Interview

Andrea Arens: „Müssen uns den neuen Medien öffnen“

Andrea Arens aus Olpe ist neue Erste Vorsitzende des Kreisheimatbundes Olpe.

Andrea Arens aus Olpe ist neue Erste Vorsitzende des Kreisheimatbundes Olpe.

Foto: Josef Schmidt / WP

Olpe.  Die 54-jährige studierte Kunsthistorikerin aus Olpe hat den Vorsitz des Kreisheimatbundes übernommen.

Seit voriger Woche ist Andrea Arens aus Olpe Erste Vorsitzende des Kreisheimatbundes Olpe. Wir wollten von der studierten Kunsthistorikerin und Archäologin unter anderem wissen, was sie sich für ihre erste vierjährige Amtsperiode vorgenommen hat.

Frau Arens, haben Sie als Kind schon davon geträumt, mal einen Schatz zu finden, oder welche Motivation stand im Vordergrund, sich später einmal mit Archäologie zu befassen?

Andrea Arens: In der Tat habe ich früh Interesse für Kunst und Archäologie gezeigt. Burgen besichtigen und altes Mauerwerk unter die Lupe nehmen – das hat mir als Kind schon Spaß gemacht.

Aus ihrer Vita geht hervor, dass Sie mehrere Jahre im Mainzer Landesmuseum gearbeitet haben, seit wann sind Sie wieder in ihrer Heimat?

Seit dem Jahr 2000, als meine Kinder geboren wurden.

Waren Sie von Beginn an im hiesigen Raum historisch aktiv?

Ich bin langsam wieder reingerutscht, habe mich zunächst auf meine Kinder konzentriert. Ein erstes großes Projekt war die Chronik des Olper Schützenvereins. Die Arbeit dafür hat insgesamt sieben Jahre meinen Schreibtisch bestimmt. Seit 2006 arbeite für das Südsauerlandmuseum.

Der Kreisheimatbund hat in erster Linie mit Heimatgeschichte zu tun, Ihre Disziplinen sind Kunstgeschichte und Archäologie, wie passt das zusammen?

Das passt hervorragend zusammen, weil wir zwei wichtige Standbeine haben: Das sind einmal die Themen .Natur und Umwelt’, exzellent abgedeckt durch Dr. Roswitha Kirsch-Stracke, meine Vorgängerin, und ich bin in der Baukultur zu Hause.

Apropos Baukultur – haben Sie auch für den Abriss des Olper Rathauses gestimmt?

Ich bin mit dem Thema sachlich umgegangen. Von der Architektur her hat mir das Rathaus nie gefallen, aber ich habe in Mainz einmal eine ähnliche Diskussion verfolgt. Das Mainzer Rathaus ist auch aus den 1970-er Jahren, und es ging auch um die Frage der Renovierung. Dort habe ich mitgenommen, dass der eigene Geschmack nicht unbedingt die Hauptrolle spielen sollte. Man muss sich auch daran erinnern, aus welcher Epoche solch ein Gebäude stammt. Man spricht von der Architektur des Brutalismus. Damals war es schick, den Leuten hat es gefallen. Man wollte ein schönes Hochhaus haben, ganz im Stil der Zeit. Heute gefällt uns das nicht mehr. Es ist oft so, dass Kinder nicht das mögen, was die Eltern gemacht haben. Aber spätere Generationen schätzen es dann wieder.

Zurück zum Kreisheimatbund. Was reizt Sie an der Arbeit grundsätzlich?

Ich habe im Lauf der Jahre erkannt, wie viele Schätze wir hier haben und wie lebenswert und reich die Region ist.

Welche Schätze?

Beispielsweise die Natur, die wir um uns herum haben. Das haben wir in der Corona-Zeit doch gesehen. Ich habe mich nie eingesperrt gefühlt. Wenn ich rausgehe, bin ich ganz schnell im Wald, kann Fahrrad fahren. Ich bin während des Lockdowns fast jeden Tag um den Biggesee gefahren. Da haben mir die Menschen in den Großstädten schon leid getan.

Zweiter Schatz?

Die Baudenkmäler. Damit beschäftige ich mich intensiv. Wir haben viele tolle Sachen, die vielen Menschen nicht bewusst sind.

Ist es eines Ihrer künftigen Ziele, diese Dinge bekannter zu machen?

Zumindest das Bewusstsein zu schärfen für die Schätze, die wir haben. Das muss nicht immer Denkmalgeschütztes sein. Oftmals sind es auch Gebäude, die für die Emotionen der Menschen eine Rolle spielen, weil sie eine Tradition im Dorf haben. Das sollten wir bewahren.

Haben Sie sich spezielle, konkrete Ziele für den Kreisheimatbund gesetzt, beispielsweise mehr Mitglieder?

Es ist der Wunsch eines jeden Vereins, mehr wahrgenommen zu werden. Das zeigt sich auch in der Zahl der Mitglieder.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Derzeit 390.

Was ist die Hauptaufgabe eines Kreisheimatbundes?

Der Kreisheimatbund ist kein Verein wie ein Gesang- oder Turnverein oder ein Geselligkeitsverein. Unser Ziel ist es, die Heimatvereine bei deren Arbeit zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir wollen verbinden und unterstützen.

Ein Beispiel?

Zum Beispiel das Stadtjubiläum Attendorn 2022. Die Stadtgründung ist ja für 1222 dokumentiert. Da werden wir anklopfen und fragen: Wie können wir helfen und unterstützen? Wir haben ausgezeichnete Netzwerke, die wir nutzen können.

Vor allem jüngere Menschen haben womöglich einen falschen Blick auf den Kreisheimatbund und denken, da sitzen ein paar Greise, die in Archiven wühlen. Ist da Aufklärung von Nöten, kann man die Jugend stärker einbinden?

Das ist ein Wunsch, den ich habe. Wir sollten künftig stärker in die sozialen Medien gehen. In unserer Zeitschrift, den Heimatstimmen, bieten wir derzeit ein Forum mit Geschichten aus der Heimat, greifen aber auch Aktuelles auf wie den den Umweltschutz oder die Baukultur. Aber ich denke, dass wir uns den neuen Medien öffnen müssen, um auch Jüngere für unsere Inhalte zu interessieren. Ich habe beispielsweise bereits ein Gespräch geführt mit einem jungen Filmemacher, der einen Kurzfilm drehen soll, in dem sich der Kreisheimatbund vorstellt, nach dem Motto: Was machen wir, wo kommen wir her, wo sind wir, wo wollen wir hin? Welche Projekte gehen wir an? Er war sehr interessiert und hat gesagt: Das Netzwerk, das der Kreisheimatbund Olpe hat, wäre auch für mich total wichtig.’

Gibt es bereits ein Format des Kreisheimatbundes, das junge Menschen anspricht?

Ja, der Wettbewerb ,Heimat lebt’. In diesem Wettbewerb prämieren wir Arbeiten, die von Studierenden und Schülern zu Themen im Kreis Olpe verfasst werden. 2020 ist der Wettbewerb schon zum 5. Mal, trotz Corona, veranstaltet worden.

Was ist Ihr ganz persönliches Herzblut-Thema?

Mein Thema sind die Bau- und Kunstdenkmäler. Da geht es schon um die Frage, inwieweit ich unsere Kunst- und Kulturschätze bekannt machen möchte. Dem gilt mein besonderes Augenmerk. Es wäre schön, wenn die Menschen noch mehr ihre alten Gebäude schätzen. Ich höre immer wieder, dass Menschen sagen: Wenn mein Haus unter Denkmalschutz gestellt wird, verliert es an Wert. Das macht mich sprachlos.

Der Denkmalschutz wird in Olpe heiß diskutiert, ist für einige zu einem Schreckgespenst geworden.

Der Denkmalschutz hat hier zum ersten Mal in den 1980-er Jahren gegriffen. Da ist einiges unglücklich umgesetzt worden. Es wurden breitflächig Gebäude inspiziert und unter Schutz gestellt. Vielfach wurden die Eigentümer nicht genügend mitgenommen. Das sitzt wahrscheinlich heute noch fest.

Ist die LWL-Denkmalbehörde in Münster zu weit weg, nicht nur geografisch?

Im Gegenteil. Der Kreisheimatbund hat vor zwei Jahren die erste Tagung zum Denkmalschutz im Kreis Olpe ausgerichtet. Wir wollten alle an einen Tisch holen. Es kamen Fachleute aus der Landespolitik, vom Denkmalamt in Münster, von allen Unteren Denkmalbehörden, die Bürgermeister waren geladen, die Handwerker und die Denkmaleigentümer. Das hatte auch eine gute Resonanz. Es ist wichtig, dass sich die Leute von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen.

Wie ist das Verhältnis des Kreisheimatbundes zur LWL-Behörde?

Wir haben enge Kontakte zu den LWL-Einrichtungen der Denkmalpflege, der Archäologie und des Medienzentrums.

Fällt Ihnen spontan ein Gebäude ein, dass Sie gerne unter Denkmalschutz stellen würden, das noch kein Denkmal ist?

Ich könnte Ihnen ganz viele nennen.

Der Olper Bahnhof zum Beispiel?

Ich persönlich möchte, dass er erhalten bleibt. Dazu erscheint im kommenden Jahrbuch des Heimatvereins für Olpe und Umgebung auch ein Artikel von mir. Eine Kurzfassung erschien bereits in unseren Heimatstimmen.

Ein weiteres Gebäude?

Ich will nicht konkret das eine oder andere nennen, sondern vielmehr auf die Zeitspanne von etwa 1900 bis in die 1930-er Jahre hinweisen. In der ersten Welle der Unterschutzstellung in den 1980-er Jahren sind diese Gebäude kaum berücksichtigt worden. Da ging es um das 18. oder 19. Jahrhundert und um die ganz großen Villen. Es gibt noch viele Gebäude im Kreis, die Zeugen von Wohnformen und Alltags-Kultur unserer älteren und jüngeren Geschichte sind. Ein Schatz, der noch gehoben werden muss, ist die Industriekultur. Insbesondere der Bergbau war in dieser Region ganz wichtig. Das war mir lange gar nicht bewusst. Wir haben z. B. eine große Rolle im Kupferabbau gespielt, die Rhonard war ein wichtiges vorindustrielles Bergbaugebiet.

Auf welche Aktionen oder Themen dürfen sich die Heimatfreunde in den nächsten vier Jahren freuen?

Unsere Herbstveranstaltung zum Jahresthema 75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg in Westfalen im Gasthof Sangermann findet am 21. November statt. 2021 werden wir das Thema ,Rettung und Hilfe im Ehrenamt’ in den Vordergrund stellen.

Wenn Sie als Kreisheimatbundvorsitzende einen Wunsch an die Gute Fee richten könnten, welcher wäre das?

Der Kreisheimatbund sollte in der Öffentlichkeit noch mehr wahrgenommen werden, über alle Generationen. Mehr und vor allem mehr junge Mitglieder wären schön.

Wenn die Gute Fee nicht erscheint, wie kann man die Jugend interessieren?

Die jungen Leute haben keine Bücherregale mehr, sondern alles auf dem Handy.

Sie müssen also mit dem Kreisheimatbund in die Handys der jungen Leute schlüpfen?

Zumindest in die digitale Welt.

Zur Person:

Andrea Arens (54) stammt aus Olpe, hat ihr Abitur dort auf dem Städtischen Gymnasium abgelegt und anschließend in Mainz und Münster Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Buchwissenschaft studiert und als Magister abgeschlossen.

Unter anderem hat sie sieben Jahre im Landesmuseum in Mainz gearbeitet.

Sie ist verheiratet und Mutter von Zwillingen, ihr Hobby ist der Sport, vor allem das Fahrradfahren.

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