Kirchenmusik

Attendorn: Evangelischer Posaunenchor feiert 70. Geburtstag

Der Evangelische Posaunenchor bei einem Auftritt in der Erlöserkirche im Jahre 2012.   Foto: Karl-Hermann Ernst

Der Evangelische Posaunenchor bei einem Auftritt in der Erlöserkirche im Jahre 2012.   Foto: Karl-Hermann Ernst

Foto: Karl-Hermann Ernst / Meinolf Lüttecke

Attendorn.  Die Geschichte des evangelischen Posaunenchores Attendorn beginnt am Reformationstag 1950. Seinen 70. Geburtstag möchte der Chor nun feiern.

Erstmals am Reformationstag 1950 begleiteten vier jugendliche Bläser den Gemeindegesang der evangelischen Kirchengemeinde Attendorn zu Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Der 18-jährige Eberhard Röhrig – damals Oberprimaner am Rivius-Gymnasium und später Superintendent in Wuppertal – hatte die Initiative ergriffen und mit den drei Mitschülern und Brüdern Dieter, Klaus und Wolfgang Demtröder den evangelischen Posaunenchor ins Leben gerufen. Und der hat bis heute Bestand – und wird jetzt 70.

Erinnert an die Gründungsväter

Ein Anlass zur Würdigung im Reformationsgottesdienst am 31. Oktober um 19 Uhr in der Erlöserkirche. In dem Gottesdienst wird auch der langjährige Pfarrer Dr. Christof Grote verabschiedet. Das erste Instrument stellte Pfarrer i.R. Johannes Thomä den Jugendlichen zur Verfügung: sein „Kuhlo-Flügelhorn“, dessen Name an die Gründungsväter evangelischer Posaunenchöre zur Zeit der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert erinnert.

Der Posaunenchor, in der Sauerländer Diaspora „aus der Taufe gehoben“, erhielt schnell Unterstützung durch evangelische Fabrikanten und Geschäftsleute. Erfreulich war das Echo auf den ersten Auftritt der jugendlichen Laienmusiker. Im Advent 1951 musizierten bereits zehn Bläser in der Gemeinde.

Nachdem Eberhard Röhrig zum Studium Attendorn verließ, leiteten zunächst die Organisten der Gemeinde den Chor weiter. 1962 übernahm Paul Schweighöfer für 24 Jahre die Leitung des Posaunenchors. In seiner Zeit kamen – motiviert durch Pfarrer Peters im Konfirmandenunterricht – weitere Jungen und auch die

ersten Mädchen dazu. Der Attendorner Pfarrer Andreas Schliebener, selbst im Posaunenchor aktiv, fasst die Zeit folgendermaßen zusammen: „Seitdem erlebt der Ev. Posaunenchor das vielen Musikvereinen vertraute Auf und Ab, wenn junge Engagierte wegen Ausbildung oder Hobby, beruflich oder familiär bedingt den Chor wieder verlassen müssen, oft aber andernorts zur Freude der Gemeinde wieder aktiv werden. Die Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt ist den ehemaligen und gegenwärtig Musizierenden, ihren langjährig engagierten Chorleitenden wie auch Gott selber sehr dankbar, dass das kleine Ensemble durch die Jahrzehnte seinem Verkündigungsauftrag treu bleiben und kürzlich noch die Konfirmation in Grevenbrück begleiten konnte. Mit den Instrumenten als „tragbarer Orgel“ werden die Auferstehungs-Andachten auf dem Ev. Friedhof zu Ostern und am Ewigkeitssonntag wie auch Adventsandachten am großen Wichernkranz begleitet. Das Selbstverständnis des Chores, als „Mitarbeiter am 150. Psalm“ musikalisch das Evangelium zu verkünden, ist über die Jahre zentrales Anliegen geblieben. Allerdings geschieht dies nicht mehr allein mit Chorälen und Flügelhörnern, sondern einem modernisierten Instrumentarium und einem weitgespannten Repertoire anspruchsvoller Bläserliteratur, welches in Gottesdiensten und unter freiem Himmel mit Swing und Spiritual, Bach und Blues auch Kirchenferne begeistert.“

Breites Altersspektrum

In den 70 Jahren gab es ein breites Altersspektrum von 8 bis 80 Jahren. Zu den Dienstältesten zählte neben Wilhelm Sternagel der aus Schlesien stammende Manfred Metzner, der von 1959 bis 2011 das Baritonhorn spielte. Auch der ehemaligen Chorgründer, Superintendent i.R. Dr. Eberhard Röhrig, war noch bis vor kurzem als Posaunist aktiv. Krankheitsbedingt wird er in Gedanken von Wuppertal aus das Jubiläum begleiten und am Computerbildschirm der Streaming-Übertragung des Gottesdienstes folgen.

In kleiner Besetzung wird der Chor in der Corona-Pandemie den Jubiläumsgottesdienst und die Verabschiedung von Pfarrer Dr. Grote gestalten. Anschließend unter freiem Himmel werden ehemalige und aktive Bläser unter Einhaltung der Abstands-Regeln den Bach-Choral „Nun danket alle Gott“ vortragen.

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