Sondersitzung

Oberveischede: Dorfgemeinschaft stellt sich neu auf

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Beim Besuch der Delegation des Landeswettbewerbs fehlte der kürzlich zurückgetretene Ortsvorsteher Lothar Epe: "Ich sehe keinen Sinn mehr in dieser Art Wettbewerb."

Beim Besuch der Delegation des Landeswettbewerbs fehlte der kürzlich zurückgetretene Ortsvorsteher Lothar Epe: "Ich sehe keinen Sinn mehr in dieser Art Wettbewerb."

Foto: Jörg Winkel

Oberveischede.  Im Dorfgemeinschaftsverein des Silberdorfs Oberveischede herrscht Krisenstimmung. Ein letzter Anlauf für eine Neuaufstellung wurde gestartet.

Oberveischede war vor 20 Jahren eines der ersten Dörfer im Kreis Olpe, das einen eigenen Verein für die Dorfgemeinschaft gründete. Ein Verein, dessen Zweck es war, eine Art Dachverband für alle 13 Vereine im Ort zu sein. Doch während dieses Modell in anderen Orten mit Erfolg nachgezogen wurde, droht es in Oberveischede nun zu scheitern. In einer Mitteilung des Vereins „Dorfgemeinschaft Oberveischede“ heißt es, der Verein werde „nach 20-jähriger erfolgreicher Tätigkeit für die Bewohner des Ortes neu aufgestellt“. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung sei notwendig geworden, da der Verein kurz vor der Auflösung gestanden habe: Für eine notwendige Vorstands-Neuwahl hätten sich bei mehreren Versuchen keine Kandidaten bereiterklärt, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Anfang des Monats fand die Versammlung statt, bei der der „bisherige übergangsweise amtierende Vorstand mit dem Geschäftsführer Lothar Epe, dem Kassenwart Matthias Springmann sowie den Beisitzern Jan Weiskirch und Matthias Grüger ausschied“, so die Mitteilung.

Holding für andere Vereine

Lothar Epe, der vor 20 Jahren den Verein mit initiiert hat, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, das Vorgehen sei seinerzeit ambitioniert gewesen, habe sich aber als Fehler herausgestellt. „Der Plan war, den Verein ,Dorfgemeinschaft’ quasi als Holding aller 13 Dorfvereine zu etablieren. Entstanden war das Ganze aus den Absprachen zum Dorfwettbewerb“, erinnert sich Epe. Doch habe sich im Lauf der Zeit herausgestellt, dass seiner Meinung ein solcher Verein nur funktioniere, wenn auch jede Einwohnerin, jeder Einwohner ganz normal Mitglied werden und mitarbeiten könne.

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Daher müsse der Verein nun grundlegend neu aufgestellt werden. „Wir haben zwar einen Übergangsvorstand gefunden, aber das sind ja letztlich auch immer dieselben Leute. Da müssen nun junge Menschen ‘ran“, so Epe. Und in der Tat wird aus der Mitteilung klar, dass der neugewählte Vorstand mit Vorsitzendem Lothar Sabisch, Geschäftsführer Horst Schneider und den Beisitzern Matthias Springmann und Matthias Grüger überwiegend aus Mitgliedern besteht, die zum Teil seit Jahrzehnten im Dorf aktiv sind.

Kein Ortsvorsteher in Sicht

In der Mitteilung des Vereins heißt es: „Versammlungsleiter Meinhard Remberg dankte dem bisherigen Vorstand für seine Tätigkeit und die Übernahme von Verantwortung in einer sehr schwierigen Situation für die DGO.“ Lothar Epe sei mit einem Buchgeschenk Dank gesagt worden, „der neben der Vereinsarbeit in der DGO auch noch das vakante Amt des Ortsvorstehers übernommen hatte, welches mit dem Jahreswechsel beendet wurde“. Wie Epe mitteilte, wurde trotz frühzeitiger Ankündigung seinerseits bislang kein Bewerber gefunden, der dieses Ehrenamt übernehmen möchte.

Lothar Sabisch zählt ambitionierte Ziele für den Übergangsvorstand auf: Der Verein soll einen neuen Namen, eine neue Mitgliederstruktur und ein reduziertes Aufgabenspektrum erhalten, das „neben altbewährten Tätigkeiten und Verpflichtungen erarbeitet werden muss. Zum Schluss muss/soll sich dann auch ein neuer Vorstand etablieren, der nach Möglichkeit auch die junge Generation abbilden wird“, so heißt es in der Pressemitteilung.

Eine Idee zur Verschlankung des Vereins hat Epe: Denn wenn es nach ihm geht, gehört die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ künftig nicht mehr zum Aufgabenspektrum. „In dieser heute praktizierten Form hat der Wettbewerb für mich keinen Sinn mehr“, erklärt er gegenüber unserer Zeitung. „Anstatt dass die Dörfer sich gegenseitig etwas wegnehmen, sollten sie zusammenarbeiten und gemeinsam auftreten, um ein Gegengewicht zur zentralen Innenstadt darzustellen.“ Erst vor zwei Wochen hatte Oberveischede am Wettbewerb auf Landesebene teilgenommen und sich mit einer Silbermedaille in der mittleren Kategorie einsortiert.

Sechs Monate hat Sabisch sich als zeitliche Obergrenze gesetzt, „wobei die Bereitschaft zur Mitarbeit des gesamten Ortes erforderlich sei“. Und der neu gewählte Vorsitzende macht klar, dass ansonsten wohl nur die Auflösung des Vereins als Option bleibt.

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