Wald

Borkenkäfer-Plage: Situation im Wendener Wald spitzt sich zu

Förster Thomas Reifenrath (links) und Werner Rüsche, Vorsitzender der Waldgenossenschaft, im Wald am Ottfinger Löhkopf. Die Fichten sind hier in einem ganz schlechten Zustand. 

Förster Thomas Reifenrath (links) und Werner Rüsche, Vorsitzender der Waldgenossenschaft, im Wald am Ottfinger Löhkopf. Die Fichten sind hier in einem ganz schlechten Zustand. 

Foto: Roland Vossel / WP

Wenden.  Ganz schlecht steht es um die Fichten im Wendener Wald. Der Borkenkäfer ist nicht zu stoppen. Immer schneller sterben die Bäume ab.

Werner Rüsche ist beim Blick auf die zahlreichen maroden Fichten am Ottfinger Löhkopf-Blauer Stein fassungslos. Die Bäume sind völlig vertrocknet und vom Borkenkäfer übelst zugerichtet worden. Bei einer Länge von einem Meter und einer Breite von zehn Zentimetern hat der Vorsitzende der Waldgenossenschaft Ottfingen I etwa 150 Borkenkäfer-Einbohrlöcher in einem Fichtenstamm gezählt. „Das ist eine traurige Geschichte. Das tut einem in der Seele weh. Es ist frustrierend. Das macht keinen Spaß mehr“, schüttelt der 77-Jährige beim Besuch dieser Zeitung den Kopf.

Dramatische Entwicklung

„Bäume und Wälder sind bei uns in einem ganz schlechten Zustand. Das ist bedrohlich“, sagt Wendens Bürgermeister Bernd Clemens, der auch Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Wenden ist. In der Tat. Die südlichste Gemeinde des Kreises Olpe ist besonders betroffen. Das bestätigt auf Anfrage auch Annette Köhne-Dolcinelli, Leiterin des Fachgebietes Privat- und Körperschaftswald im Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland in Olpe: „Wir haben im Kreis Olpe eine unterschiedliche Situation. Wenden und Bereiche von Drolshagen sind am stärksten betroffen. Wir befürchten, dass es nicht nur in diesen Bereichen bleibt, sondern vorangeht.“ Und: „Es ist eine sehr dramatische Entwicklung im Moment. Das ist die schlimmste Kalamität seit 1947.“

Schon damals trieb der Borkenkäfer sein Unwesen in den Wäldern. „Es ist eine extreme Dürre im Boden. Die Fichten können kein Harz mehr bilden. Sie können sich nicht mehr wehren“, so Annette Köhne-Dolcinelli. Die Fichten sind ein leichtes Opfer für die Käfer. Und Besserung ist nicht in Sicht. „Bei den kurzen lokalen Episoden Regen ist das Wasser keine Hilfe für den kränkelnden Wald. Das läuft ab und kommt bei den Fichten nicht an. Es müsste schon wochenlang regnen.“

Ein Kampf gegen Windmühlen

Zurück nach Ottfingen. Hier erlebt auch der erfahrene Revierförster Thomas Reifenrath, wie schlimm es aktuell um den Wald bestellt ist. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Schier aussichtslos. „Das ist heimtückischer als Kyrill. Nach dem Sturm konnte man anhand der umgefallenen Fläche die aufzuarbeitende Holzmenge hochrechnen. Jetzt ist das nicht möglich bzw. nur vage abzuschätzen. Der Käfer ist immer schneller. Wir können nur reagieren und holen das kranke Holz aus dem Wald. Wir laufen nur hinterher. Alles hängt von der Witterung ab. Eine Situation wie diese hat noch niemand von den derzeit im Wald aktiv handelnden Personen miterlebt“, erläutert der Forstbetriebsbeamte. Und weiter: „Wenn der Befall in diesem Tempo weitergeht, wird man weder alles Holz aufarbeiten, geschweige denn in den Verkauf bringen können.“

Förster Reifenrath zeigt uns eine zwei Hektar große Waldfläche am Blauen Stein in Ottfingen mit 70 bis 113 Jahre alten Fichten, beziehungsweise das, was von ihnen übrig geblieben ist. Sie sind rotbraun, haben den chancenlosen Kampf gegen den Borkenkäfer verloren: „Seit Ende Juni dieses Jahres gibt es hier ein massives flächiges Absterben von Fichtennadelhölzern. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dabei waren genau hier im Frühjahr dieses Jahres die erkennbar kranken Bäume schon entnommen worden.“

Holzpreise gehen in den Keller

In den vergangenen Tagen hat sich die Situation weiter zugespitzt. „Auch an anderen Stellen in der Gemeinde Wenden wird es immer schlimmer“, hat Förster Reifenrath bei seinen ständigen Begutachtungen des Waldes in seinem Revier festgestellt. Die Ausmaße seien nicht absehbar: „Das nimmt jetzt richtig Fahrt auf. Das Absterben der Bestände schreitet explosionsartig voran. Der Borkenkäfer vermehrt sich ohne Ende. Das ist wie bei einer biblischen Plage. Neben der Baumart Fichte fängt auch die Lärche an zu kriseln.“

Genauso rasant wie sich der lästige Käfer vermehrt, gehen die Holzpreise in den Keller. „Der Erlös hat sich seit Anfang 2018 mehr als halbiert. Die Tendenz ist weiter fallend“, so Reifenrath. Es herrscht ein Überangebot, das weiter wächst. „Der Holzmarkt ist zu“, bringt es der Wendener Förster auf den Punkt. Die Sägewerke sind voll, ein Abfluss des befallenen Holzes kann zukünftig nicht mehr unbedingt garantiert werden. Für die Waldbesitzer ist dies ein Horrorszenario. „Manche Sortimente sind aber schon jetzt nur noch schwer bzw. defizitär absetzbar. Das bedeutet, dass der Waldbesitzer am Ende drauflegt. Er hat die Kosten für die Aufarbeitung und kann das Holz nicht verkaufen“, so Thomas Reifenrath. Und weiter: „Sollte der Holzverkauf wirklich nur noch minimiert möglich sein, werden kranke Bäume nicht mehr entnommen. So wird sich der Wendener Wald bis Ende dieses Jahres für jeden Besucher wahrnehmbar deutlich sichtbar verändern.“

Hoffen auf nassen Herbst und nasses Frühjahr

Was kann denn überhaupt noch getan werden? Förster Reifenrath ist dankbar, dass ihn die Waldbesitzer in der Forstbetriebsgemeinschaft Wenden bei der Sichtung und Markierung von Käfernestern unterstützen. Zudem appelliert er an die Waldbesitzer, verstärkt auf Fichtenbrennholz umzustellen: „Es darf keinen zusätzlichen Einschlag von Laubholz in den Haubergen geben. Das ist derzeit aktiver Forstschutz der Waldgenossen gegen den Käfer.“

Was letztendlich bleibt, ist der Wunsch auf die Hilfe von oben. Denn nur eines kann den Borkenkäfer stoppen: „Anhaltende Niederschläge und einstellige Temperaturen. Wir können vorerst nur auf einen nassen Herbst und ein nasses Frühjahr hoffen.“

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