Shalom

Die erste Abiturientin Attendorns

Aufführung des Rivius-Literaturkurses im Rahmen von Shalom Attendorn 2018

Aufführung des Rivius-Literaturkurses im Rahmen von Shalom Attendorn 2018

Foto: Privat

Attendorn.   Literaturkurs des Rivius-Gymnasiums erzählt die Geschichte von Nana Kahn, die zum Judentum übertrat und vor den Nationalsozialisten floh

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Ein ganz besonderes Theaterprojekt am Rivius Gymnasium steht unmittelbar vor seiner Premiere: Der Literaturkurs unter Leitung von Susanne Hullerum stellt am 13. und 14. November das selbstgeschriebene Stück „NANA“ vor, das sich mit dem Leben von Anna Kahn auseinandersetzt. Anna, die alle nur „Nana“ nannten, war das erste Mädchen, das in Attendorn das Abitur ablegte. Eine in vielerlei Hinsicht besondere Geschichte.

Anna Kahn wurde 1910 in Mailand geboren, ihr Vater Otto arbeitete als Auslandskorrespondent der Frankfurter Zeitung in Rom. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter und auch ihrer Stiefmutter gab ihr Vater die 12jährige, evangelisch getaufte Nana in die Obhut seiner in Attendorn lebenden Schwester Martha Ursell und ihrer jüdischen Familie.

Da das begabte Mädchen unbedingt das Abitur ablegen wollte, kam das Lyzeum der Ursulinen für sie als Schule nicht in Frage. Gegen manche Hindernisse wurde sie die erste Schülerin des Gymnasiums zu Attendorn, des heutigen Rivius Gymnasiums, wo sie 1929 erfolgreich die Abiturprüfung ablegte. Später trat sie zum Judentum über und heiratete den Attendorner Kurt Stern, den sie schon während der Schulzeit kennengelernt hatte. Gemeinsam mit ihm und ihrer Tochter floh sie vor den Nationalsozialisten in die USA, wo sie im Jahr 2005 verstarb.

Geschichtslehrer Stefan Meier: „Auf Nana sind wir durch Hartmut Hosenfeld gestoßen, der vor einigen Jahren eine Schülerin zu einer Facharbeit über dieses Thema motiviert hat. Seitdem hat uns diese außergewöhnliche Geschichte nicht mehr losgelassen. Wir wollten sie unbedingt einer größeren Öffentlichkeit bekanntmachen. Es fehlte nur die passende Idee.“ Vor einigen Monaten dann stellten Hartmut Hosenfeld und Tom Kleine das Projekt „Shalom Attendorn 2018“ an den Attendorner Schulen vor. „Und dann war plötzlich klar: Das ist die Gelegenheit, sich mit diesem Stück Schulgeschichte näher zu beschäftigen.“

Aufgegriffen wurde die Idee vom Literaturkurs der letztjährigen Q1 und seiner Lehrerin Susanne Hullerum: „Die Schüler waren sofort Feuer und Flamme. Nanas Geschichte und die Zeit, in der sie sich abspielte, haben uns einfach fasziniert.“ Man entschied sich dafür, wichtige Stationen in Nanas Leben in einem selbstgeschriebenen, szenischen Theaterstück umzusetzen. Dabei ging es nicht immer nur um eine historisch korrekte Wiedergabe der damaligen Zeit. Hullerum: „Die Liebesgeschichte von Nana und Kurt etwa haben die Schüler durch Bilder im heutigen Attendorn angesiedelt. Trotzdem versuchen wir auch, etwas von der Stimmung der „Goldenen 20er“ einzufangen.“

Die Kunst der 20er Jahre

Hierfür waren neben dem Literaturkurs viele weitere Personen im Einsatz, die jetzt der Premiere entgegenfiebern. Die Kunst der 20er Jahre z.B. wurde im Kunstunterricht von Gregor Gülker aufgegriffen, eine Tanzgruppe beschäftigte sich mit dem damaligen Tanzstil und ein Gesangsquartett wagt sich u.a. an die Comedian Harmonists heran.

So wird sich der Geschichte von Nana und den jüdischen Familien Ursell und Stern von vielen Seiten genähert. „Dieses Stück entwickelt die Dynamik und Nachhaltigkeit, die wir uns mit der Idee von „Shalom Attendorn 2018“ erhofft haben. Ich war vom ersten Tag an in dieses Projekt verliebt. Ein Riesen-Kompliment an alle Beteiligten“, so Initiator Tom Kleine.

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