Motorrad

Attendorner Udo Wilhelm will Raser von der Straße holen

Udo Wilhelm 2016 beim 1000 km-Rennen auf dem Hockenheim-Ring. Seiner Meinung nach sollten Raser ihre Leidenschaft auf der Rennstrecke ausleben.

Udo Wilhelm 2016 beim 1000 km-Rennen auf dem Hockenheim-Ring. Seiner Meinung nach sollten Raser ihre Leidenschaft auf der Rennstrecke ausleben.

Foto: Privat

Attendorn.   Udo Wilhelm fährt Motorrad, ist meistens extrem schräg und extrem schnell unterwegs. Tipp für Raser: Lernt Fahren und geht auf die Rennstrecke.

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„Das kann’s nicht sein“, sagt Udo Wilhelm. Er meint die Sperrung der Nordhelle (L707) vom 1. April bis Ende Oktober für Motorradfahrer durch den Märkischen Kreis. Udo Wilhelm ist Schrauber (Udos Bike Stop), fährt sehr erfolgreich Motorrad-Langstreckenrennen und hat auf der Nordhelle vor vielen Jahren seine ersten Erfahrungen mit dem „Knie auf dem Boden“ gemacht. Knie auf dem Boden ist Biker-Sprech für maximale Schräglage in der Kurve und damit auch maximale Geschwindigkeit. Wenn so einer „Das kann’s nicht sein“ im Zusammenhang mit einer Straßensperrung für Motorräder sagt, dann ist doch schon alles klar.

Nix ist klar. Es lohnt sich, die Schublade wieder aufzumachen und ihm zuzuhören. Zwar meint er es genau so, wie er es sagt, aber Udo-Knie-auf-den-Boden-Wilhelms „Das kann’s nicht sein“ richtet sich auch an die Minderheit unter den Motorradfahrern, unter der alle leiden. Die Anwohner und die anderen Biker, die es ruhig angehen lassen, das Sauerland genießen und vor allem heil wieder zu Hause ankommen wollen. Wer jetzt ein Bild braucht, um sich einen solchen Biker vorzustellen, denkt am besten an Dechant Andreas Neuser aus Attendorn. Pfarrer und Motorradfahrer.

Rasen auf der Rennstrecke statt im Straßenverkehr

Was kann man tun? Die Jungs von der Straße holen. Das sagt die Polizei auch, aber Udo Wilhelm meint es anders: „Die sinnvolle Alternative ist das sportliche Fahren auf der Rennstrecke“, sagt er. Wenn der Attendorner das sagt, hat das unter Heizern ein anderes Gewicht als die wütenden vom Dauerlärm befeuerten Tiraden der Anwohner oder die Mahnungen der Uniformträger mit Radarpistole und roter Kelle. Die haben keine Ahnung von dem, wie Udo Wilhelm sagt „unbeschreiblichen Gefühl“ der extremen Geschwindigkeiten.

Wer Motorräder am Limit bewegt, betreibt, davon ist Udo Wilhelm überzeugt, Sport. Und dieser Sport gehört nicht auf die Straße. „Ich hab das hinter mir“, sagt er. „Im Frettertal hat mir mal einer die Vorfahrt genommen, da war anschließend Krankenhaus angesagt.“ Und dass Krankenhaus nur das zweitschlechteste Ende der Fahrt war, weiß er auch.

Körperliche Vorbereitung ist wichtig für das Training

Sportliches Motorradfahren am Limit. Das kann, muss man vielleicht sogar, lernen. Er meint damit nicht den Ausflug zur Nordschleife: „Wegen der Schmiermittel auf der Straße viel zu gefährlich, aber es gibt Anbieter, die Trainings organisieren und den Weg weisen, wie es weitergehen kann. Da geht’s auch um Fragen, wie man sich körperlich vorbereiten muss und was am Motorrad zu machen ist. Und am Ende auch um die Frage, ist das überhaupt etwas für mich. Aber ich bin sicher“, sagt Udo Wilhelm und grinst zuversichtlich, „wer das einmal gemacht hat, will nicht mehr auf die Straße.“

Für die Biker-Gemeinde hat er zwei Empfehlungen parat: „Jedem, der nicht auf der letzten Rille unterwegs sein will, dem kann ich das ADAC Sicherheitstraining zum Saisonstart empfehlen.“ Und für die anderen: „Sprecht mich an, ich helfe gerne weiter, dann können wir auch in zwanzig Jahren noch genüsslich die Kurven des Sauerlands erkunden.“

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