Plattduitsk

Der Kampf um das Sauerländer Platt - Mundartarchiv in Olpe

Das sind ein paar der Vokabeln, die es in den „Unterichtsmaterialien für Schulen“ zu lesen gibt. Beispielsweise der „Affekoot“ leitet sich vom französisch-stämmigen „Advocat“ ab.

Das sind ein paar der Vokabeln, die es in den „Unterichtsmaterialien für Schulen“ zu lesen gibt. Beispielsweise der „Affekoot“ leitet sich vom französisch-stämmigen „Advocat“ ab.

Foto: Herbert Spies

Olpe.   Klaus Droste arbeitet ehrenamtlich im Mundartarchiv Olpe. Seine Mission: Die Mundart für die Nachwelt sichern. Mit Heften, CDs und Vokabelhilfen.

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"Kuiert I näo Plattduitsk? Und wissen Sie, dass ein Gluaeesken ein Glühwürmchen ist oder ein Affekoot sich aus dem französisch-stämmigen Advocat ableitet? Feiern Sie Herkelmoi (das Erntefest)?" - So fragt Klaus Droste nach Wörtern aus seinem Heimatdorf Welschen Ennest.

Klaus Droste engagiert sich für Muttersprache

Eigentlich ist Droste längst in Rente, erhielt 2014 den Kulturpreis des Kreises Olpe – Landrat Frank Beckehoff betitelte die Auszeichnung als „Oscar für sein Lebenswerk“. Und trotzdem kann er die Füße nicht stillhalten und verbringt regelmäßig Zeit in seinem Büro im Kreishaus der Stadt Olpe. „Es gibt ein kulturelles Erbe, das es zu erhalten gilt und ich sehe momentan keinen Nachfolger dafür“, begründet Droste seine ehrenamtliche Tätigkeit.

Es geht ihm um das Sauerländer Platt, seine Muttersprache, wie er erklärt. „Meine Mutter und Großmutter sprachen zu Hause nur Platt“, sagt er. Und auch beim regelmäßigen Frühschoppen am Sonntagmorgen nach dem Hochamt hörte Droste den anderen Männern dabei zu, wie sie sich auf Platt über die Predigt, die Landwirtschaft und das Wetter unterhielten.

Sein Interesse für Sprache zeigte sich in seiner Studienwahl: Nach dem Abitur am Rivius-Gymnasium Attendorn studierte er Geschichte, Anglistik, Pädagogik und Sprachphilosophie in Bonn und Edinburgh (Schottland).

Insbesondere das Studium der Phonetik kommt ihm bei seiner Arbeit im Mundartarchiv zugute. Er lektoriert die Texte der Heftreihe „Op Platt“, die in Zusammenarbeit mit Werner Beckmann entstehen. Beckmann führt Interviews mit aktiven Mundartsprechern und zeichnet sie auf. „Im Jahr 1998 startete das Projekt Mundarten im Sauerland, damals noch mit dem Kassettenrekorder“, so Droste.

Über 200 plattdeutsche Interviews geführt

Im Projekt entstanden weit über 200 plattdeutsche Interviews, die auf Tonträgern archiviert sind und von denen inzwischen 27 in den Heften „Op Platt“ veröffentlicht sind. „Wir stellen eigentlich immer die gleichen Fragen nach Plattdeutsch in der Familie, der Schulzeit und der Ausbildung“, sagt Droste. Die Fragen und Antworten werden verschriftlicht und mit Vokabel-Hilfen abgedruckt – wie im Fremdsprachenunterricht in der Schule.

„Plattdeutsch kann man lernen, aber die Möglichkeit, von der hochdeutschen in die niederdeutsche Sprache einzutauchen, ist nicht mehr gegeben“, sagt der 76-Jährige. Die plattdeutschen Muttersprachler seien leider eine verschwindend geringe Minderheit im Sauerland geworden. „Mundartsprecher sterben nicht aus, sie sterben schlichtweg“, so Droste. Dazu komme die Globalisierung, wenn auch in kleinen Schritten. „Viele Sauerländer fuhren ins Siegerland zum Arbeiten. Die hätten sich eine Blöße geben, wenn sie Plattdeutsch gesprochen hätten.“

Plattdeutsch hat seinen Platz in der Gesellschaft scheinbar verloren und trotzdem kämpft Klaus Droste weiter leidenschaftlich für den Erhalt der Sprache. „Der letzte plattdeutsche Lesewettbewerb fand vor ungefähr zehn Jahren statt und gewonnen hat damals ein Junge mit türkischen Wurzeln. Das stützt meine These, dass Platt sehr wohl erlernbar ist“, sagt der Sprachexperte.

Das sagen die Schulen

"Es wird nicht als Sprache unterrichtet, weil es bei uns nicht Teil des schulinternen Lehrplans ist und weil wir auch keine entsprechend ausgebildeten Kollegen haben, die es unterrichten könnten. Im Zusammenhang mit dem in der Oberstufe für Abiturjahrgänge der letzten Jahre vorgeschriebenen Thema Mehrsprachigkeit erfolgte allerdings immer eine, jedoch nur theoretische und kurze Auseinandersetzung auch mit Dialekten. Diese Ausein­andersetzung wird mit Sicherheit jetzt noch etwas intensiviert werden, weil der Themenschwerpunkt „Dialekte und Soziolekte“ für die Grundkurse im Abitur 2020 verpflichtend ist." Gerlis Görg, Schulleiterin der St.-Franziskus-Schule Olpe

"Bei uns findet das nicht statt, außer als Thema in der Oberstufe. Das liegt daran, dass die Schüler das nicht können, weil es ja auch in den Familien nicht mehr gesprochen wird. Wir haben da keine Grundlage, auf der wir aufbauen können. Ich behandele das selbst höchstens mal als Unterrichtsstoff in der Oberstufe." Ansgar Kaufmann, Deutschlehrer am Gymnasium Maria Königin Altenhundem

"Leider gibt es an unserer Schule keinen Bezug mehr zum Thema Plattdeutsch. Ich habe auch bei den älteren Kollegen hierüber keine Informationen erhalten können. Unterricht oder Wettbewerbe gibt es demnach seit über 30 Jahren nicht mehr." Holger Köster, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Olpe

"Das gibt es hier seit Jahrzehnten nicht mehr, weil es keiner mehr beherrscht. Der letzte Lesewettbewerb ist sicher 30 Jahre her. Heute können einige Kollegen Platt verstehen, aber aktiv sprechen kann das niemand mehr." Willi Sondermann, Leiter der Hauptschule Kirchhundem

"Bei uns an der Schule ist Plattdeutsch kein Unterrichtsgegenstand. Das hängt mit den Vorgaben des Kernlehrplanes zusammen. Durch die Vorgaben dort und viele weitere unterrichtlichen Aspekte fehlt inzwischen leider die Zeit, auch auf solche sicherlich interessanten Punkte der deutschen Sprache einzugehen." Tanja Schmelzer und Claudia Heitkamp-Kappest, Fachschaft Deutsch, St.-Ursula-Realschule Attendorn

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