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Attendorn: Wie Ingo Luke Sinn in dem Tod seiner Frau fand

Ingo Luke (51) aus Biekhofen sitzt auf seiner Woll-Bank, die er für den guten Zweck versteigern möchte.

Ingo Luke (51) aus Biekhofen sitzt auf seiner Woll-Bank, die er für den guten Zweck versteigern möchte.

Foto: Britta Prasse/

Biekhofen.  Vor einem Jahr verstarb Tamara Luke an Krebs. Ihr Mann Ingo Luke möchte sich bei dem Hospiz in Altenhundem bedanken – in Form einer Auktion.

Wenn Ingo Luke an seine Frau Tamara zurückdenkt, sind es vor allem schöne Erinnerungen, die ihn lächeln lassen. Wie sie sich damals in einer Attendorner Kneipe kennengelernt haben. Wie Tamara ihm zum 40. Geburtstag einen Kettensägen-Schnitzkurs geschenkt hat, weil ihr nicht entgangen war, wie sehr ihr Mann nach einem Zusammentreffen mit dem damaligen Weltmeister im Speedcarving – „Schnellschnitzen mit Kettensäge“-- fasziniert war. Wie sie ihr Eheversprechen kirchlich besiegelten, 20 Jahre nach der standesamtlichen Trauung. „Das war ein wundervoller Tag“, schwärmt Luke. Vier Wochen später starb Tamara. Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Zusammen Zeit genießen

Die Diagnose kam im Januar 2019. Drei Monate später folgte eine Lungenembolie. „Zu dieser Zeit hat man meiner Frau noch eine Lebenserwartung von ein bis zwei Wochen eingeräumt“, sagt Ingo Luke. Daraufhin hatte man die 49-Jährige ins Hospiz zur Hl. Elisabeth nach Altenhundem gebracht. „Eine wundervolle Einrichtung“, betont der 51-Jährige. Vom Tag ihrer Aufnahme bis zu ihrem Tod am 27. September 2019 habe sich das Pflegeteam bewundernswert fürsorglich um Tamara gekümmert. „Die Menschen dort versuchen einem wirklich alles zu ermöglichen, damit man die letzte gemeinsame Zeit noch intensiv genießen kann“, meint Luke.

Ein Mädchentraum wird wahr

Einer der letzten großen Wünsche von Tamara war es, ihren Mann nochmal kirchlich zu heiraten. In weiß. Wovon schon kleine Mädchen träumen. „Dafür sind wir damals in ein Brautmodengeschäft gegangen. Das war wie in der Szene bei ‘Pretty Woman’“, erinnert sich Luke und muss wieder lächeln. Die Verkäuferinnen schlossen die Tür hinten ihnen ab. Für diesen einen Tag gehörte der Laden nur Ingo und Tamara Luke.

Ein paar Wochen nach der Hochzeit fuhr das Paar in ein Schmallenberger Hotel. Eine Art kleine Hochzeitsreise, die sie von den Geschwistern von Ingo Luke geschenkt bekommen hatten. „An dem Tag selbst ging es ihr schon nicht so gut, aber wir sind trotzdem gefahren. Sie wollte unbedingt die Hochzeitsreise antreten.“ In der Nacht verschlechterte sich allerdings Tamaras Zustand.

Der letzte gemeinsame Abend

Am nächsten Morgen sind sie schließlich wieder ins Hospiz nach Altenhundem gefahren. „Dort bin ich noch bis abends geblieben. Irgendwann hatte meine Frau mir dann aber gesagt, dass ich jetzt ruhig fahren könnte“, so Luke. Er fuhr nach Hause. Am Freitagmorgen wurde er schließlich vom Hospiz angerufen. Seiner Frau ginge es nochmal schlechter. Sehr schlecht. Luke setzte sich ins Auto Richtung Altenhundem. Als er ankam, war Tamara schon verstorben. „Wir haben wirklich alles besprochen“, sagt Luke. „Aber nicht, ob sie alleine sterben möchte.“

Luke setzte sich zu ihr ans Bett. Er blieb den ganzen Tag bei ihr, bis der Bestatter kam. Er konnte Abschied nehmen. Ganz in Ruhe. „Viele sagen ja, dass hinter allem, was im Leben passiert, ein Sinn steckt“, sagt Luke. „Für mich ist es allerdings schwer nachzuvollziehen, dass hinter dem Tod meiner Frau ein Sinn stehen soll.“

Energie für einen guten Zweck

Den Sinn, oder zumindest eine nachhaltige Bedeutung für Tamaras Tod, entdeckt er vor gut zwei Wochen. Er möchte etwas zurückgeben. Den Menschen, die sich so gut um Tamara gekümmert und sie bis in den Tod begleitet haben. Luke widmet sich wieder verstärkt seinem Hobby: dem Kettensäge-Schnitzen.

Kurz vor dem Tod seiner Frau hatte er zuletzt an der Woll-Bank gefeilt. Eine Bank, die zeigt, wofür das Sauerland steht: Bäume für die Sauerländer Wälder, Schiffe als Symbol für die zahlreichen Seen, Mauern von alten Burgen für die lange Tradition und natürlich das „Woll“ für die Sauerländer Lebensart. Lange Zeit fehlte ihm die Energie, die Bank aus Eichenholz fertigzustellen. Erst jetzt konnte er die Arbeiten daran beenden. Weil er ein konkretes Ziel vor Augen hat: die Bank zu versteigern, um den Erlös dem Hospiz zur Hl. Elisabeth in Altenhundem zu spenden.

Auf Worte folgen Taten

„Mit dieser Aktion gebe ich dem Tod meiner Frau einen kleinen Sinn. Denn wenn meine Frau nicht verstorben wäre, hätte ich vielleicht nie so eine Einrichtung kennengelernt und Geld dafür auftreiben können. Also baue ich mir meinen Sinn selbst“, sagt Luke. Ein letztes Mal „Danke“ sagen – und den Worten Taten folgen lassen. Das hätte seine Frau sicher auch schön gefunden.

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