Kommentar

Ärztemangel im Kreis Olpe: Lasst sie studieren!

Josef Schmidt.

Josef Schmidt.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Kreis Olpe.  Es knirscht im Gesundheitssystem im Kreis Olpe. Immer mehr Hausärzte geben auf, ohne einen Nachfolger zu haben. Was ist zu tun? Ein Kommentar.

Wenige Themen haben das Potenzial, mich ganz persönlich wütend zu machen. Der chronische Ärztemangel ist eines davon. Denn ich bin wie viele andere Bürger dieses Landes auf ärztliche Hilfe oder Beratung angewiesen. Junge Menschen haben damit weniger zu tun, aber wenn die 6 einmal vorne steht, fängt das eigene System an zu knirschen: die Augen, das Knie, der Blutdruck und so weiter. Altersgenossen wissen, wovon ich rede.

Als meine Frau Ende August einen Kontrolltermin beim Augenarzt für mich vereinbaren wollte, verblüffte mich ihre Info: Im Oktober, allerdings 2021. Das hielt ich zunächst für einen Versprecher, dann für eheliche Satire. Beides Fehlanzeige. Es war Realsatire.

Wenn die Gutachter fordern, der Hausarzt müsse Lotse in Richtung Fachärzte sein, anstatt dass sich verunsicherte Patienten sozusagen am Hausarzt vorbei selbst einen Spezialisten suchen und niemand mehr den Gesamt-Überblick hat, haben sie Recht. Hausarztpraxen mit einer Endlos-Warteschlange haben allerdings abschreckende Wirkung.

Und da kommt die Wut zurück: Immer wieder höre ich aus meinem Bekanntenkreis, dass unsere studierwilligen Abiturienten trotz eines sehr guten Abi-Notenschnitts keine Chance bekommen, wegen des irrsinnigen Numerus clausus für Medizin von 1,0. Nur in Niedersachsen und Schleswig-Hostein reicht eine 1,1. Da fehlen mir die Worte. Liebe Gesundheitspolitiker: Lasst unsere jungen Menschen auch ohne eine 1,0 im Abitur Medizin studieren! Darunter ist sicherlich dann auch der eine oder andere Landarzt, der zwar nicht der überragende Streber auf der Schule war, aber Herz, Verstand und Mitgefühl mitbringt.

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