Vortrag

Bildungsministerin spricht Klartext in der Akademie Biggesee

Blumen für Landesministerin Yvonne Gebauer, die in der Akademie Biggesee einen zum Thema Schule und Bildung hielt und sich anschließend auch für auf den Nägeln brennende Fragen Zeit nahm. Mit auf unserem Bild, Akademie-Leiter Udo Dittmann (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Franz Becker

Blumen für Landesministerin Yvonne Gebauer, die in der Akademie Biggesee einen zum Thema Schule und Bildung hielt und sich anschließend auch für auf den Nägeln brennende Fragen Zeit nahm. Mit auf unserem Bild, Akademie-Leiter Udo Dittmann (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Franz Becker

Foto: Meinolf Lüttecke / WP

Neu-Listernohl.  Yvonne Gebauer ist zu Gast beim Akademieabend 2019 in Neu-Listernohl. Sie referiert u.a. über den akuten Lehrermangel und streikende Schüler.

Beim Akademieabend 2019 stand die Bildungspolitik des Landes NRW im Mittelpunkt – dazu hatte die Akademie Biggesee sogar die amtierenden Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer (FDP), eingeladen. Akademie-Aufsichtsratsvorsitzender Franz Becker stellte den zahlreich Gekommenen die FDP-Politikern als Dienstherrin von 180.000 Lehrern vor, die zwei Millionen Schüler in NRW unterrichten. Dass Gebauer keinen leichten Job zu erfüllen habe, wurde in ihrem Vortrag deutlich. Sie betonte gleich zu Anfang, dass die Schulpflicht ein hohes Gut und eine Errungenschaft der Weimarer Verfassung sei. Und sie findet es richtig, dass Schüler und Studenten für den Klimaschutz streiken würden, aber „das müsse aber außerhalb der Schulzeit sein“.

Eklatanter Lehrermangel

Schnell kam die FDP-Politikerin auf den eklatanten Lehrermangel und die veralteten Statistiken der Vorgängerregierung zu sprechen, die sie bei ihrem Amtsantritt im Jahre 2017 vorfand. Kinder mit Migrationshintergrund seien darin nicht und somit auch nicht in der Lehrerbedarfsprognose enthalten gewesen. Besonders eklatant sei der Lehrermangel an den Grundschulen. Dort würde man sich mit Quereinsteigern und vorübergehend neuen Gymnasiallehrern aushelfen, denn erst in sieben Jahren stehe eine größere Anzahl ausgebildeter Pädagogen zur Verfügung.

„Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung und Chance“, so die Ministerin. Dazu gehört jetzt, die Lehrkräfte zu qualifizieren. Ihr Ministerkollege Pinkwart habe zugesagt, die digitale Infrastruktur an den Schulen bis 2022 zu schaffen. Den Support sollten jedoch nicht die Lehrer, sondern Fachleute übernehmen.

Studium ist kein Allheilmittel

Bei ihren Reisen durchs Land, so sagte es Yvonne Gebauer ehrlich heraus, komme sie auch in Schulen, in denen man die Toiletten erst gar nicht ansehen könne und das Dach der Turnhalle kurz vor dem Einsturz stehe. „Nicht die Sparkassen dürfen die modernsten Gebäude haben, sondern die Schulen“, forderte die NRW-Bildungsministerin. Dass das Handwerk goldenen Boden habe, fand auch die Ministerin, die in diesem Zusammenhang sagte, dass „allein ein Studium kein gutes Leben gewährt“.

Bei der anschließenden Fragestunde konnte sich Yvonne Gebauer vor Fragen kaum retten. So forderte zum Beispiel Gisela Wurm, die selbst 41 Jahre als Lehrerin unterrichtete, dass „endlich Ruhe in die Schulpolitik kommt und nicht, wie in der Vergangenheit, eine Reform die andere jagt“. Außerdem war für Gisela Wurm das Schreiben nach Gehör ein Graus. Dazu sagte die Schulministerin, dass in der „Vergangenheit mitunter die Schulen als Versuchskarnickel missbraucht wurden“. Die Methode des Schreibens nach Gehör finde die Ministerin nicht gut, sie akzeptierte diese allerdings maximal bis Ende des ersten Schuljahres.

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