Ausbildungs-Serie

Ausbildung zum Maschinenführer in Drolshagen

Ausbildungsserie Maschinen- und Anlagenführer bei der Firma Heinrich Huhn in Drolshagen. Edin Selimanjin (links) und Abdoul Guebre überorüfen die Servopresse.

Ausbildungsserie Maschinen- und Anlagenführer bei der Firma Heinrich Huhn in Drolshagen. Edin Selimanjin (links) und Abdoul Guebre überorüfen die Servopresse.

Foto: Jana Wehmann / WP

Drolshagen.  Die WP stellt in ihrer neuen Serie Ausbildungsberufe mit Zukunft vor. Heute erklären Azubis, was ein Maschinen- und Anlagenführer macht.

Wenn Abdoul Guebre gegen 6 Uhr auf die Arbeit kommt, führt ihn sein Weg in die Ausbildungslehrwerkstatt. Er arbeitet an einem kleinen Lkw aus Blech. Dabei lernt er die wichtigsten Grundlagen, wie zum Beispiel die Unterschiede der Materialien kennen und macht Feilübungen. Abdoul ist im ersten Lehrjahr seiner zweijährigen Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer bei der Firma Heinrich Huhn in Drolshagen. Wie Abdoul ist auch Denis Belishta einer der vielen Flüchtlinge, die das Unternehmen eingestellt hat. Klaus-Jürgen Clemens, Ausbildungsleiter, und Roland Huhn, Geschäftsführer, bieten engagierten Menschen eine Zukunft.

Was sich hinter dem Beruf des Maschinen- und Anlagenführers verbirgt, wussten die Flüchtlinge vor einigen Jahren noch nicht. Über Bekannte sind die beiden auf das Engagement des Unternehmens aufmerksam geworden. Obwohl Denis einen Job suchte, war für ihn nach einem kurzen Praktikum klar: „Ich nehme die Ausbildung sehr gerne an. Da muss ich nicht weiter darüber nachdenken.“

Inzwischen ist Denis im zweiten Lehrjahr. Er arbeitet nicht mehr in der Lehrwerkstatt, sondern in der großen Produktionshalle. Große, komplexe Maschinen, wie die Vorschubpresse, eine manuelle Presse oder ein Stanzautomat, warten auf den Auszubildenden. Edin Selimanjin und Melanie Schwarz, ehemalige Auszubildende, wissen, was auf Denis zukommt: „Morgens wird man eingeteilt, zu welcher Maschine man kommt. Man schaut dem Kollegen über die Schulter und lernt die Theorie und Praxis. Es ist ein bisschen Learning by Doing“, sagt der 35-Jährige. Ziel ist es, einen Auftrag zu lesen und wissen zu können, welche Materialien und Werkzeuge benötigt werden. „Das anschließende Rüsten der Maschine ist mit die wichtigste Aufgabe“, ergänzt Geschäftsführer Huhn. Dabei wird das Material auf eine Haspel gewickelt und durchläuft anschließend Stufe für Stufe die Maschine. „Die erste Qualitätsprüfung, also die optische Begutachtung, führen wir noch selbst durch“, sagt Edin. Die Automobilindustrie ist der größte Abnehmer der fertigen Teile.

Schwere Werkzeuge

Wenn ein Werkzeug ausgewechselt werden muss, kann das aufwendig werden: „Unsere Werkzeuge können schon mal sechs bis sieben Tonnen wiegen, das hat nichts mit einem Hammer oder Schraubenzieher zu tun“, sagt Huhn. Alleine schafft das ein Arbeiter kaum. Clemens: „Teamarbeit und Unterstützung ist für uns selbstverständlich.“

Trotz der schweren Maschinen sei der Beruf nicht typisch männlich, jeder könne die Aufgaben übernehmen. „Wir schließen ja auch keinen schmal gebauten Mann aus. Ob der Bewerber nun männlich oder weiblich ist, das ist uns völlig egal“, so der Ausbildungsleiter.

Was zeichnet den Beruf aus? „Es ist jeden Tag anders“, sagt Edin Selimanjin und strahlt. Aber auch Melanie Schwarz ist von der Vielfalt begeistert: „Langweilig wird es nicht.“ Durch die unterschiedlichen Artikeltypen lerne man nie aus, da sind sich die Auszubildenden einig.

Was muss ein Bewerber mitbringen? „Die Freude an der Technik muss vorhanden sein“, sagt der Ausbildungsleiter. Auch wenn der Maschinen- und Anlagenführer kein typischer handwerklicher Beruf sei, sei die Geschicklichkeit wichtig. „Das eine geht nicht ohne das andere“, sagt der Geschäftsführer.

In den Fächern Mathematik und Physik sind mittlere Noten vorteilhaft. Zudem sollte ein Bewerber einen guten Sekundarschulabschluss mitbringen.

Maschinen werden komplexer

Der Stellenwert des Berufes sei sehr hoch, so der Ausbildungsleiter. Das Bild habe sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. „Bei uns gibt es den Beruf erst so richtig seit 2004“, erzählt Clemens. Früher habe es Maschinenbediener gegeben, die die Funktionen von ihrem Vorgänger gelernt haben. Was der erfahrene Bediener vermittelte, konnte nicht beeinflusst werden. Doch mit der Zeit funktionierte das Konzept nicht mehr: „Die Maschinen wurden immer komplexer, da wurde uns klar, das können wir nicht mehr dem Zufall überlassen“, sagt Clemens.

Aber auch heute weiß Clemens, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte sind: „Die Maschinen werden immer teurer, da braucht man gewissenhafte und ordentliche Mitarbeiter.“ Und die Fachkräfte werden nicht nur in Drolshagen benötigt: „In ganz Südwestfalen werden Maschinen- und Anlagenführer gebraucht. Junges Fachpersonal ist sehr wichtig, auch für den Kreis Olpe“, führt Clemens aus.

Der Wandel in den Industrieberufen ist aufgrund der Digitalisierung noch nicht abgeschlossen. „Eine höhere Automatisierung“, schätzt der Ausbildungsleiter, „dass sich Maschinen schneller auf bestimmte Werte einstellen können.“ Fern sind die neuen Technologien nicht mehr: „Es gibt sogenannte Pick-and-Place-Roboter, die platzieren die fertigen Teile an den richtigen Ort“, sagt Roland Huhn. Doch eine Zukunft wird es für die Ausbildung geben, allerdings: „Vielleicht in einer neuen Form“, so Clemens und fügt hinzu: „Ich kann mir vorstellen, dass es eine Kombination der Ausbildung mit dem Stanz- und Umformmechaniker geben wird. Diese könnte dann intensiver und komplexer sein.“

Für Denis und Abdoul könnte es momentan nicht besser laufen. Beide haben ein Visum, eine Ausbildungsstelle, die sie glücklich macht, und einen Beruf mit Perspektive. „In der Zukunft möchte ich weiterhin in dem Beruf arbeiten“, sagt Denis stolz.

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