Jahrgangsbeste

Anna Hesse ist Bäckerin aus Leidenschaft in Oberveischede

Anna Hesse ist mit Leib und Seele Bäckerin. Ihre besondere Liebe gilt den feinen Creme- und Sahne-Kreationen. Als Innungsbeste des letzten Azubi-Jahrgangs der Bäcker-Innung Westfalen-Süd weiß sie, wie es geht.

Anna Hesse ist mit Leib und Seele Bäckerin. Ihre besondere Liebe gilt den feinen Creme- und Sahne-Kreationen. Als Innungsbeste des letzten Azubi-Jahrgangs der Bäcker-Innung Westfalen-Süd weiß sie, wie es geht.

Foto: Josef Schmidt

Oberveischede/Kreis Olpe.   Vor allem bei Konditorware legt sie gerne Hand an.

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Eines der bekanntesten deutschen Kinderlieder beginnt zwar mit dem Reim „Backe, Backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen“, aber als das Lied Mitte des 19. Jahrhunderts getextet wurde, dachte wohl niemand daran, dass die schwere Arbeit auch einmal von Frauenhänden bewältigt werden könnte. Das hat sich gravierend geändert. In der Oberveischeder Bäckerei von Georg Sangermann ruft, wenn sie denn ruft, auch eine Bäckerin: Anna Hesse (24) aus Wenden.

Sie gehört zu der größer werdenden Zahl von jungen Frauen, die sich vor keinem Mehlsack oder Backblech fürchten – ganz im Gegenteil. Sie war sogar die Jahrgangsbeste des Bäcker-Azubi-Jahrgangs der Innung Westfalen-Süd, der 2017 geprüft wurde.

Zuerst Kinderpflegerin

„Eigentlich wollte ich eine Ausbildung zur Konditorin machen“, blickt sie im Gespräch mit uns zurück. „Aber da gibt es kaum Lehrstellen hier in der Nähe.“ Junge Menschen, die sich für das Bäckerhandwerk entscheiden, sind demgegenüber heiß begehrt.

Zunächst hatte sich das Mädchen aus dem Wendschen für eine ganz andere Berufslaufbahn entschieden: „Nach der Realschule habe ich eine Ausbildung zur Kinderpflegerin gemacht.“ Anschließend lockte die große weite Welt, in dem Fall eine irische Familie in Cork, um deren kleinen Jungen sich die Sauerländerin ein halbes Jahr kümmerte.

Da sie schon immer gerne gekocht und vor allem gebacken habe, erinnert sich die heutige Bäcker-Gesellin, sei dann der Entschluss gereift, einen Berufswechsel zu wagen: „Eine meiner Cousinen aus Drolshagen ist auch Bäckerin geworden und sie hat mich in meinem Entschluss bestärkt.“ Die Bewerbung bei Georg Sangermann war dann auch erfolgreich, und im August 2014 durfte das neue Lehrmädchen loslegen. Dass sie bereits im Januar 2017 zur Prüfung antreten durfte, lag an ihren guten Leistungen.

Eine Woche Bäckerfachschule

In den etwa zweieinhalb Jahren kam die junge Frau dann mit allem in Berührung, was sie heute braucht. Im ersten und im dritten Lehrjahr gehörte ein Acht-Stunden-Tag pro Woche in der Berufsschule in Siegen zum Terminplan, im zweiten Lehrjahr zwei Tage.

Aber auch die Olper Bäckerfachschule öffnete sich in jedem Ausbildungsjahr eine Woche lang für Anna Hesse: „Das nannte sich Überbetriebliche Unterweisung.“ Im Blickpunkt besondere Handwerkstechniken, die in den Ausbildungsbetrieben nicht alltäglich seien. „Wir haben Spezialbrote gebacken und Partygebäck, auch mal eine Buttercreme-Torte, und Salate und Snacks für Buffets zubereitet.“

In einer weiteren Woche hätten Flechtgebäck und verschiedene Zöpfe und Knoten auf dem Stundenplan gestanden. Zudem seien Brötchen mit der Hand zubereitet worden, eine Technik, die in den Betrieben nur noch maschinell ausgeführt werde.

Georg Sangermann, Bäckermeister, Inhaber des Bäckereibetriebes und seit zweieinhalb Jahren auch Obermeister der Innung Westfalen-Süd: „Eine unserer Maschinen kann in einer Stunde etwa 2500 Weizenbrötchen formen, die Roggenbrötchen werden per Hand produziert.“ Die Teigbällchen müssten dann über Nacht auf dem Rücken ruhen, würden dann umgedreht und am nächsten Morgen erst gebacken. Für die insgesamt sechs Filialen würden natürlich je nach Wochentag und Saison unterschiedlich viele Brötchen gebacken: „An einem ruhigen Tag sind das 2500 Weizen- und genauso viele Roggenbrötchen, zu Spitzenzeiten können es zusammen 12 000 sein.“

Mehlsäcke 25 Kilogramm schwer

Mit Brötchen hat Anna Hesse allerdings weniger zu tun. Sie hat sich auf das spezialisiert, was sie besonders gerne macht: Konditorware. „Am liebsten dekoriere ich Sahneschnittchen“, lacht sie mich strahlend an. Aber auch eine neue Produktlinie Sangermanns, zu der Zitrone-Marzipan-Schnitten gehörten, hätten ihr es angetan. Das habe einen Vorteil: „Ich muss erst um drei Uhr morgens anfangen.“

Ansonsten ist sie ein ganz normaler Bestandteil der 15-köpfigen Bäcker-Crew, inklusive fünf Azubis. Körperliche Probleme mit der Arbeit, versichert sie, habe sie nicht. 25 Kilogramm schwere Mehlsäcke flößten ihr keine Furcht ein: „Die lege ich auf die Schulter, und gut ist.“ Dass grundsätzlich mehr Frauen den Weg in die frühere Männer-Domäne suchten, kann auch Georg Sangermann bestätigen: „Von unseren fünf Lehrlingen sind drei Mädchen.“

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