Gedenken

2021 soll im Kreis Olpe zum Franz Hitze-Jahr werden

Prof. Dr. Franz Hitze war eine große Persönlichkeit. 2021 soll zum Franz-Hitze-Jahr werden.

Prof. Dr. Franz Hitze war eine große Persönlichkeit. 2021 soll zum Franz-Hitze-Jahr werden.

Foto: privat / WP

Olpe/Hanemicke.  Im kommenden Jahr ist Franz Hitze 100 Jahre tot. KAB-Bezirksverband und Franz-Hitze-Verein haben zwei Feiern geplant.

2021 ist Franz Hitze, der Bauernsohn aus Hanemicke, 100 Jahre tot. Deswegen soll nach dem Willen des KAB Bezirksverbandes Olpe-Siegen und des Franze-Hitze- Vereins das Jahr 2021 zum Franz-Hitze-Jahr werden. Wer ist dieser Franz Hitze, der Priester war und von 1851 bis 1921 gelebt hat? Macht es wirklich Sinn, ihm 2021 zwei große Feiern zu widmen?

Am 31. Juli und 1. August 2021 soll die erste Feierrunde stattfinden. Die verantwortet der Franz-Hitze-Verein, der unter anderem den Franz-Hitze-Pfad ins Leben gerufen hat. Geplant: Gedenken am Grab in Rhode, Festgottesdienst, abends eine Festveranstaltung in der Franz-Hitze-Grundschule mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Professors Dr. Thomas Sternberg (geboren in Elspe ), am nächsten Tag Pilgerwanderung von und Frühschoppen.

Dokumentarfilm

„Natürlich kann, wenn man so lange vorher zu planen beginnt, noch nicht jedes Detail feststehen. Und dann kommt ja noch Corona hinzu“, so Gerhard Burghaus, eine der treibenden Kräfte im Franz-Hitze-Verein. Was aber feststeht, ist, dass es einen Film zu Franz Hitze geben wird. Olpes Stadtarchivar Josef Wermert:. „Geplant ist ein 30-minütiger Dokumentarfilm, der auf wissenschaftliche Weise Werk und Bedeutung Franz Hitzes vermittelt. Der Film soll für die Bildungsarbeit in NRW und darüber hinaus konzipiert werden. Die Idee ist hier im Haus entstanden. Das LWL-Medienzentrum für Westfalen übernimmt die Sache. Unterstützer ist auch die Stadt Olpe. Wir haben von Hitze Dokumente, Zeugnisse, seinen ganzen Nachlass, aber auch Dinge wie seine Aktentasche oder den Rosenkranz, den er gekauft hat, als er Wilhelm II. auf dessen Palästinareise begleitet hat.“

Am 7. Oktober 2021 ist die nächste Veranstaltung geplant, verantwortlich der KAB-Bezirk Olpe- Siegen. Angedacht: Treffen am Geburtshaus, Wortgottesdienst in Rhode, Messe in der Martinus-Kirche Olpe und ein Abend in der Olper Stadthalle. Hauptteilnehmer während des gesamten Tages wird der Erzbischof von Paderborn Hans-Josef Becker sein. Für den Unterhaltungsteil sorgen unter anderem der Kemper-Werkschor, eine heimische Brasscombo sowie diverse Schauspieler. An der Diskussionsrunde nehmen außer dem Erzbischof auch NRW Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann und Professor Dr. Wilhelms (Uni Münster). Themen sind solche, die Hitze als Fragen hinterlassen hat: Christliches Soziallehre schön und gut, aber wo wird sie konkret? Hitze wollte vor allem sozial handeln.

Weltbewegendes bewirkt

Der Präses des KAB-Bezirksverbandes Olpe-Siegen Reinhard Lenz, Pfarrer in Saalhausen, betont:. „Die beiden Feiern sind zusammen zu sehen. Die erste dient mehr dem Gedenken, die zweite mehr dem, was Hitze uns heute sagen würde.“

Für Pfarrer Lenz hat der Theologe aus Hanemicke „Weltbewegendes bewirkt“. Hitze eiferte dem Bischof von Mainz Emmanuel von Ketteler ( 1811 - 1877) nach. Der hatte sich gegen Bismarcks positioniert und wurde auch „Arbeiterbischof“ genannt.

Der Kulturkampf verwehrte Hitze eine vernünftige Primiz (sie wurde heimlich in Hitzendumicke gefeiert). Danach schickte ihn sein Bischof aus Schutzgründen zu weiteren Studien nach Rom ins Campo Santo. Dort packte Hitze als Reisegepäck Marx‘ Schrift „Das Kapital“ aus. In An- und Ablehnung dazu schrieb er sein wichtigstes Werk „Kapital und Arbeit und die Reorganisation der Gesellschaft“ (1880 ).

Das Buch machte den Unternehmer Franz Brandts ( 1834 - 1914 ) auf Hitze aufmerksam. Er holte ihn als Generalsekretär des von ihm gegründeten Verbands „Arbeiterwohlfahrt“ nach Mönchengladbach. Eine Sternstunde für Hitze. Brandts war nämlich ein Unternehmer, der damals völlig ungewöhnlich, bei seinen Arbeitern für Kindergärten, Krankenversicherung, Weiterbildung sorgte und sogar Mitbestimmung zuließ. Hier lernte Hitze das, was er in Berlin brauchte, um den Arbeitern zu helfen, aus ihrer Misere herauszukommen.

Brandts schickte ihn für das Zentrum ins Preußische Abgeordnetenhaus und in den Reichstag, dem er bis 1921 angehörte. Das Parlament war Hitzes Front. Dort verfolgte er beharrlich seine Ziele. Hitze hat eine Menge erreicht. Der Ursprung unserer Rente: die Alters- und Invalidenversicherung, Verkürzung der Arbeitszeit für Frauen, Verbot von Kinderarbeit in Fabriken, die 24-stündige Sonntagsruhe, Ausdehnung des Versicherungsschutzes, bessere Fabrikaufsicht. Das ist noch lange nicht alles, woran Hitze oft maßgeblich mitgewirkt hat.

Freie Gewerkschaften

Mit dieser Arbeit entsteht im 19. Jahrhundert das, was heute für uns normal ist: freie Gewerkschaften, Kündigungsschutz, Elternzeit, Mindestlohn, Krankenversicherung, Mitbestimmung, vermögenswirksame Leistungen etc. Hitze hat über seine Zeit hinausgedacht, kostenloses Schulmaterial, Ganztagsbetreuung, Erwachsenenbildung, Standardisierung der sozialen Errungenschaften in Europa gehörten schon zu seinen Anliegen. Wegen seiner fachlichen Kompetenz schaffte es der „Paderborner Kaplan“ im Rahmen der Internationalen Arbeiterschutzkonferenz (1890) als Berater, so der bekannte Historiker Rudolf Morsey,“ „im schwarzen Priesterrock sogar an die Tafel des Kaisers.“

Hitze ist Mitbegründer der christlichen Soziallehre und indirekt Mitvorbereiter der sozialen Marktwirtschaft. Er war an der Uni Münster erster Professor für christliche Soziallehre. Er war Mitbegründer des „Volksvereins für das katholische Deutschland“, eine Art christlicher Gewerkschaft, die einige Bischöfe aber abblockten, was zum Gewerkschaftsstreit führte. Hitze half auch, die zentrale Struktur der „Caritas wie wir sie heute kennen, in den Stiel zu stoßen und 1909 in Olpe einen katholischen Arbeitnehmerverein zu gründen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben