Ärzteverbund

Ärzte-Kritik: Bürgermeister im Kreis Olpe einig über Boykott

Routine in einer Hausarztpraxis: Der Blutdruck wird gemessen. Nach der Kritik von Stefan Spieren ging der Blutdruck der Bürgermeister wohl in die Höhe.

Routine in einer Hausarztpraxis: Der Blutdruck wird gemessen. Nach der Kritik von Stefan Spieren ging der Blutdruck der Bürgermeister wohl in die Höhe.

Kreis Olpe.  Die Städte im Kreis Olpe täten nicht genug gegen den Ärztemangel, kritisierte ein Hausarzt aus Hünsborn. Die Bürgermeister reagieren empört.

Die Bürgermeister im Kreis Olpe sind sauer, einige sogar stinksauer. Auf den Hünsborner Hausarzt Stefan Spieren. Spieren ist Vorstandsvorsitzender des Ärzteverbundes Südwestfalen und hatte wenige Tage vor einer Großveranstaltung des Ärzteverbundes in der Olper Stadthalle im Gespräch mit dieser Zeitung gegen die Kommunalpolitik und insbesondere die Bürgermeister ausgeteilt. Die kümmerten sich nicht genügend um das wichtige Thema, so der Arzt, der eine dramatische Entwicklung befürchtet.

Die Reaktion der Bürgermeister ließ nicht lange auf sich warten. Kein einziger der sieben Stadt- und Gemeindechefs aus dem Kreis Olpe ließ sich auf der Versammlung des Ärzteverbundes blicken. Blamabel: Mitten in der Kreisstadt wurden zwar Projekte aus Kommunen vorgestellt - aber nur aus Siegen, Bad Berleburg und Balve. Im Kreisausschuss am Montagabend griff Grünen-Sprecher Fred Hansen das Thema auf und sprach von einem abgestimmten Boykott der Bürgermeister. Während der Veranstaltung in Olpe hatte Spieren das Wegbleiben der Bürgermeister bedauert: „Es ist schon traurig, dass aus dem Kreis Olpe, dem am meisten gefährdeten Kreis, keiner da ist.“

Schon angemeldet

Das wiederum wundert Wendens Bürgermeister Bernd Clemens, der keinen Hehl daraus macht, sich sehr über die Äußerungen Spierens geärgert zu haben. Wie alle seine Kollegen übrigens auch: „Ich hatte mich zu der Veranstaltung schon angemeldet.“ Aber nach der Spieren-Kritik in der WP habe es ein Treffen aller Bürgermeister im Olper Kreishaus gegeben, eigentlich zu einem ganz anderen Thema. Die Spieren-Kritik sei dort allerdings in den Blickpunkt gerückt. Clemens: „Wir waren unisono der Ansicht, dass sich so etwas nicht gehört und wir der Veranstaltung fernbleiben würden.“

Gerade die Gemeinde Wenden tue, was sie könne: „Wir haben mit Nicole Williams eine Fachkraft im Hause, die sich speziell darum kümmert, junge Ärzte für unsere Gemeinde zu interessieren und bei einer Ansiedlung zu unterstützen. Da tun solche Vorwürfe schon weh.“ Zudem habe er Spieren nach dessen Kritik eine Email geschickt und ihn über den Zorn der Bürgermeister informiert, so dass Spieren sich nicht habe wundern müssen, dass keiner auf der Ärzteverbund-Veranstaltung in der Olper Stadthalle erschienen sei.

Auf die Frage, ob eine Geld-Prämie für Ärzte nach dem Vorbild der Stadt Attendorn der richtige Weg sei, machte Clemens aus seiner Skepsis kein Geheimnis: „Ich halte so etwas für problematisch. Dann müsste das auch für Fachkräfte im Handwerk gelten oder für Grundschulleiter, die schwer zu bekommen sind.“

Aktuell nicht akut

Ins gleiche Horn bliesen gestern auf Anfrage auch einige Bürgermeister-Kollegen von Clemens. Drolshagens Uli Berghof zum Beispiel sprach von einer „großen Verärgerung unter den Bürgermeistern des Kreises Olpe.“ Dabei gebe es beim Thema Ärztemangel mehrere kommunale Projekt-Ideen. Berghof: „Die Aussage Spierens, es fehle Unterstützung, ist nicht richtig.“

Das Spieren-Projekt UnternehmensWertArzt sei beispielsweise ein Leader-Projekt, das von Attendorn, Olpe und Drolshagen mit auf den Weg gebracht und somit finanziert worden sei. Er selbst, so versicherte Berghof, suche aktuell das Gespräch mit der Drolshagener Ärzteschaft. Aber: „Ganz akut ist das Problem bei uns momentan nicht.“ Das Durchschnittsalter der Drolshagener Hausärzte liege unter 60.

Große Einmütigkeit

Kirchhundems Bürgermeister Andreas Reinéry bestätigte auf Anfrage die Stimmungslage aller Bürgermeister nach der Spieren-Attacke: „Wir haben diese Absprache in großer Einmütigkeit getroffen. Da haben wir gar nicht lange überlegen müssen. Das war für alle Kollegen ein Affront.“ Wie seine Kollegen auch, mache er das Thema Ärztemangel im Rathaus Kirchhundem zur Chefsache: „Wir beschäftigen uns seit geraumer Zeit höchst intensiv damit.“ Und da das Thema so wichtig sei, gebe es auch keinen Grund, jetzt auf ewig zu schmollen: „Es gilt jetzt, zurück zu finden zu einer guten Kommunikation.“

Dieser Ansicht waren auch Bernd Clemens und Uli Berghof. Clemens: „Ich bin ja regelmäßig mit den Ärzten in der Gemeinde Wenden im Gespräch, auch mit Stefan Spieren.“ Und das solle auch so bleiben: „Ich hoffe, dass es einen Weg gibt, wieder zueinander zu finden.“

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