Archäologie

Auf der Spur des verschollenen Klosters

Mit einem Bodenradar untersuchten Fachleute im Auftrag des Kriegervereins Wunderthausen eine Wiese im Bereich Kloster. Dabei kommen zahlreiche Anhaltspunkte für ein frühere Besiedlung des Platzes.  Bei einer Wanderung des Kriegervereins zum Ort des Geschehens im Oktober

Mit einem Bodenradar untersuchten Fachleute im Auftrag des Kriegervereins Wunderthausen eine Wiese im Bereich Kloster. Dabei kommen zahlreiche Anhaltspunkte für ein frühere Besiedlung des Platzes. Bei einer Wanderung des Kriegervereins zum Ort des Geschehens im Oktober

Foto: WP

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Wunderthausen. Der Flurname Kloster trügt nicht, auch wenn die Wiese bei Wunderthausen am Bubenkircher Bach unscheinbar wirkt: Hier standen einmal Gebäude und sehr wahrscheinlich sogar eine Kirche. Das können Bernd Homrighausen und Andreas Wahl vom Kriegerverein Wunderthausen inzwischen fast zweifelsfrei anhand von geophysikalischen Untersuchungen belegen.

Die Westfalenpost hatte im August über die umfangreichen Nachforschungen auf einer Weide bei Wunderthausen berichtet. Mit Hilfe des Marburger Spezialunternehmens Posselt & Zickgraf Prospektionen hatten sich die Heimatforscher daran gemacht, das Rätsel um ein mittelalterliches Nonnenkloster zu lösen, das der Historiker Dr. Johann Suibert Seibertz 1889 „eine der rätselhaftesten Erscheinungen in der westfälischen Geschichte“ nannte.

Luftaufnahmen vor einem Jahr

2012 hatten Homrighausen und Wahl unter dem Dach des Kriegervereins mit einer oberflächlichen geophysikalischen Untersuchung begonnen. Im November 2012 wurde ein zuvor auf Luftaufnahmen eingegrenztes Areal vermessen und anschließend mit einem Magnetometer abgegangen. Die damals bereits eindeutigen Befunde machten die Forscher zufrieden und zugleich auch viel neugieriger.

Im April dieses Jahres folgte die Prospektion mit einem Bodenradar. Wie Puzzleteile fügten sich in den folgenden Monaten die Schichtaufnahmen des Magnetometers und des Bodenradars im Labor der Spezialisten zusammen: „In den Tiefenscheiben zeichnen sich Mauern und Fundamentreste deutlich als breite Bereiche ab. Diese Strukturen finden sich genau dort, wo auch die Magnetometerprospektion zwei Verdachtsflächen ausgewiesen hatte. In einigen Fällen sind diese mit den linearen und winkligen Strukturen der Magnetik deckungsgleich, bzw. ergänzen sie. In der Kombination beider geophysikalischer Messverfahren werden Beziehungen sichtbar, die weitergehende Rückschlüsse auf die archäologischen Relikte im Boden zulassen. So konnten Gruben/Bauschutt bzw. Mauer- /Fundamentreste gedeutet werden“, fasst Bernd Homrighausen die Ergebnisse zusammen.

Chorraum und Kirche identifizierbar

Auch für den archäologischen Laien zeichnet sich im Zentrum der Untersuchungsfläche der Grundriss eines langgestreckten rechteckigen Gebäudes ab. 25 Meter lang und etwa 6,5 Meter breit ist diese Struktur. „Aufgrund der Form und der Dimensionen könnte es sich um die Reste einer Kirche handeln“, sagt Andreas Wahl. Dafür spricht auch, dass sich im östlichen Teil ein rechteckiger Chor abzeichnet. Innerhalb der Fundamente finden sich weitere Bereiche, „die auf Reste einer Binnengliederung, Schuttschichten oder aber auch auf erhaltene Bodenkonstruktionen schließen lassen“, so Homrighausen weiter. Auffällig sei ein annähernd runder Bereich, der von den obersten Tiefenscheiben bis in große Tiefe sichtbar ist. Das lässt auf einen Brunnen schließen.

Im Südosten des Untersuchungsgebietes zeigen die Bodenradardaten einen weiteren Grundriss von 7 mal 5 Metern. Dabei könnte es sich durchaus auch um ein Nebengebäude des mutmaßlichen Kirchenbaus handeln. Auch hier finden sich Schuttschichten oder Bodenkonstruktionsreste im Innenraum. Möglicherweise zeigen die Radardaten aber nur einen Raum innerhalb eines größeren Gebäudes, dessen Ausdehnung sich durch eine quadratische Form mit 13 Metern Kantenlänge in der Magnetometerprospektion abbildet.

Das Umfeld der beiden Gebäude weist weitere lineare und flächige Bereiche auf. Dabei könnte es sich nach ersten Einschätzungen beispielsweise um Wegetrassen oder aber Einfriedungen durch Mauern oder Zäune handeln – zum Beispiel auch um einem Friedhof und dessen Gräber. Fakt ist, vieles davon ist von Menschenhand gestaltet.

Ergebnisse im Gasthof einsehbar

Im Wunderthäuser Gasthof Homrighausen sind die Ergebnisse dieser inzwischen jahrelange Spurensuche jetzt in der Hauptversammlung des Kriegervereins auf Stellwänden präsentiert worden. Diese Ausstellung ist im Gasthof weiterhin einsehbar. Mit der Vielfalt dieser Erkenntnisse stellen sich zugleich auch zahlreiche weitere Fragen. Lag hier das verschwundene Nonnen-Kloster Bubenkirchen? Bis jetzt haben die Heimatforscher sprichwörtlich nur an der Oberfläche dieses großen Geheimnisses gekratzt.

Die Antworten auf die weiteren Fragen liegen unter der Grasnarbe. Nur bei einer Grabung können die Gebäude zeitlich eingeordnet werden und vielleicht sogar als Kirche identifiziert werden. „Hierzu werden Genehmigungen des Bodendenkmalamtes und die Fachexpertise von Archäologen benötigt“, so Bernd Homrighausen. Und er weiß, dass diese Untersuchungen zeitaufwendig und kostspielig sind. Die Wunderthäuser hoffen auf Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und /oder Universitäten.

Das Rätsel ist also noch immer nicht gelöst und es bleibt spannend.

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