Natur

Borkenkäfer kann Waldbauern ruinieren

Peter Sondermann, selbstständiger Förster und von der Forstbetriebsgemeinschaften Oberveischede und Kirchhundem-Bilstein, zeigt die Schäden durch den Borkenkäfer.

Peter Sondermann, selbstständiger Förster und von der Forstbetriebsgemeinschaften Oberveischede und Kirchhundem-Bilstein, zeigt die Schäden durch den Borkenkäfer.

Foto: Jana Wehmann

Kreis Olpe.   Schnelles Handeln durch Aufarbeitung der betroffenen Bäume ist notwendig. Förster aus dem Kreis Olpe stehen zur Seite.

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Ein geringer Grundwasserpegel oder auch die erhöhte Waldbrandgefahr waren Folgen der Hitzewelle. Doch jetzt bekommen auch die Waldbauern das ganze Ausmaß des Supersommers 2018 zu spüren: Die Borkenkäfer nisten sich in die von Trockenheit stark geschwächten Fichten ein und lassen die Bäume erkranken. Was das für die Waldbauern bedeutet und welche Schritte notwendig sind, erklärt der Waldbauernverband NRW der Bezirksgruppe Olpe.

Was ist passiert?

Durch den trockenen Sommer sind die Fichten geschwächt, so dass sich der Borkenkäfer unter der Rinde einnistet, sich rasant vermehrt und die Bäume bedroht. Eigentlich hat der Käfer eine nützliche Aufgabe: Er soll tote Bäume besiedeln und so Platz für neuen Aufwuchs schaffen. Peter Sondermann, Privatförster in den Forstbetriebsgemeinschaften Oberveischede und Kirchveischede-Bilstein, spricht von einer „problematischen Massenvermehrung“: „Der Borkenkäfer ist zur Zeit in der dritten Generation. Wenn man bedenkt, dass jedes Weibchen rund 100 Nachkommen produziert, kann man sich das Ausmaß vorstellen.“

Wie erkennt man die Bäume?

Die Krone weise einen Kupferstich auf und habe rieselnde fahlgrüne Nadeln, so Sondermann. „Für Otto-Normalverbraucher mag das auf den ersten Blick nicht sichtbar sein. Aber der Fachmann erkennt die betroffenen Bäume“, sagt Klaus Zocher, Geschäftsführer der

WaldHolzSauerland GmbH, und Sondermann fügt hinzu: „Außerdem erkennt man den Befall durch braunes Bohrmehl am unteren Stamm oder an der Wurzel.“ Zudem sind die Borkenkäfer durch Spechtabschläge der Rinde sichtbar: Sind die Käfer hellbraun spricht der Fachmann von einer weißen Brut und die Bäume sind noch behandelbar. „Richtig schlimm wird es, wenn der Käfer bereits kaffeebraun ist. Dann ist er bereits lebensfähig“, erklärt der Privatförster.

Was ist zu tun?

„Oberste Priorität hat jetzt die Substanzerhaltung im Wald und der Waldschutz“, sagt Sondermann. Es gelte zu verhindern, dass die Borkenkäfer zur Überwinterung in den Boden gelangen und so im nächsten Frühjahr erneut einen Befall hervorrufen können. „Wir müssen die Bäume schnellstmöglich mit allen Kapazitäten - am besten bis zur Krone - aufbearbeiten“, erklärt der Privatförster. Eine Entrindung der Bäume sei nur begrenzt möglich, deshalb empfehle Sondermann eine Abschöpfung der betroffenen Bäume und anschließend eine bio-chemische Behandlung. „Die Pestizide müssen direkt am Holzpolter gespritzt werden.“ Für diese chemische Behandlung sei jedoch ein Sachkundenachweis erforderlich.

Waldbauern, die nicht täglich auf ihrem Gelände sind, sollen nach betroffenen Bäumen suchen. „Bei Verdacht einen Förster informieren und ihm freie Hand lassen“, sagt Ferdinand Funke, Vorsitzender der Bezirksgruppe Olpe.

Was bedeutet das Ausmaß?

In ganz Deutschland habe der Befall bereits einen Schaden in Höhe von zwei Milliarden Euro verursacht. Das betroffene Holz könne nicht mehr vermarktet werden, sondern müsse entsorgt werden. „Wer wirklich davon lebt, könnte ruiniert werden“, sagt Zocher. Deshalb fordere die Bezirksgruppe Hilfe für die Waldbauern: Sei es durch eine Förderung, eine steuerliche Ermäßigung oder auch Hilfe durch die Gesellschaft.

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