Unglaublich

Vertreter dreht Senioren Matratzen für 4067 Euro an

Matratzen können ganz schön teuer werden, besonders bei sogenannten Haustürgeschäften.

Matratzen können ganz schön teuer werden, besonders bei sogenannten Haustürgeschäften.

Foto: Wolfgang Kumm

Lennestadt.   Schon fünf ähnliche Fälle in Lennestadt. Verbraucherzentrale warnt vor Haustürgeschäften und rät zum Widerruf des Kaufs.

Ein dubioses Haustürvertreter-Duo versucht in Lennestadt vor allem älteren Leute teure Produkte anzudrehen. Davor warnt die Verbraucherzentrale in Lennestadt. In mehreren Fällen waren die beiden Männer, die sich als Vater und Sohn vorstellen, bereits erfolgreich. Einem älteren Ehepaar wurde so ein Kaufvertrag über zwei Schlafmatratzen aufgeschwatzt, zum Preis von zusammen 4067 Euro plus 89 Euro Versandkosten. Der Verbraucherzentrale in Lennestadt sind mittlerweile sechs ähnliche Fälle bekannt. Weil der Kaufvertrag „rechtlich bedenklich“ sei, rät Anne Hausmann, Leiterin der Verbraucherzentrale in Lennestadt, den Kaufvertrag fristgerecht zu widerrufen.

Zweiter Mann wartet draußen

Das Verkaufskonzept der beiden Haustürhändler funktioniert folgendermaßen: Zunächst schellt ein Staubsaugervertreter an der Tür, um ein Markengerät in der Wohnung vorzuführen. Dazu gehört auch die Matratzenreinigung im Schlafzimmer. Dabei überzeugt der Staubsauerverkäufer seine Kunden, dass die Matratzen nicht mehr gut seien und ausgewechselt werden müssten. Zufällig habe er ein gutes Angebot und so kommt der Sohn ins Spiel, der draußen im Auto wartet. Lassen sich die Wohnungsbesitzer darauf ein, den Sohn ebenfalls ins Haus zu holen, ist das Haustürgeschäft schon so gut wie unter Dach und Fach.

Anne Hausmann: „Die Leute sind dann in einer Überrumpelungssituation, sie werden unter Druck gesetzt und unterschreiben dann den Kaufvertrag.“

Grundsätzlich sind Haustürgeschäfte nicht ungesetzlich. Verbraucher haben aber auch bei Verträgen, die außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wurden, ein Widerrufsrecht. Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage und der Widerruf ist ohne Angabe von Gründen möglich.

Im oben geschilderten Fall wurde dem betroffenen Ehepaar keine Widerrufsbelehrung ausgehändigt. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Matratzenverkäufers steht sogar explizit: „Über die Einzelheiten des Widerrufsrechts wird der Kunde in einem separaten Dokument belehrt.“

Anne Hausmann: „Die Kunden haben eine Widerrufsbelehrung und das Dokument nie erhalten, sie wussten gar nicht, dass sie das Recht haben, den Kauf zu widerrufen.“ Der Sohn des Ehepaars schaltete dann die Verbraucherzentrale ein.

Ein Widerruf muss schriftlich an die Adresse des Verkäufers im Kaufvertrag geschickt werden. „Wir empfehlen den Widerruf schriftlich per Einwurfeinschreiben und zusätzlich per Fax oder E-Mail zu verschicken“, so Anne Hausmann. Die Widerrufsfrist endet 14 Tage ab Unterschrift auf dem Kaufvertrag. Wer die Frist verpasst hat, sollte sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Vorsicht an der Haustür

Generell sollten Verbraucher bei Haustürgeschäften sehr vorsichtig sein. Die Verkäufer setzen häufig auf psychischen Druck, um Verbraucher zu einem Kauf zu bewegen. Die Konditionen werden im Gespräch oft attraktiver dargestellt, als sie es im Kleingedruckten tatsächlich sind. Oft wird auch argumentiert, dass das Angebot nur bei sofortigem Vertragsabschluss verfügbar sei – der Druck wird so zusätzlich erhöht. Wenn ein Haustürgeschäft interessant klingt, sollten Kunden sich nicht zu einem voreiligen Abschluss drängen lassen. Falls man sich überredet fühlt und das im Nachhinein bereut, sollte man sich möglichst schnell um den Widerruf kümmern. Anne Hausmann: „An der Haustür besteht eine besondere Drucksituation und man hat keine Zeit sich über das Produkt zu informieren.“

An der Haustür werden nicht nur Haushaltsartikel, sondern auch Dienstleistungen wie Handwerkerarbeiten angeboten. Grundsätzlich gilt also: Vorsicht!

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