Dürre im Kreis Olpe

Bauern müssen ihr erstes Vieh verkaufen

Landwirt Walter Weber zwischen seinen Kühen im Rahrbacher Weidekamp. Es ist die letzte Weide, die noch etwas Futter für die Tiere hergibt. In zwei Wochen gibt es auch hier nicht mehr genug zu fressen. 

Foto: Volker Eberts

Landwirt Walter Weber zwischen seinen Kühen im Rahrbacher Weidekamp. Es ist die letzte Weide, die noch etwas Futter für die Tiere hergibt. In zwei Wochen gibt es auch hier nicht mehr genug zu fressen. 

Kreis Olpe.   Wegen der Trockenheit im Kreis Olpe wird das Viehfutter knapp und wird nicht bis zum nächsten Frühjahr reichen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Walter Weber, Landwirt aus Kruberg, hatte gestern Abend noch einen ungewöhnlichen Termin. Aber was ist für die heimischen Bauern in diesem Sommer schon ungewöhnlich? So fuhr er in den Hochsaulandkreis, um bei einem Kollegen Silagefutter aus dem letzten Jahr anzukaufen. Es ist kein Einzelfall.

„Alle suchen händeringend nach Futter. Es ist reiner Zufall, wenn man noch etwas erhaschen kann“, sagt der Kruberger. Denn die eigenen Futterquellen sind infolge der Trockenheit erschöpft. Wiesen und Weiden sogar an den Nordhängen sind braun und geben nichts mehr her. Und die Hoffnung, dass das Futter über den Winter reicht, schwindet mit jedem weiteren Sonnentag. Der angekündigte Regen für diese Woche hat sich in den Wettervorhersagen schon wieder auf das halbe Maß reduziert. Weber: „Jeder Tag ohne Regen tut mehr weh.“

Viele Landwirte haben bereits erste Konsequenzen gezogen. Walter Weber hat schon 25 Kühe verkauft, neun weitere seiner schwarz- und rotbunten Holsteiner werden in der nächsten Woche gehen. Das sind 34 Tiere und damit mehr als zehn Prozent seines Bestands von rund 300 Milchkühen. „Ich glaube, dass einige sogar 30 bis 40 Prozent ihres Bestands verkaufen müssen“, sagt der erfahrene Landwirt. Während die jüngeren Tiere auf anderen Höfe im In- und Ausland landen, enden ältere nun früher als geplant bei den Schlachtern, die kaum noch Annahmetermine frei haben.

Rindfleischpreis fällt

Die Zahl der Kuhschlachtungen ist laut Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, gegenüber dem Vorjahr bereits um 23 Prozent gestiegen. Folge: die Preise für Rindfleisch sinken immer weiter. „Ich hoffe, dass wir Glück haben und endlich Regen bekommen“, so Richard. Mit ein paar Gewittern ist es aber nicht getan, eine Woche Landregen wäre optimal. Dann wären die Wiesen nach 14 Tagen wieder grün, das Gras würde wieder wachsen und die Bauern könnten zumindest einen letzten Schnitt machen. Die Situation ist prekär, im westlichen Kreisgebiet, also in Drolshagen und Wenden, sind die Bauern noch schlimmer dran. Im Osten kam zumindest im Frühsommer noch etwas mehr Regen runter.

Michael Alterauge, Landwirt aus Drolshagen: „Die Lage spitzt sich immer mehr zu, das ist wirklich dramatisch. Das habe ich so noch nicht erlebt in den letzten 30 Jahren.“ Walter Weber erinnert sich an 1976. „Damals war es noch schlimmer, damals haben wir nur einmal gemäht und die Bundeswehr hat Stroh in die Ställe gefahren.“

Die Landwirte hoffen, dass es soweit diesmal nicht kommen wird. Bis dahin heißt es durchhalten und das Leben für die gehaltenen Tiere so erträglich wie möglich machen. Kreislandwirt Peter Steinhoff: „Man merkt ja selber, wie man mit der Hitze umgeht. Bei den Tieren ist das genauso.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik