Gericht

Bewährungsstrafe nach Messerstecherei in Olpe

Im Olper Amtsgericht wird die Messerstecherei vom 25. Dezember 2017 verhandelt. Der Angeklagte wollte das Opfer zur Rede stellen. Dann eskalierte die Situation.

Im Olper Amtsgericht wird die Messerstecherei vom 25. Dezember 2017 verhandelt. Der Angeklagte wollte das Opfer zur Rede stellen. Dann eskalierte die Situation.

Foto: Roland Vossel / WP

Olpe.  Zwei Angeklagte (32 und 37) müssen sich vor dem Olper Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Eine Messerstecherei, die sich am 25. Dezember 2017 an einer Olper Tankstelle ereignete, hatte gestern vor dem Amtsgericht Olpe ihr juristisches Nachspiel.

Laut ihren Aussagen vor Gericht, so die Angeklagten, 32 und 37 Jahre alt, seien sie von Olpe auf dem Weg nach Lennestadt zu einer Weihnachtsfeier gewesen. Bereits im Auto habe der 37-jährige Lennestädter seinem 32-jährigen Freund aus Olpe von einem Mann erzählt, der seine Ex-Freundin bedrohen, sie zum Verkauf von Drogen und zu Sex zwingen würde. „Wie es der Teufel so will, haben wir besagten Mann auf dem Weg an einer Tankstelle gesehen“, so der 32-Jährige. Daraufhin habe ihn sein Freund gebeten, anzuhalten, um den Mann wegen der Belästigungen zur Rede zu stellen.

37-Jähriger holt zum ersten Schlag aus

„Ich bin zu ihm gegangen und habe ihn normal gefragt, ob das, was meine Ex-Freundin erzählt hat, der Wahrheit entspricht“, so der Lennestädter. Das spätere Opfer habe ihn und seine Ex-Freundin daraufhin beleidigt, weshalb der 37-Jährige zum ersten Schlag ausholte, wie er vor Gericht auch einräumte. Das Opfer wehrte sich, zog ihn an seiner Kapuze und nahm den Lennestädter in den Schwitzkasten.

Um sich zu befreien, zückte der 37-Jährige ein Messer. Sein Freund, der im Auto auf ihn gewartet hatte, stieg aus und eilte seinem Kumpan zu Hilfe. Vor Gericht erklärte er, etwas in der Hand des Opfers gesehen zu haben. Das habe er ihm aus der Hand treten wollen. Das Opfer habe ihn jedoch am Bein festgehalten, so dass er zu Boden gegangen sei.

Der 37-Jährige konnte sich aus dem Schwitzkasten befreien, fuchtelte mit dem Messer herum und hielt ihn so auf Abstand. Vor Gericht schilderte er, das habe auch vorerst funktioniert, jedoch sei das Opfer wieder auf ihn zugekommen, um ihn erneut zu „umarmen“.

Daraufhin habe er versucht, das Messer in der Hand zu drehen, um es als Schlagwerkzeug zu benutzen. Das missglückte, und er fügte dem Opfer eine nachweislich sieben Zentimeter lange Kopfverletzung und eine Schnittwunde im linken Schulterbereich zu. „Ich weiß, dass es eine wirklich schlimme Sache ist“, zeigte sich der Angeklagte seiner Schuld gestern bewusst.

Auf Nachfrage des Staatsanwalts Markus Bender, warum er überhaupt ein Messer mit sich führe, antwortete der Lennestädter: „Ich bin oft nachts unterwegs. Und sind wir mal ehrlich, es wird immer gefährlicher.“ Richter Markus Gerndorf schüttelte nur den Kopf: „In erster Linie wird es immer gefährlicher wegen Menschen wie Ihnen, die mit einem Messer herumlaufen.“

Wenig hilfreich war die Aussage des Opfers, das sich in seinen Aussagen widersprach. So schilderte er vor Gericht, der 32-Jährige habe ihn gegen die Brust getreten. Bei einer vorherigen Vernehmung war es das Knie gewesen, und auf der Polizeiwache das Gesicht. Im Laufe des Verfahrens räumte er ein, sich nicht mehr genau an den Tathergang erinnern zu können.

„Ich sehe für eine solch gefährliche Körperverletzung keinen Grund für ein Strafmaß im unteren Bereich“, wertete Staatsanwalt Markus Bender und forderte in seinem Plädoyer für den 37-jährigen Lennestädter auch wegen Vorstrafen im Drogen-Milieu eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Für seinen 32-jährigen Mitstreiter forderte er neun Monate auf Bewährung.

Verniedlichung nicht angesagt

Bei der Urteilsverkündung riet Richter Gerndorf dem Lennestädter, solch eine Tat nicht zu „verniedlichen“. Er könne froh sein, dass das Opfer keine weitreichenderen Folgen davon getragen habe. Er verurteilte den Lennestädter zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und 11 Monaten mit Bewährung, Bewährungsdauer: drei Jahre.

Den 32-jährigen Olper verurteilte er zu neun Monaten Haft, ebenfalls für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt, und 200 Sozialstunden, die er innerhalb von sechs Monaten ableisten muss.

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