Soziales

Dafür braucht das Olper Hospiz Spenden in Millionenhöhe

Rüdiger Barth

Rüdiger Barth

Foto: Verena Hallermann

Olpe.   Das Kinder- und Jugendhospiz in Olpe ist jedes Jahr auf Spenden angewiesen. Leiter Rüdiger Barth erklärt warum.

Immer wieder spenden Firmen, Organisationen oder Privatpersonen für das „Kinder- und Jugendhospiz Balthasar“ in Olpe. Auch Eltern der jungen Hospiz-Gäste unterstützen die Einrichtung mit verschiedenen Aktionen. Diese Gelder sind zwingend notwendig, damit das Haus seine Kosten decken kann. Warum das so ist, erklärt Leiter Rüdiger Barth im Interview.

Wieviel Spenden benötigt das Kinder- und Jugendhospiz im Jahr und warum ist das so?

Rüdiger Barth: Als das Kinderhospiz Balthasar 1998 eröffnete, war es das erste Kinderhospiz in Deutschland. Und ein Kinderhospiz unterscheidet sich in mehreren Punkten von einem Erwachsenenhospiz. Im Erwachsenenhospiz sind die schwerkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu Gast und versterben dann meistens im Hospiz. Im Kinder- und Jugendhospiz sind die jungen, schwerkranken Menschen öfters für einige Wochen im Jahr zu Gast und fahren zwischen den Aufenthalten wieder nach Hause. Die überwiegende Zahl der Aufenthalte dient also der Entlastung und Erholung aller Beteiligten. Und lange Zeit gab es für diese Leistungen keine klare Finanzierungsmöglichkeit seitens der Krankenkassen. Weitere Besonderheit ist der deutliche höhere Personalaufwand bei schwerkranken Kindern, auch das wird in den Tagessätzen nur unzureichend berücksichtigt. Und zusätzlich nehmen wir im Kinderhospiz immer die ganze Familie mit auf, also auch die Eltern und Geschwister wohnen in dieser Zeit mit im Haus. Und dafür gibt es überhaupt keine Finanzierungsmöglichkeit. Das alles sind die Gründe, dass wir für „Balthasar“ etwa 50 Prozent unserer Kosten durch Spenden finanzieren müssen, und das macht eine Summe von etwa 1 Million Euro jedes Jahr! Und auch in den anderen Kinderhospizen – es gibt bundesweit im Moment 16 Kinderhospize – ist das genau so, jedes Haus benötigt ca. 1 Million an Spenden pro Jahr.

Inwiefern fallen denn Kosten an für die Eltern und Geschwister?

Allein die Tatsache, dass die Familien im Hospiz wohnen, verursacht Kosten. Hinzu kommen vor allen Personalkosten für die Begleitung von Eltern und Geschwistern. Denn wir kümmern uns natürlich auch um die ganze Familie, denn alle brauchen Hilfe in dieser schwierigen Situation. Spezielle Angebote für Eltern und Geschwister, viele Gespräche, Beratungen, Trauerbegleitung usw., dazu braucht man natürlich speziell geschulte Mitarbeiter. Aber von Anfang an haben wir den Eltern keine Rechnung für Übernachtung, Verpflegung und Betreuung geschrieben. Denn wenn eine Familie diese schwere Zeit mit einem unheilbar kranken, versterbenden Kind erleben muss, dann soll es nicht am Geld liegen, ob sie zu einem Aufenthalt kommen können. Die Eltern wissen ja, dass wir auf Spenden angewiesen sind und bezahlen so viel, wie sie können. Und die Familien, die wirtschaftlich dazu in der Lage sind, beteiligen sich auf andere Weise.

Inwiefern?

Die eine Familie organisiert zu Hause eine Spendenaktion, die andere einen Kinderflohmarkt, wieder andere stellen Spendendosen in den Geschäften vor Ort auf oder feiern ihren Geburtstag und bitten statt Geschenke um Spenden fürs Kinderhospiz. Wieder andere organisieren einen Sponsorenlauf…

Ein sehr lobenswerter Einsatz für die gute Sache...

Definitiv! Die Eltern sind da schon sehr kreativ und unterstützen uns nach Kräften. Aber trotzdem sind viele Kosten noch ungedeckt. Für die Kinder wichtige Dinge wie Musiktherapie, Klinikclowns, Therapiebegleithund usw., das alles muss komplett über Spenden finanziert werden.

Gab es da in den letzten Jahren keine Verbesserung der Finanzierung durch die Krankenkassen?

Doch, aber viele Jahre nur in sehr kleinen Schritten. Wir haben – wie alle Pflegeeinrichtungen – regelmäßig mit den Kostenträgern verhandelt. Aber – aus den eben genannten Gründen – war es lange Zeit schwierig, Kinderhospizarbeit in die bestehenden Raster, auch der Finanzierung, einzufügen. Dabei war nie die Versorgung am Lebensende eines Kindes in Frage gestellt, also die Sterbebegleitung Aber die überwiegend vorkommenden Entlastungsaufenthalte, das war immer wieder Hauptthema bei den Verhandlungen. Da gab es viele Jahre keine wirkliche Finanzierungsgrundlage in Deutschland. Das hat sich zum Glück vor einiger Zeit geändert und Kinderhospizarbeit mit seinen Besonderheiten ist nun auch offiziell angekommen und es gibt eine eigene, sog. Rahmenvereinbarung für Kinderhospize.

Was sind denn die größten Posten auf der Ausgabenseite?

In fast allen sozialen Einrichtungen sind das immer die Personalkosten. Hospizarbeit heißt ja auch und vor allem, dass Mitarbeiter mehr Zeit für ihre Gäste haben. Und mehr Zeit bedeutet natürlich auch mehr Personal. Etwa 80 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten.

Wie viele Mitarbeiter und Ehrenamtliche arbeiten denn bei Ihnen?

Etwa 70 Personen sind im Kinder- und Jugendhospiz beschäftigt, etwa die Hälfte davon ist teilzeitbeschäftigt. Die Mitarbeiter sind überwiegend in der Pflege und Begleitung der Kinder und ihrer Familien tätig, aber natürlich brauchen wir auch Kolleg*innen in der Küche, der Haustechnik und der Verwaltung.

Zusätzlich sind wir froh über etwa 20 Ehrenamtliche, wie in allen Hospizen auch für uns eine wichtige Hilfe. In einer ca. 80-100 Std. dauernden Ausbildung werden diese Menschen auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit vorbereitet und unterstützen uns dann bei unserer Arbeit.

Haben Sie auch prominente Unterstützer?

Ja, von Anfang an waren auch prominente Besucher im Haus und haben uns unterstützt. Dabei geht es gar nicht immer um die finanzielle Hilfe. Viele Prominente zählen wir zu unseren „prominenten Paten“ und sie nutzen halt ihre Möglichkeiten, auf Balthasar und unsere Arbeit hinzuweisen. Das bringt dann nicht immer sofort einen Gegenwert, aber es bringt auch ganz viel, bekannter zu werden. Viele Spender, aber auch Familien mit ihrem kranken Kind, sind so auf uns aufmerksam geworden.

Welche Prominenten sind das?

Am Anfang war es zum Beispiel Reinhard Mey, im Moment sind wir froh, Christoph Maria Herbst, Ralf Schmitz, Birgit Schrowange, Rolf Zuckowski und andere an unserer Seite zu haben.

Gab es auch noch andere Prominente, die die Kinder und die Familien besucht haben?

Ja! Allerdings ist es nicht so, dass wir jede Woche prominenten Besuch haben. Vor Jahren war Lukas Podolski bei uns. Plötzlich waren alle schlagartig FC-Fans und wollten einen signierten Schal haben (lacht). Ein kleiner Junge mit Tumorerkrankung im Endstadium hatte sich gewünscht, dass der Graf von „Unheilig“ ihn besucht und seinen Hit „Wir waren geboren, um zu leben“ singt,…ein ganz besonderer Moment.

Was war die größte Spende, die das Kinderhospiz erhalten hat?

Ralf Schmitz hat mal bei „Wer wird Millionär“ 125.000 Euro gewonnen, das war schon eine große Summe. Ansonsten sind wir immer wieder überrascht, auf welche kreativen Ideen die Spender kommen, um Geld für uns zu sammeln. Und für uns sind auch die kleinen Beträge wichtig, denn auch die vielen tausend kleinen Spenden ergeben die große Hilfe, die die Arbeit in Balthasar möglich macht. Toll zu sehen, wie vielen Menschen die Arbeit am Herzen liegt.

Sind in nächster Zeit Großprojekte geplant?

Wir haben ja in den letzten Jahren die Außenanlagen neu gestaltet, vor allem behinderten- und kindgerecht. Und es ist schön, zu sehen, wie die kranken Kinder und Jugendlichen, aber auch die Familien davon profitieren und den Aufenthalt im Garten genießen. Auch um das zu verwirklichen, haben wir viele zusätzliche Stiftungen und Unterstützer finden können. Im Moment sind wir dabei, ein spezielles Musikzimmer, vor allem für die regelmäßige Musiktherapie, zu gestalten. Und in den nächsten Jahren werden wir - nach über 20 Jahren - sicher die Kinderzimmer neu gestalten, halt wie zu Hause auch.

Haben Sie sonst noch Wünsche?

Was mich beunruhigt, ist der aktuelle Pflegepersonalmangel. Ich bin froh, das bei uns noch alle Stellen besetzt und alle Betten im Haus „geöffnet“ sind. In vielen anderen Kinderhospizen wurden inzwischen Betten, bzw. Zimmer geschlossen, weil Pflegefachkräfte fehlen. Das ist mein Wunsch, dass wir weiterhin ausreichend qualifizierte und motivierte Mitarbeiter*innen haben.

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