Karneval

Attendorn: Was die Wagenbauer „WIZICo“ so besonders macht

Im Herbst 1975 wurde „WIZICO“ (hier ein Teil der Gruppe in der Wagenbauhalle) im ehemaligen „Jägerhaus“ gegründet. Seitdem bauen sie Wagen für den Attendorner Karneval.

Im Herbst 1975 wurde „WIZICO“ (hier ein Teil der Gruppe in der Wagenbauhalle) im ehemaligen „Jägerhaus“ gegründet. Seitdem bauen sie Wagen für den Attendorner Karneval.

Foto: martin droste / Martin Droste

Attendorn.  Seit 44 Jahren baut „WIZICo“ einen Motivwagen für den Attendorner Veilchendienstagszug. Dabei stand die Gruppe schon einmal kurz vor dem Ende.

Seit 44 Jahren fährt die Gruppe „WIZICo“ mit einem eigenen Karnevalswagen im Attendorner Veilchendienstagszug mit. Aber selbst in der großen Halle der Karnevalsgesellschaft, wo die Motivwagen entstehen, wissen viele gar nicht, was der Name „WIZICo“ eigentlich bedeutet. Da kommen Gisbert Wilmes und Joachim „Pauli“ Hoberg ins Spiel, zwei der Gründungsmitglieder.

Gisbert Wilmes – Karnevalsprinz von 1989, über 30 Jahre Elferratsmitglied und langjähriger Hausmeister der Wagenbauhalle – ist für das „WI“ im Namen der Gruppe verantwortlich. Für das „ZI“ steht Zita Scheele, die im letzten Jahr verstorbene Mitgründerin der Regimentstöchter. „Das Co bedeutet Compagnon“, erklärt Joachim „Pauli“ Hoberg.

Nicht mehr passiv am Straßenrand stehen

Beim Besuch in der Wagenbauhalle hat Gisbert Wilmes, längst Ehrenmitglied der Karnevalsgesellschaft „Die Kattfiller“, ein Album mitgebracht, mit vielen alten Fotos und Zeitungsausschnitten.

Darin steht auch ein Bericht über die Gründung: „Im Herbst 1975 wurde kurzerhand im alten Jägerhaus eine neue Wagenbaugruppe gegründet. Da es der ehemalige Rote Funke Gisbert Wilmes und die ehemalige Regimentstochter Zita Scheele leid waren, zukünftig passiv am Straßenrand zu stehen, beschlossen sie zusammen mit Rolf Klein, Manfred Sangermann, Wolfgang Soyke, Georg Schüttler und Pauli Hoberg die Wagenbaugruppe ,WIZICo’ ins Leben zu rufen. Später kamen noch die ehemaligen Roten Funken Wolfgang Frohne und ,Eddy’ Bauernschmitt hinzu.“

An ihren ersten Wagen unter dem Motto „Zigeuner ziehen kreuz und quer, heut‘ kommen sie zur Bigge her“ erinnern sich Wilmes und Hoberg noch genau. „Wir haben bei den Roten Funken zwar Wagen für den Kinderprinzen gebaut, aber vom Figurenbau hatten wir damals keine Ahnung“, berichtet Wilmes. Hilfestellung gab es von den Mooskämpern. „Der erste Wagen war mit Abstand unser schwerster“, schmunzelt Hoberg, als einziger der Gründer noch aktiver Wagenbauer.

Für ersten Wagen kommt sogar ein Kran zum Einsatz

Damit der mit reichlich Eisen aus den Hoesch-Hallen zusammengebaute Koloss auf den Wagen gehoben werden konnte, musste ein Kran zum Einsatz kommen. „Wir hatten ja keine Erfahrung“, betont „Pauli“ Hoberg. Heute wird natürlich ganz anders gebaut, vor allem viel leichter. Beim Bauen ist vieles einfacher geworden. Dazu beigetragen haben vor allem die beiden großen Wagenbauhallen der KG Attendorn: erst die Halle in Biggen und später die am Kattfillerweg 1.

Die meisten Aktiven können sich gar nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen früher die Motiv- und Gesellschaftswagen gebaut werden mussten. Joachim Hoberg kann davon ein Lied singen. „Wir haben bei Knieps Karl an der Kölner Straße, bei Gastreichs Theo in der Halle oder bei mir zu Hause im Schuppen gebaut. Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Kleister wegen der großen Kälte eingefroren ist.“ Beim Bauen in den Hoesch-Hallen geriet sogar eine Figur in Brand. „Da haben wir mit Bier gelöscht, weil nichts anderes in der Nähe war“, verrät Gründungsmitglied Hoberg.

Der Attendorner, in seiner Freizeit auch als Höhlenforscher unterwegs, hat alle Höhen und Tiefen von „WIZICo“ mitgemacht. Gisbert Wilmes wechselte früh in den Elferrat und hatte für das Bauen keine Zeit mehr. Andere Mitglieder gingen in die neugegründeten Traditionsgarden. Manfred Sangermann, „Eddy“ Bauernschmitt oder Zita Scheele sind gestorben.

Erste Gruppe mit eigener Musik

Fast hätte sich die Gruppe sogar aufgelöst. „Ich hatte damals alle Posten, aber dann haben sich alle zusammengerauft“, sagt Joachim Hoberg, einer von zwei Rentnern. „Wir wollen alles dafür tun, dass unsere Rentner nicht auch karnevalistisch in Rente gehen“, geht Frank Becker davon aus, dass „WIZICo“ auch in den nächsten Jahren weiter Motivwagen für den Kinderumzug an Rosenmontag und den Veilchendienstagszug baut. Becker ist seit einigen Jahren offiziell der Chef und Ansprechpartner der Gruppe. Davor war Ewald Korte der Verantwortliche.

Beim Besuch in der Wagenbauhalle fallen Gisbert Wilmes und Joachim „Pauli“ Hoberg noch zwei wichtige Dinge ein. „WIZICo“ sei die erste Gruppe mit eigener Musik auf dem Wagen gewesen. „Wir haben von Erhard Mertens die Lautsprecher für die Fronleichnamsprozession bekommen“, berichten die Beiden.

Zudem hat „WIZICo“ den legendären Wagenbauerball mit ins Leben gerufen, erst im Jugendheim in Neu-Listernohl und dann in der Schützenhalle Ennest. Den Ball gibt es nicht mehr, aber dafür wird in der Wagenbauhalle gefeiert.

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