Corona

Corona: Reiterhof aus Obermelbecke bangt um seine Existenz

Richard Hufnagel, Lena Knigge und Katja Messerschmidt (von links). Die Mitarbeiterinnen müssen jetzt in Kurzarbeit.

Richard Hufnagel, Lena Knigge und Katja Messerschmidt (von links). Die Mitarbeiterinnen müssen jetzt in Kurzarbeit.

Foto: Joachim M. Hecker

Obermelbecke.  Mitarbeiter des Islandpferdegestüts Falkenegg in Obermelbecke sind schon in Kurzarbeit. Wie Betriebsleiterin Lisa Grau die Situation einschätzt:

Das gesellschaftliche Leben steht still. Die Menschen verbringen die meiste Zeit zuhause. Schulen und Kitas sind geschlossen, öffentliche Plätze verwaist. Gaststätten mussten schließen. Das Coronavirus schlägt eine wirtschaftliche Kerbe in den Dienstleistungssektor. Auch Reitbetriebe kämpfen zurzeit um ihre Existenz. So wie das Islandpferdegestüt Falkenegg in Obermelbecke. „Für uns ist das ein extremes, existenzbedrohendes Problem", betont Betriebsleiterin Lisa Grau. „Einnahmen fehlen, aber die Ausgaben bleiben. Ich weiß zurzeit nicht, wie es weitergehen soll.“

Lisa Grau ist Betriebswirtin und Reitausbilderin. Sie lebt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Richard Hufnagel auf dem Islandpferdegestüt Falkenegg in Obermelbecke. Der Betrieb lebt von der Landwirtschaft und vom Reit-Gewerbe – letzteres liegt derzeit völlig brach. Kein Reitschulunterricht, keine Reitlehrgänge, keine Verkaufspferde-Interessenten. Und auch die Ferienwohnungen müssen leer bleiben. So lauten derzeit die Vorgaben, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Natürlich kann Lisa Grau die Sicherheitsmaßnahmen von der Regierung verstehen, doch sie und ihr Lebensgefährte bleiben auf den Kosten sitzen. Denn die Pferde müssen weiter versorgt werden. Das bedeutet nicht nur Ausgaben für Futter und Einstreu. Auch der Hufschmied, die tierärztliche Versorgung, muss weiter bezahlt werden. „Es entstehen massive Verluste“, macht Lisa Grau deutlich. „Wir reden hier im Monat von mehreren zehntausend Euro.“

Gleiche Arbeit, weniger Arbeitskraft

Die Mitarbeiter sind mittlerweile in Kurzarbeit. Es fehlen einfach die finanziellen Mittel. Lisa Grau ist derzeit schwanger, darf nicht mit anpacken. Dennoch muss die Arbeit irgendwie gestemmt werden. Die Pferde müssen schließlich bewegt werden. Außerdem geht es jetzt darum, für das Islandpferdegestüt und auch für die Reitschüler und deren Eltern eine Lösung zu finden. Lisa Grau wendet sich mit einem Appell an sie. „Seid solidarisch“, sagt die Betriebswirtin. „Auch wenn ihr gerade nicht reiten könnt, bitte lasst uns weiterhin die Monatsbeiträge einziehen und kündigt Eure Verträge nicht.“

Als Ausgleich für die ausgefallenen Reitstunden im März bereitet Lisa Grau gerade Theorieunterlagen vor, die sie den Schülern schicken kann. Sollte der Betrieb auch nach den Osterferien nicht weitergehen, bietet das Gestüt für die ausgefallene Zeit (20. bis 30. April) Gutscheine über den halben Monatsbeitrag an, der im Reitshop, bei Reitkursangeboten oder auch für Einzelunterricht eingelöst werden kann. Auch für bereits gebuchten Urlaub oder Lehrgänge werden nun Gutscheine rausgegeben. „Wenn wir die geleisteten Anzahlungen jetzt alle zurückzahlen müssen, das wären mehrere Tausend Euro“, verdeutlicht Lisa Grau das Problem. „Da kommt es schnell zu Liquiditätsengpässen.“

Erstmal keine Tilgungen

Wie es weitergehen soll, bleibt abzuwarten. Die voraussichtlichen Verluste hängen nun von der Dauer der angeordneten Schließung ab. Die einzigen Einnahmen stammen derzeit aus der Landwirtschaft. Das sind die Einstellgebühren und die Milchwirtschaft – doch auch auf letzteres ist kein Verlass. „Wir können künftige Rechnungen nicht mehr bezahlen“, sagt sie. „Die laufenden Kosten sind viel höher als die minimalen Einnahmen.“

Lisa Grau ist froh, dass das Finanzamt und auch die Banken entgegenkommend reagieren. So sind jetzt die Tilgungen ihres Kredites für drei Monate eingestellt, lediglich die Zinsen müssen gezahlt werden. „Wir wünschen uns vom Herzen, dass das Leben bald wieder ein Ponyhof ist“, sagt sie. „Alle sprechen von Solidarität, aber man darf auch die Solidarität gegenüber der Landwirtschaft nicht vergessen. Schließlich ernährt uns die Landwirtschaft, doch die Preise sinken aber weiter.“

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