Medizin

Dr. Ellen Schwickart: Gemeinschaftspraxen sind eine Lösung

Ellen Schwickart

Ellen Schwickart

Foto: Verena Hallermann / WP

Olpe.  Die Kinderärztin Dr. Ellen Schwickart aus Olpe hat zwei Nachfolger gefunden. Doch sie weiß, wie schwierig das ist. Doch warum ist das so?

40 Jahre hat Dr. Ellen Schwickart als Kinderärztin gearbeitet. Im Sommer hat die 65-Jährige nun ihren Ärztesitz in der Gemeinschaftspraxis in der Martinstraße in Olpe aufgegeben – und direkt zwei Nachfolger gefunden. Ein großes Glück, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Doch warum ist es mittlerweile eigentlich so schwierig, Ärzte zu finden, die sich niederlassen wollen? Und wie könnte eine Lösung aussehen? Die Medizinerin hat Antworten.

Ursprünglich kommt Ellen Schwickart aus dem Norden, ist auf Föhr geboren. Von 1973 bis 1979 studiert sie Medizin in Bonn. Ihre erste Kinderheilkunde-Stelle ist in Waldbröhl, später arbeitet sie halbtags in einer Kinderarztpraxis in Overath. 1981 heiratet sie, einen Mann aus Köln, ebenfalls Mediziner. Rolf Schwickart ist Oberarzt in der Unfallchirurgie in Olpe. 1990 kaufen sich die beiden ein Haus auf der Griesemert für sich und ihre Kinder. Ellen Schwickart beginnt in der Kinderarztpraxis Droste und Schürmann zu arbeiten, damals noch in der Winterbergstraße 44 in Olpe.

Der Platz reicht irgendwann nicht mehr aus, die Praxis zieht im September 2009 in die Martinstraße. Sechs Behandlungszimmer, ein Untersuchungszimmer – und zwei Wartezimmer entstehen dort. „Die Kinderheilkunde legt immer mehr Wert auf die Prophylaxe“, erklärt Dr. Ellen Schwickart. „Deswegen ist es wichtig, Kinder im Wartebereich zu trennen, so dass die akut kranken Kinder nicht mit den Jungen und Mädchen zusammensitzen, die zum Impfen kommen.“

Hohe Anforderungen

Mittlerweile hat sich das Team der Gemeinschaftspraxis in der Martinstraße in Olpe verändert. Für Dr. Eva Droste ist Dr. Christiane Schebitz, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, für Dr. Friedbert Schürmann ist Joachim Füllenbach, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, gekommen.

Seit 2015 ist auch Kristina Schwickart, Tochter von Ellen Schwickart, im Team. Die 37-Jährige ist dreifache Mutter und teilt sich nun den Ärztesitz ihrer Mutter zusammen mit Dr. Stefan Rayers, der zuvor in der Kinderklinik in Siegen gearbeitet hat. Dass gleich zwei Nachfolger gefunden wurden, ist alles andere als selbstverständlich, macht Ellen Schwickart deutlich. Vor ein paar Jahren schloss die Praxis von Dr. Denzer in Altenhundem. Später folgt dann Dr. Krumbach in Olpe. Beides Einzelpraxen, die keinen Nachfolger gefunden haben.

Doch woran liegt das? Ist eine Niederlassung im Kreis Olpe etwa unattraktiv? Es liegt an der zunehmenden Bürokratie und den gestiegenen Anforderungen, sagt Ellen Schwickart. Ein niedergelassener Arzt ist nicht nur Mediziner, sondern auch Arbeitgeber, muss kaufmännisch und wirtschaftlich agieren können.

Viele scheuen sich daher vor dem Schritt in die Selbstständigkeit, sagt sie, insbesondere in einer Zeit, in der Familie und Freizeit einen wesentlich höheren Stellenwert haben, ist das schwierig.

Und: Ist der Mediziner der einzige Arzt in der Praxis, lastet auf ihm eine hohe Verantwortung und eine große Arbeitsbelastung – anders als in einer Gemeinschaftspraxis. „Der große Vorteil ist, man arbeitet im Team“, erklärt Schwickart. „Es ist immer jemand da, den man zurate ziehen kann. Auch im Urlaub bleibt die Arbeit nicht liegen, denn es ist immer jemand da, der einen vertritt. So verteilt sich die Arbeit und die Verantwortung. Meiner Meinung nach ist eine Gemeinschaftspraxis eine gute Lösung.“

Die Bedeutung der Prophylaxe ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das heißt, die Kinderärzte haben es mit wesentlich mehr Vorsorgeuntersuchungen zu tun – und das bei sinkender Zahl von Kinderärzten. „Der Bedarf ist gestiegen, die Zahl der Ärzte aber gesunken“, sagt Schwickart und macht zudem auf die seit drei Jahren steigende Geburtenrate aufmerksam. „Das ist meiner Meinung nach ein politisches No-Go. Mütter fragen in unserer Praxis schon, wenn sie schwanger sind, ob wir ihr Kind behandeln. Aus Angst, keinen Kinderarzt zu finden.“

Mittlerweile werden in der Gemeinschaftspraxis in Olpe nur noch Neugeborene mit Olper Postleitzahl, Geschwisterkinder oder Zugezogene behandelt – eben weil die Aufnahmekapazitäten nun mal begrenzt sind.

Veränderte Ansprüche

Die Kinderkrankheiten sind durch die Impfungen weniger geworden, sagt Schwickart. Dafür hat sich aber das Anspruchsdenken der Mütter verändert. Früher kamen Mütter mit ihren Kindern vielleicht am dritten Tag Fieber, heute sind sie vorsichtiger geworden, kommen schon am ersten Tag..

Eine weitere Herausforderung sind die Migrantenkinder. Oft ist unklar, wie alt sie sind, welche Impfungen sie haben. Die Kommunikation sowohl mit dem Kind als auch den Eltern ist aufgrund sprachlicher Barrieren schwierig.

Rückblickend kann Ellen Schwickart sagen, dass sie immer gern zur Arbeit gegangen ist – was auch an dem tollen Team lag, betont sie. „Ich bin mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen“, sagt sie. „Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit für Familie zu haben.“

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