Gesamtschule

Bleibt die Schulform Gesamtschule in Finnentrop erhalten?

Bleibt die Bigge-Lenne Gesamtschule in Finnentrop eine Gesamtschule? Die Anmeldezahlen lassen einen Schulform-Wechsel erahnen.

Bleibt die Bigge-Lenne Gesamtschule in Finnentrop eine Gesamtschule? Die Anmeldezahlen lassen einen Schulform-Wechsel erahnen.

Foto: Flemming Krause / WP

Finnentrop.  Eine Entscheidung sollte bis Ende dieses Jahres gefällt werden. Anmeldezahlen sprechen gegen Fortbestand der Gesamtschule in Finnentrop.

Nach der geplatzten Kooperation der beiden Gesamtschulen Bigge-Lenne aus Finnentrop und Albert-Einstein aus Werdohl (wir berichteten mehrfach) ist die Zukunft dieser Schulform in Finnentrop mehr als ungewiss. Die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr sind ein Indiz dafür, wie schwer es die Gesamtschule haben wird.

Für das Jahr 2019/20 haben sich laut Angaben der Schule nämlich nur 65 neue Fünftklässler angemeldet. Sie werden in drei Klassen mit je 20 bis 22 Schülern unterrichtet. Laut Schulgesetz NRW müssen Gesamtschulen im Land jedoch bis zur Klasse zehn (Sekundarstufe I) vier Parallelklassen mit je 25 Schülern pro Klassen stellen. In Summe also 100. An diese Quote kommen die Finnentroper nicht annähernd heran. Das Problem ist allerdings nicht neu, schon in den vergangenen Jahren blieben die Finnentroper unter dieser Zahl. Zum Schuljahr 2016/17 kamen 77 Fünftklässler dazu, danach das Jahr waren es 82 und zum Schuljahr 2018/19 fanden sich 71 neue Schüler in der Jahrgangsstufe 5 ein.

Bis Ende des Jahres eine Entscheidung

Für die neuen Fünftklässler besteht jedoch kein Grund zur Panik, im kommenden Schuljahr wird die Gesamtschule dank einer Ausnahmeregelung wie bislang fortgesetzt. Es könnte allerdings das letzte Jahr in dieser Schulform sein. „Es wäre sinnvoll und wünschenswert, wenn der Schulträger bis Ende dieses Jahres eine Entscheidung fällt, wie es weitergehen soll. Irgendwann wollen die Eltern ja auch wissen, auf welche Schule mit welcher Schulform sie ihre Kinder anmelden“, betont Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, der Schulaufsichtsbehörde, vor dem Hintergrund, dass im Februar 2020 die neuen Anmeldephasen für die Klassen fünf beginnen. In der Verantwortung stehe nun also die Gemeinde Finnentrop als Träger.

Unter Druck setzen lässt sich Bürgermeister Dietmar Heß deshalb aber nicht. Auf Nachfrage dieser Redaktion betont er: „Wir beobachten die Situation sehr genau und machen uns über Alternativen zur Gesamtschule Gedanken.“ Dazu sei man mit allen am Schulleben beteiligten Akteuren in Gesprächen. An Spekulationen wollte sich Heß in der Öffentlichkeit aber nicht beteiligen. Vermutlich im Herbst solle dieses Thema mit den politischen Gremien besprochen werden.

Eine denkbare Option ist, aus der Gesamt- eine reine Realschule zu machen. Denn dafür bräuchte es zunächst nur zwei Klassen mit jeweils 27 Schülern, erklärt Söbbeler. Aber auch eine Sekundarstufe ist denkbar, hierzu bräuchte es „nur“ 60 neue Fünftklässler, die sich auf drei Klassen verteilen würden. Die Entscheidung trifft am Ende aber der Schulträger. „Wir können da nur beratend Gewähr bei Fuß stehen“, erklärt der Pressesprecher.

Lehrerkonferenz einberufen

Dass es schwierig wird, die Schulform Gesamtschule bei diesen geringen Anmeldezahlen langfristig aufrecht zu erhalten, weiß auch der kommissarische Leiter in Finnentrop, Thorsten Vietor. Deshalb werde er kommende Woche Freitag, 12. Juli, eine Lehrerkonferenz einberufen. „Mir ist es wichtig, ein Stimmungsbild einzufangen und darüber zu sprechen, welche Schulform wir favorisieren. Die Interessen des Kollegiums sollten natürlich Gehör finden“, betont Vietor. Über seine persönliche Zukunft hat sich der kommissarische Leiter noch nicht abschließend Gedanken gemacht, es sei aber nicht auszuschließen, dass er sich auf die Schulleiter-Position bewerbe, wenn denn eine Stelle ausgeschrieben wird. „Ich habe immer gesagt, dass ich mir das gut vorstellen kann, so lange es mir Freude macht. Das tut es. Aber es muss schon ein ausgewogenes Verhältnis vorliegen, denn im Prinzip mache ich derzeit zwei Jobs“, betont Vietor, der an der Gesamtschule die Fächer Sport und Wirtschaftslehre unterrichtet.

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