die Hünsborns Bürgermeister Bernd Clemens nicht verstehen kann, wie er im Gespräch mit der WESTFALENPOST klarstellt. „Diese Sorgen sind unberechtigt. Es ist nachgewiesen, dass der Verkehr, der durch das Gewerbegebiet entsteht, keine Belästigung der Bevölkerung nach sich ziehen wird.“ Natürlich werde er sich die Unterschriften anschauen und die Sorgen der Bürger ernst nehmen, sagt Clemens: „Vielleicht sind da Anregungen dabei, die wir in unsere Planungen miteinbeziehen können.“ Allerdings wolle er der Unterschriftensammlung nicht zu viel Bedeutung beimessen, meint Clemens: „Da wird viel erzählt und Ängste werden geschürt.“

Allerdings geht es den betroffenen Bürgern nicht nur um den die aktuellen Veränderungen, die der Flächennutzungsplan vorsieht, sondern vielmehr darum, was danach noch passieren könnte. Clemens: „In Hünsborn wird befürchtet, dass mit dem Gewerbegebiet gleichzeitig ein Autobahnanschluss hinzu kommt und später dann noch ein weiteres Gewerbegebiet. Dies würde zweifellos eine Belästigung der Bürger darstellen, aber es gibt keinen solchen Plan.“

Anwohnerin Ingrid Junge schüttelt über diese Aussage nur den Kopf: „Warum prüft dann ein Unternehmen, ob hier eine Autobahnzufahrt hingebaut werden kann?“ Ihr und ihren Nachbarn sei es ohnehin schon viel zu laut, der sechsspurige Ausbau der Autobahn A45 werde sein übriges tun. „Durch die Autobahn und die vielen ansässigen Firmen entsteht ein Lärm, der unerträglich ist“, sagt sie.

Waldgenossen gegen Gewerbefläche

Nach Informationen dieser Zeitung kann der Plan in seiner ursprünglichen Form sowieso nicht umgesetzt werden. Denn die Waldgenossenschaft, die circa drei Hektar der betroffenen Fläche besitzt, hat sich in einer Versammlung einstimmig gegen den Verkauf entschieden. Gertrud Quast geht davon aus, dass die Politik nur noch mit sechs bis sieben Hektar plant. Bernd Clemens sieht das anders: „Ob wir an das Eigentum dieser Fläche kommen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das hat mit der unserer Planung erstmal gar nichts zu tun.“

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