Theater

Beste Unterhaltung bei „Hundewetter“

Hoch her ging es beim „Hundewetter“ im PZ, mit einer Paraderolle für Marion Kracht.

Foto: Julia Eiden

Hoch her ging es beim „Hundewetter“ im PZ, mit einer Paraderolle für Marion Kracht. Foto: Julia Eiden

Meggen.   Beste Theaterunterhaltung bot das Ensemble der Komödie am Kurfürstendamm mit „Hundewetter“ im PZ.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Theaterpause im PZ, Frage eines Zuschauers: „Werden hier öfter Schauspiele aufgeführt?“ – „Ja, regelmäßig. Sind Sie hier fremd?“ Und so erzählt der junge Mann, dass er bisher kaum Kontakt zum Theater hatte, dass er derzeit vor Ort als Servicetechniker im Außendienst tätig sei und im gleichen Hotel wie Marion Kracht übernachte. So kamen sie miteinander ins Gespräch, daraus ergab sich die Einladung zu „Hundewetter“. Er wird diese nicht bereut haben, ebenso wie das übrige Publikum, das die Komödie mit begeistertem Applaus honorierte.

Das Stück von Brigitte Buc dreht sich um drei Damen, die in einem Café Zuflucht vor Regenwetter suchen. Unterschiedlicher können sie kaum sein: Helene (Marion Kracht) stemmt Beruf, Haushalt, Mann und Kinder mit links: „Ich bin gut organisiert“. Die alleinstehende Dessousverkäuferin Lulu (Lene Wink) vergöttert ihren Sohn, während Gabriele (Judith Hoersch) „auf Valium“ ist.

Kein Wunder, dass da schnell die Fetzen fliegen; schade nur, dass Slapsticks und Klamauk zu dick aufgetragen werden. Wie häufig, wenn Fremde auf engem Raum miteinander ausharren müssen, öffnen sie sich nach einiger Zeit und wagen Dinge zu offenbaren, die sie ihrem vertrauten Umfeld verschweigen. Nahe am Burnout fällt Helenes Konstrukt der schönen Welt wie ein Kartenhaus zusammen. Lulu ist einsam, fürchtet sich vor dem Tag, an dem ihr erwachsener Sohn sie verlassen könnte. Und die spitzzüngige Gaby hat Pech im Beruf, Pech mit den Männern und ihrer Suchterkrankung.

Vierter im Bunde ist Daniel Morgenroth; als anfangs muffiger Kellner öffnet auch er sich schließlich und erklärt seine Probleme als Mann in der modernen Zeit, altgediente Binsenwahrheiten und ein Schäferstündchen inklusive.

Im nassen Kleid

Soweit so gut und nicht besonders originell. Deutlich aufgewertet wird das Stück durch die Kunst der Schauspieler, die voll in ihrer Rolle aufgehen. Allen voran Marion Kracht, die zudem in der ersten Hälfte mit nassem Kleid – schuld war ein Eimer voll Wasser – spielen musste. Mimisch und gestisch zog sie alle Register: war überheblich, brach zusammen, machte sich voller Selbstzweifel ganz klein im Gedanken an ihre Mutter und konnte dann wieder herzerfrischend betrunken und bekifft sein.

Ganz schön flippig gab sich Judith Hoersch als Gabriele, dabei wollte sie eigentlich nur dazugehören, nicht im Abseits stehen. Lulu (Lene Wink) versteckte hinter kühlem Gerede ihre Angst vor Einsamkeit. Ja, einsam waren sie alle, auch Daniel Morgenroth, der langsam seinen Panzer ablegte. Helenes Gedanken könnte jeder von ihnen haben: „Ich frage mich, warum alle glücklich sind – außer mir.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik