Osterbrauchtum

„Die Leute haben Verständnis“

Poskebrüder hinter Zäunen. Wie hier bei der Ennester Pote wurden die Absperrungen rund um die ausgesuchten Fichtenstämme für die Osterkreuze überwacht und eingehalten.

Foto: Martin Droste

Poskebrüder hinter Zäunen. Wie hier bei der Ennester Pote wurden die Absperrungen rund um die ausgesuchten Fichtenstämme für die Osterkreuze überwacht und eingehalten. Foto: Martin Droste

Attendorn.   Nach dem Beinah-Unfall im letzten Jahr konnte mit den neuen Sicherheitsvorkehrungen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt werden.

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Dieter Hundt ist Geschäftsführer des Attendorner Osterfeuervereins und damit für alle vier Po(or)ten zuständig. Karsamstag musste der Sohn des legendären Poskevatters Paul „Lehmann“ Hundt eine gute Kondition mitbringen. Denn die Karfreitag unter Aufsicht eines Försters im Stadtwald ausgesuchten Fichten für die vier Osterkreuze lagen zum Teil weit auseinander. Viele der Zuschauer, die nach dem Semmelsegnen zum traditionellen Schlagen der Fichtenstämme in den Wald oberhalb der „weißen Bänke“ gekommen waren, mussten erst einmal ihre Po(or)te suchen. Zum neuen Bild des Attendorner Osterbrauchtums gehörten auch großflächige Absperrungen, Ordnungsdienste und vorher benannte Verantwortliche für das Sägen und Fällen der riesigen Fichten.

Am Palmsonntag Vater geworden

„Nach dem Beinahe-Unfall im letzten Jahr wollen wir für einen möglichst sicheren Ablauf sorgen, ohne die Tradition zu gefährden“, begründete Bürgermeister und Poskebruder Christian Pospischil das neue Sicherheitskonzept, das vertraglich zwischen Osterfeuerverein und Stadt Attendorn festgehalten worden ist. Damit stehen der Vorstand des Gesamtvereins und die Poskeväter in der Verantwortung, wenn etwas passieren sollte.

„Die Atmosphäre ist schon etwas anders. Aber die Leute haben Verständnis für diese Maßnahmen“, informierte Dieter Hundt Bürgermeister Pospischil, den er bei der Ennester Pote traf. Die Männer von Poskevatter Alexander Tarnow hatten Pech, als sich ihr Fichtenstamm nach dem Fällen in den benachbarten Bäumen verfing. Aber nach einigen Minuten fiel die Fichte dann doch in die gewünschte Richtung und blieb ganz.

„Alles ist vorschriftsmäßig und sehr diszipliniert verlaufen“, fasste Geschäftsführer Hundt seine Überprüfung der Sicherheitsvorschriften zusammen und lobte den Bürgermeister. „Aber nicht, weil er jetzt neben mir steht“. Denn Christian Pospischil hatte sich für das Osterbrauchtum eingesetzt, als das traditionelle Schlagen der Fichten Karsamstag im Stadtwald auf der Kippe stand. Attendorns erster Bürger ist am Palmsonntag im Übrigen Vater eines Jungen mit dem Namen Martin Felix geworden. „Unseren Sohn haben wir aber nicht wegen Martin Schulz so genannt“, schmunzelte Pospischil bei einem der vielen Glückwünsche.

Manfred „Brackel“ Höffer ist seit 70 Jahren dabei. „Es gibt schon lange ein Abkommen, dass der Umfang der Stämme in Augenhöhe nicht mehr als 1.30 Meter betragen darf“, berichtete der altgediente Poskebruder der Ennester Pote. Daran gehalten hat sich aber nicht jede Po(or)te. „Wer jetzt über den 1.30 Metern liegt, kommt nicht mehr in die Wertung“, stellte Herbert Lenninger klar, der seit fast 30 Jahren für das Messen der Kreuze zuständig ist und alle Werte in seinem kleinen Büchlein festhält.

Wie die Konkurrenz hatte die Ennester Pote einen 1,20 Meter hohen Sicherheitszaun angeschafft: sechs Rollen von jeweils 50 Meter. Am Samstagmorgen stellten Alt-Poskevatter Uwe Beul und fünf andere Poskebrüder die Absperrungen in einem Umkreis von 40 Meter um den ausgesuchten Fichtenstamm auf. Beim Sägen hatte Christian Zenker das Kommando. Vier Teams wechselten sich bei der Schweiß treibenden Arbeit ab.

Nebenan war bei der Niedersten Poorte - im Gegensatz zum letzten Jahr – alles glatt gegangen. „Es hat hervorragend geklappt. Wir hatten noch nie so viel Ruhe beim Schlagen“, so Poskevatter Sebastian Fecker. „Alles ist prima gelaufen“, freute sich auch sein Kollege „Hansel“ Gerbe von der Kölner Poorte, mit 70 Jahren der Senior unter den vier Chefs der nach den ehemaligen Stadttoren benannten Abteilungen des Osterfeuervereins.

Flüssige Stärkung

Nach getaner Arbeit zogen alle Poskebrüder zu ihren Verpflegungsstationen oberhalb des Bolzplatzes am Rappelsberg. Dort gönnte sich auch Pastor Andreas Neuser, von Amt wegen 1. Vorsitzender des Osterfeuervereins, eine flüssige Stärkung. „Wir hatten keine Probleme“, zog der katholische Geistliche ebenfalls eine positive Bilanz der neuen Sicherheitsbestimmungen.

Das Sicherheitskonzept konnte aber nicht verhindern, dass einem bekannten Poskebruder der Ennester Pote beim traditionellen „Kar(l)freitagstreffen“ eine Kiste Bier geklaut worden ist.

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