Kirche

Attendorn: Zukunftstag der Kirche mit schonungsloser Kritik

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Beim Workshop "Für den Menschen da sein, konkrete Hilfe und Hoffnung aus dem Glauben" wurde in kleinen Gruppen gearbeitet. Referentin war die Caritas-Koordinatorin im Dekanat Südsauerland, Mechthild Tilke (rechts). 

Beim Workshop "Für den Menschen da sein, konkrete Hilfe und Hoffnung aus dem Glauben" wurde in kleinen Gruppen gearbeitet. Referentin war die Caritas-Koordinatorin im Dekanat Südsauerland, Mechthild Tilke (rechts). 

Foto: Meinolf Lüttecke

Attendorn.  Ein Tag der Kirche ohne Illusionen, aber nicht ohne Hoffnung. Katholiken hörten Klartext-Vortrag von Bestsellerautor.

„Glaube, Sitte, Eier backen?“, das nicht alltägliche Motto stand am Samstag über dem Zukunftstag des Dekanats Südsauerland. Rund 150 Interessierte, überwiegend aus dem kirchlichen Bereich, denen die katholische Kirche nicht egal ist, sondern - wie aus vielen Wortmeldungen erfahrbar - am Herzen liegt, trafen sich am Morgen hoch über der Hansestadt, im Forum der St.-Ursula-Schulen.

Dechant Andreas Neuser freute sich bei der Begrüßung und Eröffnung, dass so viele der Einladung gefolgt seien und erinnerte daran, dass das letzte Zusammentreffen dieses Formates im Jahre 2011 gewesen sei. Seitdem habe sich viel getan in der Welt und der Kirche. Der Dechant nannte explizit den Krieg in der Ukraine, Corona und den Missbrauchsskandal. Er stellte den Bedeutungsverlust der katholischen Kirche im Kreis Olpe, die deutlich gesunkenen Gottesdienstbesucher und die gestiegenen Kirchen-Austritte fest und fragte vor dem Hintergrund: „Wie geht es weiter im Dekanat?“

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Die Moderation übernahm die Kabarettistin und engagierte Katholikin, Anja Geuecke, die sich erst einmal als „billige Variante“ von Fernsehmoderatorin Anne Willmes (die im Jahre 2011 den Zukunftstag moderierte) vorstellte. Sie munterte die Anwesenden in ihrer lockeren Art dazu auf „etwas rauszuhauen in diesen Krisenzeiten“.

Vortrag mit Klartext

Im Impulsvortrag von Politikberater und Bestsellerautor Erik Flügge wurde Klartext geredet. Er forderte die Anwesenden aufgrund der vielen negativen kirchlichen Schlagzeilen auf, nicht „depri“ zu sein. Den Besuchern erläuterte der 36-Jährige, dass er schon als 6-Jähriger das Heulen gehört habe: „Wir werden weniger“. Und auch, dass die Katholiken in Deutschland nicht mehr regelmäßig in die Kirche gehen, ist für ihn kein derzeitiges Phänomen, sondern das hat es, laut seiner Aussage, „schon immer gegeben, außer nach dem Krieg“.

Mit der Art und Weise, wie in Rom oder spezieller gesehen, im Vatikan, gearbeitet wird, kann er sich gar nicht anfreunden. Und mit der Ausstattung der katholischen Kirchen hat er so seine ganz eigene Meinung: „Stühle und Bänke haben uns die Protestanten eingebrockt“. Dass in den kleinen Ortschaften neben einer Kirche auch noch ein Pfarrhaus und ein Gemeindehaus vorhanden sind und darüber hinaus ein Dorfgemeinschaftshaus existiert, das ist für Erik Flügge - auch in Bezug auf die Kosten – zu viel des Guten.

Der Reformkatholik, wie er sich selbst bezeichnet, sagt: „Institutionen dürfen sterben, Funktionen müssen bleiben.“ In den Ortschaften wünscht er sich spirituelle Personen.

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Beim anschließenden Austausch mit dem Referenten stellte Pallottiner-Pater Siegfried Modenbach fest, dass die „Priesterfixiertheit“ auch ein Problem sei und nannte als Beispiel, dass es Katholiken gebe, die beim Gang zum Empfang der Kommunion die Seite wechselten, wenn sie feststellten, an ihrer Seite teile kein Priester die Kommunion aus.

Christoph Becker, Vorstand des Caritasverbandes für den Kreis Olpe, kündigte an, dass die durch die Besteuerung der Energiepreispauschale im Erzbistum Paderborn ankommenden Mehreinnahmen in einen „Caritativen Energiefond“ flössen. 1,25 Millionen Euro sollen somit denen zugutekommen, die am ehesten finanzielle Unterstützung benötigen.

Neun Workshops

Nach dem Mittagstisch wurde die Veranstaltung mit Workshops fortgesetzt. Aus neun Angeboten konnten die Teilnehmer wählen. Dabei hatten die drei Workshops mit den Themen „Und sie bewegt sich doch?!, Kirche, Synodaler Weg und die Frauen“, (Referentin Marie-Simone Scholz), „Erst in der Stille erklingt das Wesentliche, Gespräch mit einem Einsiedler“, (Referent Pater Norbert Cuypers) und „Glaubenskommunikation heute, Impulse und Anregungen“, (Referent Erika Flügge), den größten Zulauf.

Die Eucharistiefeier bildete den Abschluss des mit einem leidenschaftlichen Impulsvortrag und vielseitigen Workshops gespickten Zukunftstages.

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