Olper Stadtplanung

Bebauungsplan schreckt Investor ab

Eine rund 10000 qm großes Grundstück der Industriebrache direkt an der Olper West-Tangente stand kurz vorm Verkauf. Der Bebauungsplan steht im Weg.

Foto: Josef Schmidt

Eine rund 10000 qm großes Grundstück der Industriebrache direkt an der Olper West-Tangente stand kurz vorm Verkauf. Der Bebauungsplan steht im Weg. Foto: Josef Schmidt

Olpe.   Eigentlich sollen Bebauungspläne die Entwicklung einer Stadt in die richtige Richtung lenken. In Olpe läuft es gerade andersrum.

Eigentlich sollen gerade Bebauungspläne die Entwicklung einer Stadt lenken und fördern - und zwar in die richtige Richtung. Manchmal jedoch können sie Bauprojekten auch im Wege stehen. So geschehen in der Stadt Olpe, fast mittendrin, wo ein Investor aus dem Ostkreis kurz vor dem Kauf der alten „Schell-Industrie-Brache“ stand - unmittelbar an der neuen West-Tangente - zwischen Kreuzkapelle und Fachmarktzentrum (Lidl/Raiffeisen, Expert Klein).

Wie Recherchen dieser Zeitung ans Tageslicht förderten, waren sich Käufer und Verkäufer fast schon einig. Vor einem endgültigen Kaufabschluss stand jedoch der Weg ins Olper Rathaus. Und nach Gesprächen mit der Stadtspitze - Bürgermeister und Städteplanung - kam das Bauprojekt ins Stolpern.

„Zu viele Hürden“, war vom Investor zu vernehmen, „wir konzentrieren uns auf andere, kleinere Projekte.“

Worum geht es? Das Grundstück, um das es geht, ist für Insider alles andere als eine Unbekannte. Wer das Portal Immobilien-Scout anklickt, um in Olpe fündig zu werden, dem wird es bereits jahrelang unterbreitet: „Rund 10 000 qm - Preis auf Anfrage“ steht dort zu lesen, und: „Sofort verfügbar“.

Ex-Bürgermeister wollte kaufen

Blick zurück: Ex-Bürgermeister Horst Müller hatte schon vor einigen Jahren durchblicken lassen, die Stadt sei selbst an den Grundstücken jenseits der West-Tangente interessiert. Dass ein Kauf nicht zustande kam, hatte einen plausiblen Grund: unterschiedliche Preisvorstellungen.

Dass die Stadt an der Fläche interessiert war und ist, verwundert nicht: Das gesamte Gelände rund um den Bahnhof ist für die Zukunft Olpes die wichtigste Fläche überhaupt. Und eine vernünftige, ansehnliche Wohnbebauung jenseits der West-Tangente mit entsprechender Einbindung in das dann „neue Olpe“ muss im Interesse der Stadtpolitik sein.

Nachdem der Versuch von denkmal-begeisterten Olpern vor einigen Jahren scheiterte, die Firmen-Hallen unter Denkmalschutz stellen zu lassen, rankten sich die unterschiedlichsten Gerüchte rund um die Brache: Architekten und Planer seien gesichtet worden, hießt es, da tue sich was. Fehlanzeige.

Bis vor einigen Wochen Bewegung in die Angelegenheit kam: Das Interesse des Investors aus dem Ostkreis war handfest. Der Plan sah vor, das komplette Grundstück zu kaufen und mit dem ersten Abschnitt der Wohnbebauung auf dem Nachbar-Grundstück der Kreuzberg-Kapelle zu beginnen. Entscheidender Punkt des Konzepts: Die übrige Immobilie solle während der einzelnen Bauabschnitte Stück für Stück bewirtschaftet werden - ob nun als Lager- oder Firmenfläche oder als City-nahe Parkplätze, die in Olpe traditionell Mangelware sind. Nach endgültiger Fertigstellung aller Bauabschnitte sollte eine Wohnbaufläche von rund 6200 qm realisiert sein.

Gegenwind aus dem Rathaus

Baudezernentin Feldner befand sich Anfang der Woche ebenso im Urlaub wie Bürgermeister Peter Weber, der Erste Beigeordnete Thomas Bär konnte aber auf Anfrage unserer Zeitung aufklären: „Eine Nutzung der alten Firmenhallen sind mit dem geltenden Baurecht offensichtlich nicht vereinbar.“

Was sich mit unseren Recherchen deckt: Mit dem 2012 in Kraft getretenen Bebauungsplan verwandelte sich die als Gewerbegrundstück genutzte Fläche in Wohn- und Mischgebiete. Und selbst in den Mischgebieten muss Wohnen und Gewerbliches im Einklang stehen. Anders ausgedrückt: Die gewerbliche Nutzung, insbesondere, was Lärm angeht, darf Wohnen nicht wesentlich stören.

Ohne eine Änderung des Bebauungsplanes war der Plan des Investors also nicht zu verwirklichen. Der hatte sogar angeboten, die gewerbliche Nutzung zeitlich auf einige Jahre befristen zu lassen. Aber auch dieser Vorschlag traf im Rathaus offenbar nicht auf Gegenliebe, so dass der Investor letztlich den geordneten Rückzug antrat, statt sich auf ein planerisches, möglicherweise auch teures Abenteuer einzulassen.

Seitens des Olper Traditions-Unternehmens Schell, das bekanntlich schon Mitte des vorigen Jahrzehnts seine erfolgreiche Zukunft im Gewerbegebiet Biebickerhagen suchte und fand, war am Montag auf Anfrage kein Kommentar zu erhalten.

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