Prozess

Betrüger aus Attendorn gaukelt Lehrer lukrative Geschäfte vor

Das Olper Gericht verhandelte gegen einen Betrüger aus Attendorn.

Das Olper Gericht verhandelte gegen einen Betrüger aus Attendorn.

Olpe.   Ein 33-Jähriger aus Attendorn haute auch seinen früheren Lehrer übers Ohr. Dieser überwies ihm 6000 Euro für angebliche lukrative Geschäfte.

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Betrügereien ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben des Attendorners. Anfang 2006 stand er zum ersten Mal vor Gericht. Es folgten neun weitere Verurteilungen vor dem Einzelrichter.

Doch jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Erstmals war der notorische Betrüger vor dem Olper Schöffengericht angeklagt. Und am Ende gab es eine Freiheitsstrafe von insgesamt dreieinhalb Jahren unter Einbeziehung einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe vom 10. Juli 2017.

Attendorner stiehlt Räder, Lederjacke und Geld

Es waren fünf Betrugs-Anklagen, die Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum verlas. Über seinen Verteidiger Udo Vetter (Düsseldorf) räumte der 33-Jährige alle Vorwürfe ein. Zwischen 1. Juni 2016 und 25. Oktober 2017 hatte er sich in drei Fällen Geld geliehen (100, 5000 und 6000 Euro) so wie in zwei Olper Fahrradgeschäften zwei hochwertige Räder und zwei E-Bikes im Gesamtwert von 10 000 Euro ergaunert.

Zudem nahm er eine Lederjacke in einem Olper Modegeschäft mit, ohne später die Rechnung von 399 Euro zu bezahlen.

Anwalt erklärt: "Mein Mandant ist spielsüchtig"

Anwalt Vetter verkündete im Gericht erstmals, dass sein Mandant spielsüchtig sei: „Er ist jemand, der sein Geld zwanghaft in Spielotheken trägt.“ Es falle dem Angeklagten nicht leicht, dies jetzt zu offenbaren: „Er ist hier aufgewachsen und seine Familie ist stadtbekannt. Er hat es deshalb auch so lange zurückgehalten.“

Seit 13 Jahren spiele er an Geldautomaten, so der Angeklagte: „Immer an mehreren gleichzeitig.“ Das Geld für die Jacke, das ihm sein Vater gegeben hatte, habe er in 30 Minuten verzockt. Auch die vier Fahrräder machte er schnell zu Geld, das dann ebenfalls in den Automaten landete. Gleiches passierte mit den 5000 Euro, die ihm der Cousin seiner damaligen Freundin für Möbel geliehen hatte. 850 Euro zahlte er später an ein Fahrradgeschäft zurück.

Sozialstunden nicht geleistet

In einem Fall haute der smarte und eloquente Angeklagte seinen früheren Lehrer in Olpe übers Ohr. Er gaukelte ihm vor, dass er hochwertige Sound-Boxen aus China kaufe und bereits einen Käufer dafür hätte. Der gutgläubige Pädagoge überwies ihm 6000 Euro. In acht Wochen sollte er über 16000 Euro zurückerhalten. Gesehen hat er bis heute keinen Cent. „Er hat bei mir Abitur gemacht. Schon während der Schulzeit hatten wir darüber gesprochen, sich selbstständig zu machen. Das klang glaubwürdig“, meinte der Lehrer.

Um 100 Euro prellte der 33-Jährige eine Kneipen-Bekanntschaft. „Mir drohte eine Erzwingungshaft wegen aufgelaufener Knöllchen. Ich wollte das damit bezahlen, habe das Geld aber dann verspielt“, sagte der Angeklagte, der aktuell nach eigenen Angaben „in der Gastronomie im Bereich Attendorn“ arbeitet.

Ein vernichtendes Zeugnis gab es von der Bewährungshelferin: „Er war sehr unzuverlässig, hat keine Belege eingereicht und auch keine Sozialstunden geleistet.

Richter gegen verminderte Schuldfähigkeit

Staatsanwalt Scharfenbaum plädierte für insgesamt vier Jahre und drei Monate Haft: „Die Justiz muss auch die Opfer im Blick haben. Hier hätte jeder Opfer sein können.“ Der Angeklagte sei „kein eiskalter Krimineller“, betonte Verteidiger Vetter, der um ein Urteil zur Bewährung bat: „Ohne Therapie geht es nicht.“

Das Spielen sei nicht pathologisch, sagte Richter Richard Sondermann. Deshalb gebe es keine verminderte Schuldfähigkeit. Ebenso sei Bewährung kein Thema.

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