Metallverarbeiter

Arghandiwal unterschreibt Vertrag bei Feinblech Systeme

Jawed Arghandiwal, Flüchtling aus Afghanistan, hat eine feste Arbeit in Finnentrop bei Feinblech Systeme gefunden

Jawed Arghandiwal, Flüchtling aus Afghanistan, hat eine feste Arbeit in Finnentrop bei Feinblech Systeme gefunden

Foto: Flemming Krause

Finnentrop.   Das Katholische Jugendwerk Förderband vermittelt 23 Flüchtlinge in Arbeit. Jawed Arghandiwal ist bei dem Finnentroper Unternehmen untergekommen.

Jawed Arghandiwal strahlt. Er ist erleichtert und dankbar, eine feste Anstellung gefunden zu haben. Seit Anfang des Jahres arbeitet der 43-jährige Afghane, der vor zwei Jahren aus Kabul nach Deutschland kam, in Finnentrop bei dem Metallverarbeiter Feinblech Systeme. Er schneidet Gewinde, fräst und schießt Bolzen auf. „Es macht Spaß. Ich möchte hier arbeiten und mein Geld verdienen“, sagt der Flüchtling. Seine neue Chefin, Petra Prochaska, lobt ihn in höchsten Tönen: „Jawed ist unglaublich ruhig, genau in der Arbeit und wissbegierig.“

Praktikum vorneweg

Der zweifache Familienvater hatte im Dezember ein Praktikum in dem Lenhauser Betrieb absolviert. Das Katholische Jugendwerk Förderband hatte ihn vermittelt, nachdem es im Auftrag des Integration Points an der Maßnahme „Perspektiven für Flüchtlinge (PerF)“ teilgenommen hatte.

Und das mit großem Erfolg: Neben dem Afghanen unterschrieben 22 weitere Teilnehmer nach dieser Maßnahme einen festen Arbeitsvertrag (wir berichteten). Und das, obwohl ein Großteil von ihnen noch gar nicht wusste, ob sie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten würden.

Verfahren noch nicht abgeschlossen

„In den meisten Fällen ist es so, dass die Asylverfahren leider noch nicht abgeschlossen sind“, sagt Helmut Brocke, geschäftsführender Vorstand bei Förderband, und ergänzt: „Deshalb müssen die Arbeitgeber bei der Ausländerbehörde einen Antrag stellen und sich das Okay holen, dass die Flüchtlinge bei ihnen arbeiten dürfen.“

Großes Interesse daran hat auch das Jobcenter, wie Nina Appel, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Siegen-Olpe betont: „Unser Ziel ist die Beratung und Vermittlung in Arbeit und Ausbildung, mit all den damit verbundenen Maßnahmen wie Sprachkurse, Praktika, berufliche Qualifikationen oder Maßnahmen zur Vorbereitung auf den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.“

Erfolgreiches Netzwerk

Die Zahlen dazu: In dem Agenturbezirk, zu dem die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein gehören, wurden seit Dezember 2016 480 geflüchtete Menschen in Arbeit und 121 in Ausbildung angemeldet. Mehr als 2000 Männer und Frauen hätten zudem mit einer Orientierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen begonnen.

Das Erfolgsrezept für die Vielzahl an Vermittlungen sieht Helmut Brocke in dem Netzwerk, das sich Förderband über Jahre aufgebaut habe: „Wir sind als Träger im Bereich Berufsorientierung für junge Menschen und Erwachsene gut strukturiert und haben über die Jahre viele Kontakte zu Betrieben aus dem gesamten Kreis aufgebaut.“ So habe man die PerF-Teilnehmer in Firmen aus der Metall-Branche, aber genauso auch in der Pflege oder im KFZ-Bereich untergebracht. Brocke: „Diese Struktur ist für uns sehr wichtig, denn die Flüchtlinge sind dezentral untergebracht, also im ganzen Kreis verstreut. Da sie keinen Führerschein besitzen, ist es wichtig, Betriebe vor Ort zu finden.“

Vertrag auch für Nigerianer

Das gilt für Jawed Arghandiwal allerdings noch nicht. Er lebt in Elspe. „Er hat keine Chance, mit dem Bus zu uns zu kommen“, betont Prochaska. Doch der Afghane hat Glück: Er wird von Kollegen mitgenommen. „Trotzdem möchte er bald umziehen und hier in der Nähe etwas finden“, sagt die Geschäftsführerin. Den ersten Kontakt zu Förderband hatte sie im vergangenen Jahr. „Damals kam das Jugendwerk auf uns zu und fragte uns, ob wir uns vorstellen könnten, einem Mann aus Nigeria ein Praktikum zu ermöglichen.“

Die Geschäftsführerin sagte zu und betont: „Das lief vom ersten Tag an richtig gut, wir haben ihn an der Pulveranlage eingesetzt und nach dem Praktikum mit einem Vertrag ausgestattet.“ Genauso wie Jawed Arghandiwal.

Die Tortur überlebt

Dass es der 43-Jährige überhaupt bis in den Kreis Olpe geschafft hat, gleicht einem kleinen Wunder. In seinem Heimatdorf, in der Nähe von Kabul, wurde er verschleppt. Von wem, das weiß er bis heute nicht. „Es sind drei Männer zu meinem Haus gekommen und wollten, dass ich mich dem Militär anschließe“, berichtet er. Doch das wollte er nicht. Er arbeitete doch im Ministerium.

Die Männer nahmen ihn trotzdem mit, sperrten ihn ein und ließen ihn später, weit weg von seinem Heimatdorf, wieder frei. Er überlebte die Tortur, doch eine Rückkehr nach Hause sei nicht mehr denkbar gewesen. Also floh Arghandiwal nach Deutschland und ließ seine Familie zurück. Das ist zwei Jahre her. Die Wunden sind noch nicht verheilt. Und dennoch ist er glücklich. Denn er hat Arbeit.

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