Kultur

Halle 4 wird zum großen Konzertsaal mit brillanter Akustik

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Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität wird der Umbau der Halle 4 als Kunst- und Kulturstandort empfohlen.

Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität wird der Umbau der Halle 4 als Kunst- und Kulturstandort empfohlen.

Foto: Roland Vossel

Rothemühle.  Die Halle 4 soll zu einem modernen Veranstaltungszentrum umgebaut werden - Der Verein Kulturhalle 4 informiert über Ziele und Pläne.

Mit dem ehemaligen Brandt-Gelände hat man in Wenden viel vor. Und das Interesse der Bevölkerung an dessen Zukunft ist groß, schließlich haben Generationen von Wendschen hier ihren Lebensunterhalt verdient. 2016 wurde das Ende des Werkstandorts besiegelt, die Tore schlossen 2017. In diesem Jahr nun folgt endgültig der Abriss der Hallen und aufstehenden Gebäude mit Ausnahme der Hallen 6 und 4, wobei letztere zu einem vielseitig nutzbaren Kunst- und Kulturzentrum entwickelt werden soll. Das war einer von fünf durch die Gemeinde vorgegebenen Punkten bei der Konzeptvergabe, dessen Zuschlag im Februar 2022 die Projektgesellschaft Zukunftsquartier Rothemühle GmbH, die aus der Pyramis Immobilien-Entwicklungsgesellschaft und der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden besteht, erhalten hatte.

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Bereits 2021 bildete sich eine Interessengemeinschaft, um sich für den Erhalt der Halle 4 einzusetzen. Im November 2022 gründete sich daraus der Verein „Kulturhalle 4“. Am Montagabend nun hatte dieser in die Grundschule Rothemühle eingeladen. Das Ziel: die Vorstellung der bisherigen Arbeit des Vereins, der Austausch mit den Kulturschaffenden und Kulturinteressierten der Gemeinde sowie das Gewinnen von Unterstützenden für das Vorhaben.

„Eine Kulturhalle ohne Betreiber ist zunächst einmal nur ein Gebäude. Die Hand darüber sollten die Menschen hier vor Ort haben“, warb der Vorsitzende Willi Ring im vollbesetzten Forum darum, dem Verein beizutreten. „Entscheiden Sie darüber, was hier passiert und auch, was nicht passieren darf. Bewahren Sie mit der Halle eine würdige Erinnerung und ein kulturelles Andenken an eine einzigartige Industriekultur“, so der Appell.

In den vergangenen vier Jahren war die Halle 4 immer mal wieder Veranstaltungsort. Für diverse Konzerte und Projekte, Videodrehs, Ausstellungen oder als Feier- und als Fotolocation. „Das alles war Kultur im Kleinen und Verborgenen. Jetzt soll sie ins Rampenlicht treten“, so die stellvertretende Vorsitzende Nicole Williams.

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Herzstück des Vorhabens „Kulturhalle 4“ ist die große Halle im Erdgeschoss mit unterschiedlichen Bestuhlungsformen und unterschiedlichen Bühnengrößen, multifunktional einsetzbarem Backstagebereich, Foyer mit Garderobe und Bar. „Es soll ein Konzertsaal und Aufführungsort entstehen, der ein stilvolles Ambiente und eine brillante Akustik garantiert“, so Williams. Das Obergeschoss soll mit seiner Galerie kleineren Veranstaltungen – Lesungen, Workshops, Tagungen – Raum bieten. „Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Wir engen Kultur nicht ein, sie ist für alle da.“ Weiter ist eine Gastronomie angedacht, weil „obligat für einen professionellen Veranstaltungsort“, wie Williams betonte. Ob diese verpachtet oder in Selbstbewirtschaftung oder eventabhängig betrieben werden soll, ist offen.

Professioneller Betrieb mit Vollausstattung der Halle

Professionell – das ist überhaupt das Stichwort für die strategische Ausrichtung des Veranstaltungsortes. „Ein professioneller Betrieb mit Vollausstattung der Halle und Fremdvermietung, hält das Risiko gering. Und je besser die Ausstattung, desto attraktiver wird die Location für Veranstalter“, so Mechthild Hendricks, Kassiererin des Vereins. Das warf im Plenum die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf. Man rechne für eine tragbare Kalkulation mit 160 erforderlichen Veranstaltungen – große und kleine gemischt – pro Jahr, basierend auf zunächst „groben Zahlen“, so Hendricks. „Kultur und Wirtschaftlichkeit sind ein brennendes Thema. Keine Oper, kein Theater kommt ohne Fördermittel aus“, konstatierte Willi Ring. Rein wirtschaftlich sei so ein Betrieb nicht zu stemmen und Kultur sowieso nicht in Euro rechenbar.

Bauliche Anforderungen und Umsetzung, Lärmschutz, Anfahrt, Abfahrt und Parkplätze – auch darauf zielten die kritischen Fragen im Plenum. „Wir haben keine Planungsunterlagen. Das ist Sache der Entwicklungsgesellschaft. Wir gehen davon aus, dass eine Kulturhalle eine fertige Kulturhalle ist. Wir haben unsere Erwartungen und dass diese erfüllt werden“, so Ring. „Die Halle ist ein Teil der Arbeiterkultur unserer Vorfahren, die wir bewahren können. Wir müssen nicht alles wegmachen. Ich verstehe die Bedenken nicht.“

„Wir finden die Idee toll, was hier entstehen soll. Das umzusetzen wird angesichts der aktuellen Krisen aber nicht einfacher“, so Wilhelm Rücker vom Vorstand der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden, zum Ende der Versammlung. Klar sei, dass die Sparkasse als Minderheitsgesellschafter das wirtschaftliche Risiko nicht tragen könne. „Wenn die Gemeinde die Vorstellung eines hochkarätigen Zentrums hat, dann muss sie mit in die Verantwortung.“

Paul Sieler, Direktor der Sparkassen-Niederlassung Wenden, ergänzte: „Es kann nur eine politische Aussage sein, dass man dazu steht. Es wäre für uns elementar und eine Selbstverständlichkeit, damit das alles nicht in ein paar Jahren kaputt geht.“

Weitere Info

  • Am 4. Februar wird um 15 Uhr ein Flohmarkt in der Halle veranstaltet, um Gegenstände des ehemaligen Industriestandortes für einen guten Zweck zu veräußern.
  • Kontakt: www.kulturhalle4.de; info@kulturhalle4.de

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