Hilfsbereitschaft

Die „Ozzys“ aus Wenden fahren wieder Spenden in die Ukraine

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Die Mannschaft rund um das „Ozzy-Team“ von Christoph Weingarten (links) packt schon wieder allerlei Hilfsgüter für Bedürftige in der Ukraine zusammen. Von links: Christoph und Alexandra Weingarten, Diakon Werner Schrage sowie Antje und Benedikt Hüpper. Am 9. Januar will sich Weingarten mit einem Lkw wieder auf den Weg in die Ukraine machen.

Die Mannschaft rund um das „Ozzy-Team“ von Christoph Weingarten (links) packt schon wieder allerlei Hilfsgüter für Bedürftige in der Ukraine zusammen. Von links: Christoph und Alexandra Weingarten, Diakon Werner Schrage sowie Antje und Benedikt Hüpper. Am 9. Januar will sich Weingarten mit einem Lkw wieder auf den Weg in die Ukraine machen.

Foto: Josef Schmidt

Wenden.  Christoph „Ozzy“ Weingarten und seine Freunde helfen seit März der Ukraine durch Transporte. Jetzt haben sie wieder einen Hilfstransport geplant.

Rocklegende Ozzy Osborne würde vermutlich selbst noch in die Privatschatulle greifen, wenn er wüsste, dass in seinem Namen so viel Gutes getan wird: Denn in der Gemeinde Wenden haben sich die „Ozzys“, ein dreiköpfiges Team um den Polizeibeamten und Diensthundeführer Christoph Weingarten aus Gerlingen zusammengeschlossen, um Hilfstransporte in die Ukraine zu organisieren. Und das schon seit einem dreiviertel Jahr. Mit großem Erfolg.

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Weingarten (51) erklärt zunächst, wie die Gruppe zu dem merkwürdigen Namen gekommen ist: „Ich hatte früher richtig lange Haare, war Fan von Ozzy Osborne und Heavy Metal, deshalb der Spitzname“, erklärt der Gerlinger. Zum Glück ist Weingarten, anders als sein Idol, drahtig geblieben. So drahtig, dass er mit dem Lkw schon mehrfach die über 1800 Kilometer in die Ukraine auf sich genommen hat. Jeweils randvoll mit Hilfspaketen aller Art. Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra blickt Weingarten während unseres Gespräches zurück auf die Entstehungsgeschichte der Ozzy-Hilfsaktion: „Wir saßen Anfang März gemeinsam vor dem Fernseher und sahen, wie in der U-Bahn-Station von Kiew ein Kind auf die Welt kam. Wir haben selbst vier Töchter im Alter von vier bis 15 Jahren. Da entstand die Idee, zu spenden und eine Spendenaktion auf die Beine zu stellen.“

Kurz darauf habe der Entschluss festgestanden, die Transporte selbst zu übernehmen: „Ich habe einen befreundeten Spediteur um Hilfe gefragt, und der hat mit Blick auf seinen Fuhrpark spontan geantwortet: ,Such’ Dir einen aus.’“

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Über seinen Whatsapp-Kanal habe er sämtliche Kontakte über seine Pläne informiert: „Das sind immerhin fast 1500.“ Zunächst habe er geplant, die eingehenden Sachspenden in der Garage zu lagern. Schnell habe sich aber herausgestellt, dass die Garage viel zu klein sei: „Wir mussten schon früh auf die Bremse treten, die Leute haben uns mit Sachspenden überhäuft.“

Mittlerweile ist Christoph Weingarten fünfmal in der Ukraine bzw. an der polnisch-ukrainischen Grenze gewesen: „Die weiteste Fahrt ging bis nach Kiew, fast 1900 Kilometer von uns entfernt.“ Nachdem zunächst sämtliche Gegenstände des täglichen Lebens gespendet worden seien, habe er bei seinen Aufenthalten in der Ukraine festgestellt, dass auch die Soldaten alles andere als vollständig ausgerüstet seien: „Sie können Taschenlampen gebrauchen, ballistische Westen, Helme, Funkgeräte, Stiefel, Schlafsäcke und ISO-Matten.“

Auch der nächste Transport, der am Montag, 9. Januar, starte, enthalte solche Gegenstände, aber auch medizinisches Material. Für diesen Transport, versichern die Weingartens, seien die Lager voll.

Während wir uns unterhalten, tragen die Weingartens und ihre Freunde, der Wendener Diakon Werner Schrage, und Antje und Benedikt Hüpper, zahlreiche Plastiksäcke und Kartons in eine Handvoll Autos, die die Sachen nach Gerlingen bringen, von wo sie ihre Reise nach Osteuropa antreten.

Nachdem Diakon Werner Schrage und Antje Hüpper, die ganz nebenbei noch Küsterin der Wallfahrtskapelle auf der Dörnschlade ist, gehört hatten, dass die „Ozzys“ sich auch über Geldspenden freuen würden, hatten sie beschlossen, Kollekten dafür einzusetzen. Schrage: „Ich bin schon viele Jahre mit den Familien Weingarten und Hüpper befreundet. Und deshalb freuen wir uns, einen Scheck in Höhe von 3.100 Euro überreichen zu können.“ Dabei handele es sich um Kollekten aus Gottesdiensten auf der Dörnschlade und in Altenhof.

Christoph Weingarten ist es zum Schluss unseres Treffens wichtig, eines klarzustellen: „Ich mache das nicht aus irgendeiner politischen Motivation heraus. Ich liebe nicht alle Ukrainer und hasse nicht alle Russen. Ich sehe nur, dass Menschen in Not sind und wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieser Wahnsinn endlich aufhört.“

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