Ausbildung

Ausbildung zum Verfahrensmechaniker bei Gustav Hensel

Sebastian Kinzer und Luca Neubauer machen bei Gustav Hensel in Lennestadt eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuktechnik. Kinzer ist im dritten Lehrjahr, Neubauer im zweiten. Ihre Ausbildungsleiterin Jennifer Pukall steht ihnen hilfreich zur Seite.

Sebastian Kinzer und Luca Neubauer machen bei Gustav Hensel in Lennestadt eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuktechnik. Kinzer ist im dritten Lehrjahr, Neubauer im zweiten. Ihre Ausbildungsleiterin Jennifer Pukall steht ihnen hilfreich zur Seite.

Foto: Viktor Dobek

Lennestadt.  Sebastian Kinzer und Luca Neubauer machen eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker - ein Beruf mit Zukunft.

Gelbe Linien so weit das Auge reicht. Sie sind überall auf den Böden der Produktionshallen von Gustav Hensel verteilt. Sebastian Kinzer warnt: „Achtung!“ Von hinten nähert sich gemächlich ein Hubwagen – ohne Fahrer. Das Gerät fährt völlig autonom.

Scheint so, als hätte die Digitalisierung bei Hensel schon längst Einzug erhalten. Sebastian Kinzer und Luca Neubauer müssen’s wissen: Beide absolvieren derzeit bei Hensel eine Ausbildung zum Verfahrensmechanikern für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Neubauer im zweiten, Kinzer im dritten Jahr.

Flughäfen und Einkaufszentren

Die Gustav Hensel GmbH wurde 1931 gegründet und stellt Produkte in der Elektroinstallation- und Verteilertechnik her – und das ziemlich erfolgreich: „Wir sind Marktführer in Deutschland“, sagt Ausbildungsleiterin Jennifer Pukall. Die Produkte kommen in anspruchsvollen Umgebungen zum Einsatz: „In der Industrie mit viel Staub oder Hitze oder dort, wo viel Energie gebündelt wird“, erklärt Pukall.

Dazu zählen Messehallen, Fußballstadien, Krankenhäuser, Flughäfen oder Einkaufszentren. Rund 800 Mitarbeiter sorgen für die „hochqualitative und sichere Verteilung von Strom“, erklärt Pukall. Das Unternehmen hat zwei Produktreihen: Das Projektgeschäft und die Serienproduktion mit Kunststoff.

Bei Letzterem ist auch der Verfahrensmechaniker beheimatet – Kinzer und Neubauer. Ihre Arbeitsbereiche sind die Spritzgießmaschinen – 34 an der Zahl. Die voll automatisierten Anlagen haben drei Komponenten: „Das Spritzteil, das Werkzeug und die Steuereinheit“, erklärt der 18-jährige Luca Neubauer. Im Spritzteil wird der Kunststoff erhitzt, bis er schmilzt. Das Material hat immer dieselbe Konsistenz: „Im Grunde fertigen wir hier alles aus Granulat an. So wie man es von Sportplätzen kennt“, erklärt Jennifer Pukall. Nachdem der Kunststoff flüssig geworden ist, wird er in die Werkzeuge gespritzt und in Form gebracht, sagt Sebastian Kinzer. „Mit Wasserschläuchen temperieren wir dann die Werkzeuge, damit sie und die Produkte abkühlen“, fügt er hinzu. Die Aufgaben erledigt eine Maschine – und was machen die Auszubildenden?

Die Liste gibt den Takt vor. „Wenn um 6.30 Uhr Schichtbeginn ist, schauen wir zunächst auf die Liste“, sagt Sebastian Kinzer. Die wird täglich von Ausbilder Detlev Bender aufs Neue ausgehängt. „Dort stehen die Arbeitsverteilung und die Aufträge drauf“, sagt Bender. Nachdem die Azubis ihren Tagesauftrag erhalten haben, geht’s an die Materialbeschaffung: „Das Material wird automatisch über Vakuumleitungen zur Maschine gezogen“, erklärt der 20-jährige Kinzer. Seine und Neubauers Aufgabe bestehe darin, die Behälter mit dem entsprechenden Materialtyp aufzufüllen. Ist das erledigt, geht es an das Einrichten der Maschinen. „Da muss das auf das Endprodukt angepasste Werkzeug rein“, sagt Luca Neubauer.

Nachdem die „groben“ Aufgaben abgearbeitet sind, geht es an die Feinjustierung. Stimmen die verschiedenen Toleranzen überein? Die werden auf einem Touchscreen angezeigt. Passt alles, wird gespritzt. „Ich kontrolliere dann ungefähr zehn bis fünfzehn Teile und schaue, ob sie in Ordnung sind“, fügt Kinzer hinzu. Das war’s, der nächste Auftrag wartet. Ausbilder Detlev Bender arbeitet seit 1982 bei Gustav Hensel als Verfahrensmechaniker – in seiner Anfangszeit noch Kunststoffformgeber. Früher sei vieles anders: „Da wurden noch Nocken verstellt, Zylinder gedreht und Schalter gedrückt“, erinnert er sich. „Heute läuft alles automatisiert.“ Die Technologie der Anlagen habe in den vergangenen 15 Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Und der komme insbesondere den jüngeren Kollegen entgegen: „Die Bedienfelder sind doch wie Smartphones“, so Bender, „das ist für die Jungs sehr vorteilhaft.“

Grundsätzlich tragen die Digitalisierung und Automatisierung zu einer Arbeitserleichterung bei, erklärt Jennifer Pukall: „Der Beruf des Verfahrensmechanikers bringt körperliche Arbeit mit sich, das ist klar, aber es ist keine schwere Arbeit mehr.“ Dementsprechend steigt auch die Anzahl der weiblichen Bewerber. Hebehilfen und Roboter unterstützen - oder ersetzen gar den Menschen. Ganz ohne den geht es aber nicht, sagt Detlev Bender: „Die Maschinen können keine saisonalen Schwankungen einbeziehen.“

Das Material verändere sich je nach Jahreszeit. Deshalb werde immer jemand benötigt, der die Anlagen vorbereitet, einstellt und überwacht. Das Personal wandle sich: „Man braucht qualifizierte Leute, die etwas von der Technik verstehen. Die simplen Aufgaben, wie das Zusammenbauen oder Verpacken, können von Robotern übernommen werden.“ Für Bender ist der Beruf des Verfahrensmechanikers zukunftssicher, auch in Hinblick auf das genutzte Material: „Immer mehr Hightechprodukte werden aus Kunststoff hergestellt und ersetzen Metall.“

Das heißt aber nicht, dass die Auszubildenden nichts von Metall verstehen müssten: „Sechs Monate der dreijährigen Ausbildung verbringen die Azubis in der Grundausbildung Metall bei einer übergeordneten betrieblichen Ausbildungsstelle“, erklärt Pukall. Schließlich müssten sie wissen, wie sich die metallischen Werkzeuge beim Umbau verhalten. Zurück bei Hensel schauen sie erst den erfahrenen Kollegen über die Schulter. „Aber je weiter man in der Ausbildung ist, desto eigenständiger arbeitet man“, erklärt die Ausbildungsleiterin.

Tägliche Herausforderung

Sebastian Kinzer und Luca Neubauer gefällt die Arbeit. Kunststoff habe beide schon immer interessiert. Und auch das handwerkliche Arbeiten. Gerade die täglich neuen Herausforderungen machen den Reiz des Jobs aus: „Die Lösung zu finden, wenn die Technik Probleme verursacht, macht sehr viel Spaß“, da sind sich beide Auszubildenden einig – wie auch mit ihren Zukunftsplänen, denn beide wollen weiter als Verfahrensmechaniker arbeiten, denn die Digitalisierung nimmt ihnen nicht die Arbeit weg, sondern macht sie herausfordernder.

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