Wendener Kirmes

30.000 Reibekuchen brutzeln für Brasilien

Ein Bild vom vergangenen Jahr: Fleißige Frauen schälen Kartoffeln für die Reibekuchen hinter dem Pastorat vor den Garagen in Wenden.

Ein Bild vom vergangenen Jahr: Fleißige Frauen schälen Kartoffeln für die Reibekuchen hinter dem Pastorat vor den Garagen in Wenden.

Foto: Privat

Wenden.   Mit der Mammutaktion „Lago da Pedra“ hilft die Wendener Kirchengemeinde in Brasilien. 600 Helferinnen und Helfer sind bei der Kärmetze im Einsatz.

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Sie gehört zur Kirmes wie das Riesenrad. Seit 46 Jahren gibt es beim größten Volksfest in Südwestfalen „Lago da Pedra“, die Aktion der Wendener Kirchengemeinde zur Unterstützung der Pfarrei im Nordosten Brasiliens, die auch als Armenhaus des südamerikanischen Landes gilt.

Reibekuchenaktion in Zahlen

600Helferinnen und Helfer sind im Einsatz bei der Reibekuchen-Aktion bei der Wendschen Kärmetze.


30 000Reibekuchen werden an den drei Kirmestagen – 18., 19. und 21. August – am Stand an der Hauptstraße für den guten Zweck gebacken.

100Zentner Kartoffeln, 2600 Eier und 800 Liter Öl sind dafür als Zutaten notwendig. Zudem verspeisen die Kirmesbesucher 110 Dosen Apfelmus.

6Stationen gibt es in Wenden, Altenhof, Elben, Ottfingen, Möllmicke und Hillmicke, an denen die Kartoffeln geschält werden.

Das Team

Die Organisation ist eine Herkulesaufgabe, für die Christa Grünewald mit einem 20-köpfigen Team verantwortlich zeichnet. „Es ist ein Großunternehmen. Da steckt unheimlich viel Logistik dahinter. Das Öl fließt mittlerweile über Pipelines in die Pfannen“, erzählt die 73-Jährige. Der Einsatzplan weise noch große Lücken auf: „Wir benötigen noch einige Helfer, damit wir das stemmen können. Man merkt schon, dass Ferienzeit ist.“

Was macht die bemerkenswerte Reibekuchen-Aktion „Lago da Pedra“ aus? „Es ist das Gefühl, dass man den Ärmsten der Armen in Brasilien eine Chance gibt. Es ist das Gefühl der Menschlichkeit. Das kommt bei allen rüber. Wir haben auch viele Jugendliche, die helfen und Freude an dieser Sache haben“, so Christa Grünewald.

Die Hilfsprojekte

Angefangen hat alles im Jahr 1972 mit einem kleinen Stand an der Bergstraße in Wenden. „Damals war es noch eine bescheidene Ausstattung. Die Reibekuchen wurden in zwei geliehenen Pfannen gebacken und mit Autos wurde der Teig aus dem Altenheim an die Bergstraße gefahren“, berichtet Christa Grünewald. Der erste Erlös ging an ein Kinderheim in Bethlehem. Auf Anregung von Vikar Johannes Bieker habe die Aktion ein Jahr später die heutige Bedeutung bekommen. Mit den erbackenen Geldern wurde fortan die Arbeit der Olper Franziskanerinnen in „Lago da Pedra“ unterstützt. So konnten die Schwestern ein Entbindungsheim aufbauen.

Seit einigen Jahren wird auch das Mädchen-Haus „Traum der Aline“ unterstützt. In diesem Haus werden mehr als 200 Mädchen aus ärmsten Verhältnissen, die zwischen sieben und 14 Jahren alt sind und bisher auf der Straße lebten, mit Nahrung versorgt und nach der Schule betreut. „Es wird alles gespendet, außer wir brauchen mal einen neuen Bräter oder andere Gerätschaften. Der ganze Erlös geht nach Brasilien“, betont Christa Grünewald.

Die Bands

Zur Kirmes-Attraktion ist „Lago da Pedra“ nicht zuletzt auch durch die Live-Musik geworden. Abends sorgen Coverbands dafür, dass es beim Reibekuchenstand an der Hauptstraße weiter rund geht. Das Besondere: Alle Bands spielen gratis. Oder wie es Christa Grünewald ausdrückt: „Zu Ehren Gottes“. Das sind in diesem Jahr am Samstag ab 19 Uhr „Seven Ab!“. Ebenfalls jeweils ab 19 Uhr spielen am Sonntag „The Natives“ und am Dienstag „Super Liquid“. Zudem treten am Dienstag von 14 bis 16 Uhr „Teatime with Lucas“ auf. „Das Bühnenprogramm hat sich zu einem besonderen Anziehungspunkt entwickelt. Außer dem Festzelt sind wir die Einzigen, wo Livemusik angeboten wird“, so die 73-Jährige.

„Mir geht es ums Wir. Trotz der Arbeit macht es viel Freude. Wir haben Spaß im Team“, sagt Christa Grünewald. Und abschließend betont sie: „Es ist noch nie etwas passiert. Wir sind stolz darauf, dass wir noch nie einen Polizeieinsatz hatten. Es gibt keinen Radau, keine Handgreiflichkeiten. Es wird auf der Straße getanzt und gefeiert.“

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