Spielautomaten

Das Geschäft mit dem Glück boomt im Kreis Olpe

Automaten sind die größte Versuchung für Spielsüchtig weltweit

Foto: Angelika Warmuth

Automaten sind die größte Versuchung für Spielsüchtig weltweit

Kreis Olpe.   Fast 1,2 Millionen Euro nehmen die Olpe Städte und Gemeinden pro Jahr an Vergnügungssteuer ein, obwohl das Gesetz schon 2012 verschärft wurde.

Die meisten Bürger im Kreis haben noch nie eine Spielhalle betreten oder einen Geldspielautomaten gefüttert. Aber es gibt auch die anderen. Das Glücksspiel boomt, auch im Kreis Olpe. 1 158 423 Euro an Vergnügungssteuer kassierten die sieben Städte und Gemeinden im letzten Jahr. In diesem Jahr werden es wahrscheinlich noch mehr sein, doch dann müssen die Ordnungsämter bei vielen Geldspielautomaten den Stecker ziehen.

Der Glücksspiel-Krösus unter den sieben Kommunen ist Lennestadt. Satte 291 995 Euro an Vergnügungssteuer verbuchte die Stadtkasse im letzten Jahr, bei einem Steuersatz von 15 Prozent. Das bedeutet, dass die 90 angemeldeten Geldspielautomaten im Stadtgebiet ihren Betreibern einen Reingewinn von rund 1,95 Millionen Euro in die Kasse spülten. Die Gewinne für die Spieler, die die Automaten ausspucken, sind davon schon abgezogen. Dicht dahinter folgt die Kreisstadt Olpe mit 1,94 Millionen aus 89 Automaten. 291 493 Euro an Vergnügungssteuer landeten hier im Stadtsäckel.

Kirchhundem ist glückspielfrei

Schlusslicht im Kreis ist die Gemeinde Kirchhundem, offiziell ist die Waldgemeinde sogar glückspielfrei. Es gibt dort keine einzige Spielhalle und an den 16 angemeldeten Automaten kann der Spieler kein Geld gewinnen, sondern sich lediglich „vergnügen“, zum Beispiel am guten, alten Flipperautomaten. Bei 25 Euro pro Automat und Monat ist die Steuereinnahme von 2800 Euro in 2017 kaum der Rede wert.

Dies wird sich auch in Zukunft nicht groß ändern, im Gegensatz zu den anderen sechs Kommunen, in denen es Spielhallen gibt. Hintergrund ist der Glücksspielstaatsvertrag, der formal bereits seit 2012 in Kraft ist und das Glücksspielangebot eindämmen und die Spielsuchtgefahr verringern soll, so das NRW-Innenministerium.

Immerhin warfen die „Glücksritter“ im Kreis Olpe im letzten Jahr hochgerechnet rund acht Millionen Euro in die 355 angemeldeten Glückspielautomaten im Kreis Olpe.

Der bundesweite Staatsvertrag und das NRW-Gesetz zur Ausführung des Glücksspielstaatsvertrags sehen relativ strenge Auflagen vor: So müssen Spielhallen unter anderem einen Mindestabstand von 350 Metern Luftlinie zu Schulen oder Jugendtreffs einhalten — weiterhin darf eine Spielhalle nicht mehr als zwölf Spielautomaten haben, bisher waren 22 oder 24 erlaubt.

Keine Mehrfachkonzessionen

Außerdem sind Mehrfach-Konzessionen für Spieletempel, die mehrere Spielhallen unter einem Dach beherbergen, nicht mehr zulässig. Und davon gibt es im Kreis Olpe einige, in Lennestadt allein drei mit einer Doppelkonzessionen. Der größte Spieletempel in Gerlingen besitzt gleich fünf Konzessionen und betreibt in fünf verschiedenen Räumen unter einem Dach 60 Geldspielautomaten.

Die offizielle Übergangsfrist, um den Glücksspielstaatsvertrag endlich umzusetzen, lief eigentlich schon am 1. Dezember letzten Jahres aus. Dennoch tun sich alle Kommunen bisher schwer damit, denn „die Anwendungshinweise aus dem Ministerium sind recht schwammig und ungenau“, so Lennestadt Beigeordneter Karsten Schürheck.

Die Kommunen befürchten, dass Spielhallenbetreiber gegen den Verlust der sicheren Einnahmequellen alle Rechtsmittel ausschöpfen. Und weil die rechtliche Umsetzung und damit auch alle Folgen in der Verantwortung der Kommunen liegen, will sich hier keiner die Finger verbrennen. In Wenden, so Kämmerer Thomas Mundscheck, sei man noch „in der Findungsphase“. Immerhin hat der Gemeinderat hier kürzlich den Vergnügungssteuersatz um mehr als 40 Prozent ab 2019 erhöht.

In Lennestadt will man sich mit den anderen Kommunen im Kreis Olpe abstimmen, wie man den Automatenabbau gestaltet. Karsten Schürheck schwebt eine zeitlich gestaffelte „Abschmelzungsregelung“ vor, am liebsten natürlich im Einklang mit den Spielhallen- und Automatenbetreibern. „Ich hoffe, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden“, so der Beigeordnete.

Maßnahmen umstritten

Ob weniger Geldspielgeräte das Glücksspiel wirklich eindämmen können, ist zudem umstritten. Es gibt auch Stimmen, die befürchten, dass lediglich das Gedränge vor den verbliebenen Automaten größer wird, aber genauso viele Euromünzen wie bisher in die blinkenden und piependen Geldfresser kullern.

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