Höchstspannungsleitung

Attendorner im Repetal fühlen sich von Amprion übergangen

Elektromonteure auf einem Hochspannungsmast in Stahlgitterbauweise. Dieses Bild soll es im Repetal nicht geben. Die Eigentümer der für die Bogenvariante benötigten

Foto: dpa

Elektromonteure auf einem Hochspannungsmast in Stahlgitterbauweise. Dieses Bild soll es im Repetal nicht geben. Die Eigentümer der für die Bogenvariante benötigten Foto: dpa

Helden.  Grundstückseigentümer, die für Kompaktmasten im Repetal sind, fühlen sich von Amprion übergangen. Kritik auch am Verhalten der Stadt Attendorn.

Das Planfeststellungsverfahren zum Bau der 380 kV-Höchstspannungsleitung durchs Repetal hat begonnen. Die Unterlagen liegen im Attendorner Rathaus aus, Einwendungen können noch bis zum 8. März beim Regierungspräsidenten in Arnsberg oder im Rathaus erhoben werden.

Eine, die davon mit Sicherheit Gebrauch machen wird, ist Rita Rüneauver aus Helden. Familie Rüenauver besitzt mit 29 000 Quadratmeter Ackerbau und Grünland das wohl größte Grundstück in dem Bereich, den Amprion für den von der alten Trasse abweichenden Teil in Anspruch nehmen möchte. Und sie ist stinksauer, denn ernsthafte Gespräche über die Nutzung ihres Grundstücks hat es mit ihr und anderen Eigentümern nicht gegeben: „Das letzte und einzige Gespräch war 2016.“

Bogen-Variante nicht verhindern

Erst aus den Planfeststellungsunterlagen habe sie verbindlich erfahren, dass Amprion in Helden mit der sognannten Bogen-Variante plant. Die weicht nordöstlich von Helden von der alten Trasse ab, schlägt einen Bogen um den Sportplatz in Richtung Hotel Platte und stößt kurz vor Mecklinghausen wieder auf die alte Trasse.

Der Vorteil dieser Bogen-Variante: Bliebe es bei der bestehenden Trasse, lägen die Leitungen in einigen Bereichen quasi auf den Dächern von Häusern am Ortsrand des Dorfes.

Dass in Helden und vor allem den betroffenen Straßen ein berechtigtes Interesse an der Bogenvariante besteht, versteht Rita Rüenauver. „Das wollen wir den Menschen auch keinesfalls zumuten, aber wir würden Amprion ein Kompromiss-Angebot unterbreiten. Wir stellen unsere Flächen zur Verfügung, wenn Amprion sich in diesem Bereich für Kompaktmasten entscheidet.“

Rita Rüenauver liegt damit auf einer Wellenlänge mit den Anwohnern des Schwalbenohls und der Osterschlah (Ennest), die ebenfalls für den Bau von Kompaktmasten kämpfen. Die für die Konstruktionen in der Bürgerversammlung im Januar vorgetragenen Argumente haben sowohl im Repetal wie in den anderen Attendorner Ortsteilen verfangen: Sie verbrauchen weniger Platz, und die elektromagnetischen Abstrahlungen sollen geringer sein.

Thema Erdverkabelung

Überhaupt kein Verständnis hat sie für die Tatsache, dass das Thema Erdverkabelung so schnell aufgegeben worden ist und auch die sogenannte Westumgehung nie ernsthaft eine Rolle gespielt hat. Die Westumgehung würde ab einem Punkt östlich der Burg Schnellenberg Helden in einem großen Bogen umgehen: „Landschaftsschutz, die Unberührtheit der Natur und das Vorkommen bestimmter Arten machen so eine Alternative unmöglich, aber die Gesundheit der Menschen ist zweitrangig.“

Gleiches Recht fürs Repetal

Von der Verwaltung fühlt sich Familie Rüenauver allein gelassen: „Die Stadt müsste doch auf Seiten der Bürger und nicht auf Seiten Amprions stehen.“ Mit Grausen erinnert sie sich an die Äußerung eines Verwaltungsmitarbeiters, der in einem Gespräch darauf hingewiesen hatte, dass ein Unternehmen wie Amprion auch Gewinne machen müsse.

Von „im Stich gelassen“ kann nach Ansicht von Bürgermeister Christian Pospischil (SPD) keine Rede sein: „Wir haben Gespräche geführt und würden die Lösung mit Kompaktmasten natürlich mitgehen.“

Zwar fehle in dem entscheidenden Ratsbeschluss der explizite Hinweis auf diese Masten, „aber was für den Bereich Schwalbenohl / Ennest gilt, gilt nach meiner Auffassung auch fürs Repetal.“

Derzeit bereite die Stadt ihre eigenen Einwendungen zum Trassenverlauf vor. Sollten sie ignoriert werden, müsse man prüfen, welche weiterführenden rechtlichen Schritte möglich seien: „Wir müssten sicherlich auch mal vorfühlen, wie die Bezirksregierung über das Thema Kompaktmasten denkt.“

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