Kulturerbe

Attendorn: Osterbrauchtum bald auf einer Stufe mit Hauberg?

Manneskraft ist gefragt: Mit Leitern werden jedes Jahr die riesigen und mit Stroh umwickelten Fichtenstämme (wie hier bei der Kölner Poorte) in die Höhe gestemmt.

Manneskraft ist gefragt: Mit Leitern werden jedes Jahr die riesigen und mit Stroh umwickelten Fichtenstämme (wie hier bei der Kölner Poorte) in die Höhe gestemmt.

Foto: martin droste

Attendorn.   Attendorner Osterfeuerverein bewirbt sich mit Brauchtum für die Aufnahme ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Arbeitskreis gegründet.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum kommt wie aus der Pistole geschossen: „Weil es einzigartig ist und es in dieser Form nirgendwo anders gibt“, sagt Olaf Homberg, 2. Vorsitzender des Attendorner Osterfeuervereins. Mit dem „es“ zielt Homberg auf das in der Hansestadt so gelebte und gepflegte Osterbrauchtum ab, das künftig beispielsweise auf einer Stufe mit der Siegerländer Haubergwirtschaft stehen soll. Denn der Attendorner Osterfeuerverein e.V. plant die Aufnahme seines Brauchtums in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Die Stadt würde profitieren

Von der Anerkennung in jene Liste würde die Stadt Attendorn profitieren, davon ist Dieter Hundt, Geschäftsführer des Vereins, überzeugt: „Das würde unserer Außenwirkung, gerade im Hinblick auf das bevorstehende Stadtjubiläum in 2022, richtig gut tun. Und wir würden unser Brauchtum nachhaltig sichern.“ Ähnlich sieht es Birgit Haberhauer-Kuschel, die dem Verein in ihrer Funktion als Ortsheimatpflegerin und 2. Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes Unterstützung zugesagt hat. „Es geht uns darum, für unsere lebendige Kulturpraxis zu werben und dieses Osterbrauchtum den nachfolgenden Generationen ans Herz zu legen. Zu Ostern kommen mehr ehemalige Attendorner zurück als zu Weihnachten“, erklärt Haberhauer-Kuschel und sie ergänzt: „Im Prinzip ist es die Gesamtheit an Aktionen, die sich auf das Osterbrauchtum konzentrieren und es deshalb so besonders machen.“

Eingefleischte Attendorner Osterfeuerkenner werden wissen, was die Ortsheimatpflegerin genau meint: Es geht bereits kurz nach Karneval damit los, dass sich die vier Attendorner „P(o)orten“ treffen, um das Holz für das Osterkreuz zu stellen. „Richtig“ startet das Brauchtum dann am Gründonnerstag, wenn die Kirchenglocken bis in die frühen Morgenstunden des Ostersonntags verstummen und an ihre Stelle die Turmbläser treten. Umrahmt von den Messdienern, die mit sogenannten Ratschen um die Kirche ziehen und ein weit hörbares Geräusch verursachen. Nicht zu vergessen das Segnen der Ostersemmel am Ostersamstag sowie das Aufstellen und schließlich das Anstecken der Kreuze am Ostersonntag.

Kurz nach dem Anbrennen ziehen Prozessionen der vier „P(o)orten“, abgeleitet von den ehemaligen Stadttoren Ennester-, Kölner-, Niederstes- und Wassertor, durch die mit Kerzen geschmückte Innenstadt zur Kirche, wo die Feierlichkeiten mit einer Andacht im „Sauerländer Dom“ enden.

Ein weiter Weg

Doch bis zur Aufnahme ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Unesco ist es ein sehr weiter Weg. Bis Ende Oktober hat der Osterfeuerverein nun Zeit, einen 17-seitigen Antrag zu stellen. Darüber hinaus braucht es zwei Fachgutachten, die nun in Auftrag gegeben werden sollen, genauso ist eine ausführliche Dokumentation des Brauchtums notwendig. Dafür hat der Verein sogar einen kleinen Arbeitskreis gegründet, dem neben Dieter Hundt, Olaf Homberg und Birgit Haberhauer-Kuschel auch Attendorns Stadtarchivar Otto Höffer und Nachtwächter Peter „Pittjes“ Höffer angehören.

Nach dem Einreichen der Bewerbung wird eine unabhängige Jury entscheiden, ob das Attendorner Osterbrauchtum gut genug ist, um immaterielles Kulturerbe auf Landes- und später vielleicht auf Bundesebene zu werden. Dieser Jury gehören laut Katja Römer, Pressesprecherin der Deutschen Unesco-Kommission, die Länder, die Kulturministerkonferenz, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Unesco-Kommission selbst an.

„Ich gehe davon aus, dass wir im Frühjahr 2020 eine Entscheidung mitgeteilt bekommen“, erklärt Hundt. Und zwar in der Frage, ob es auf Landesebene gereicht hat, denn die Entscheidung auf Bundesebene fällt erst im Frühjahr 2021, erklärte Katja Römer.

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