Haushalt 2023

Die fetten Jahre sind vorbei: Kehren Pleitegeier zurück?

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Kehren die Pleitegeier zurück zum Drolshagener Rathaus. Viele Jahre lief es gut, bis 2026 muss der Kämmerer aber von roten Zahlen in Millionenhöhe ausgehen.

Kehren die Pleitegeier zurück zum Drolshagener Rathaus. Viele Jahre lief es gut, bis 2026 muss der Kämmerer aber von roten Zahlen in Millionenhöhe ausgehen.

Foto: Grafik: Manuela NOssutta / Foto: Josef Schmidt

Drolshagen.  Die Finanzprognosen für die Jahre bis 2026 in Drolshagen sehen düster aus. Bürgermeister Berghof ist dennoch sicher: „Drolshagen kann Zukunft“.

Die nackten Zahlen sind erschreckend: Die Stadt Drolshagen muss sich nach mehreren fetten Jahren eine finanziellen Diät unterziehen, die so manches Projekt unbezahlbar macht. Erste Auswirkungen sind bereits greifbar: Für eine Sanierung oder gar einen Neubau des Hallenbades steht kein Euro im Haushaltsplan 2023, und auch eher bescheidene 45.000 Euro für einen Generationen-Parcours im Stadtpark sind für Bürgermeister Uli Berghof und Kämmerer Rainer Lange nicht verantwortbar.

Wendepunkt bei 16 Millionen

Bevor Berghof und Lange den Ratsvertretern reinen Wein einschenkten, hatte unsere Redaktion Gelegenheit, sich das Zahlenwerk vorstellen zu lassen. Wurde der Schuldenberg der Stadt seit 2007 von rund 24,5 Millionen Euro bis Ende 2022 auf rund 16 Millionen abgetragen, würde er laut Haushaltsplan 2023 in einem einzigen Jahr wieder um rund 7,4 Millionen Nettoneuverschuldung anwachsen. 8,5 Millionen Euro für 2023 minus der Tilgung von 1,1 Millionen Euro.

Noch desaströser präsentiert sich die Entwicklung der Jahresergebnisse. Also die Rechnung, die am Ende eines Haushaltsjahres zeigt, ob der Konzern Drolshagen rote oder schwarze Zahlen geschrieben hat. Schrieb die Kämmerei von 2016 bis 2022 stets schwarze Zahlen, meist sogar in Millionenhöhe, kalkuliert Kämmerer Rainer Lange bis 2026 mit für Drolshagen gigantischen Minuszahlen:

2023: Minus 2,4 Millionen Euro, 2024: Minus 2,5 Millionen Euro, 2025: Minus 1,4 Millionen Euro und 2026: Minus 840.000 Euro. Addiert man diesen Berg an „Miesen“, türmt er sich auf rund 7,3 Millionen Euro in die Höhe. Und das in nur vier Jahren. Kämen noch die finanziellen Belastungen hinzu, die die Stadt laut Landesvorgabe in einer gesonderten „Bad Corona-Bank“ ablegen (isolieren) kann, würde der Berg um noch einmal fast fünf Millionen Euro anwachsen.

Zahlen, die jedem Kämmerer die Blässe ins Gesicht treiben dürften. Denn angesichts eines solchen Abschwunges könnte in zwei bis drei Jahren das ungeliebte Haushaltssicherungskonzept wie ein Pleitegeier über dem Drolshagener Rathaus kreisen. Damit hat die Stadt allerdings Erfahrung. Schon von 2012 bis 2015 musste sich die Stadt ihr Finanzgebaren über das Haushaltssicherungskonzept absegnen bzw. von den vorgesetzten Behörden diktieren lassen.

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Bei solch miserablen Finanzprognosen für die kommenden Jahre soll aber das Gute nicht verschwiegen werden: Drolshagen hat noch einen gut gefüllten Sparstrumpf (Allgemeine Rücklage) in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro (Stand 31. 12. 2021), bedingt durch die sehr guten Vorjahresergebnisse. Selbst im Krisenjahr 2022 stieg die Gewerbesteuereinnahme im Vergleich zur Prognose um rund 1,75 Millionen Euro auf rund 9 Millionen Euro.

Gegen die Schockstarre

In seiner traditionellen Haushaltsrede wollte Uli Berghof trotz der Besorgnis erregenden Prognosen den Teufel nicht an die Wand malen: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass wir unsere Basis, um investieren zu können, in den zurückliegenden Jahren erheblich verbessert haben.“ Zahlreiche wichtige Maßnahmen würden geplant und umgesetzt. Wesentliche Projekte seien u. a. Baumaßnahmen an allen Schulen, nicht zuletzt durch das verpflichtende Ganztagsangebot ab 2026, die Erneuerung von Kunstrasenplätzen (Hützemert/Kleinspielfeld Drolshagen), die Erschließung von Baugrundstücken, das Projekt Bahndamm in Drolshagen, das Zukunftsquartier Drolshagen, die weitere Erschließung des Gewerbeparks Hüppcherhammer und Investitionen für die Feuerwehr in Millionenhöhe, um nur einige zu nennen.

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Mit Blick auf die erheblichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine zog Berghof dennoch das positive Fazit: „Wir sind zur Anpassung fähig.“ Nie würden alle Befürchtungen Wirklichkeit: „Vorbereitung ist gut, etwas mehr Gelassenheit aber auch.“ Der jetzt vorliegende Haushaltsplan 2023 weise nicht in Richtung „Schockstarre“. Berghof zeigte sich überzeugt: „Drolshagen kann Zukunft.“

Entscheidung am 2. Februar

Die Fraktionen haben jetzt bis ins nächste Jahr Zeit, sich das Zahlenwerk genau anzusehen und gegebenenfalls Änderungen vorzuschlagen, über die der Rat dann abstimmen kann. Die endgültige Abstimmung über den Haushaltsplan ist für die Ratssitzung am 2. Februar terminiert.

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