Sportler-Prothese

Dr. Oliver Weber joggt mit Knieprothese auf Biggerandweg

Chefarzt Dr. Oliver Weber setzt bei den Patienten, bei denen es Sinn macht, auf eine sogenannte Schlitten-Prothese. Er selbst hat seit Oktober 2018 eine solche Prothese im linken Kniegelenk und kann damit bereits fünf bis sechs Kilometer joggen.

Chefarzt Dr. Oliver Weber setzt bei den Patienten, bei denen es Sinn macht, auf eine sogenannte Schlitten-Prothese. Er selbst hat seit Oktober 2018 eine solche Prothese im linken Kniegelenk und kann damit bereits fünf bis sechs Kilometer joggen.

Foto: Josef Schmidt

Kreis Olpe/Lennestadt.  Dr. Oliver Weber, Chefarzt im St. Josefs-Hospital in Altenhundem, kann sich gut in seine Patienten hineinversetzen.

Ein Arzt kann sich immer dann am besten in seine Patienten hinein versetzen, wenn er deren Leidensweg selbst hinter sich hat. Chefarzt Dr. Oliver Weber ist ein solcher Fall: Der 51-jährige Chirurg am St. Josefs-Hospital Lennestadt musste eine Operation an seinem linken Kniegelenk vornehmen lassen, die in den vergangenen Jahren immer häufiger auch im Lennestädter Krankenhaus eingesetzt wird. Weber, jahrelang passionierter Tennisspieler und begeisterter Jogger, weiß, wovon er redet, wenn ein schmerzendes Knie mit Knorpelschaden den Sport so richtig vermiest: „Bei mir fing das schon knapp über 30 an.“

Wie viele Leidensgenossen auch, quälte sich der Mediziner mit immer stärkeren Beschwerden durch weitere Versuche, den Sport nicht ganz dranzugeben. „Seit etwa zehn Jahren ging dann aber kaum noch etwas.“ Die Folgen, die Weber an sich selbst zur Kenntnis nehmen musste, sind genau die, mit denen vor allem zahllose ehemalige Sportler immer wieder zu kämpfen haben: Appetit, als ob man dreimal die Woche trainiert, aber Schmerzen, die einen auf der Couch festnageln. „In den vergangenen 10 bis 15 Jahren habe ich rund 20 Kilogramm zugenommen“, räumt der 1,90 Meter große 110 Kilo-Mann ein.

Doch mit der speziellen Schlitten-Prothese, die Weber auch gerne Sportler-Prothese nennt, hatte sein Leidensweg ein Ende: „Ich kann wieder laufen, schaffe schon zwei Runden auf dem Biggerandweg hintereinander, also über sechs Kilometer. Wenn es klappt, mache ich vielleicht auch beim City-Lauf in Olpe am Freitag mit.“ Operiert worden war er im Oktober 2018.

Das größte Gelenk des Menschen

Ganz so einfach sei das nach der Operation aber nicht gewesen, fügt Weber hinzu: „Ich habe natürlich vorsichtig begonnen, auf festem, aber nicht zu hartem Untergrund, mit langsamem Tempo. Es ist und bleibt natürlich nicht das eigene Knie. Man spürt es, und es dauert eine Weile, bis das Prothesen-Gefühl im Kopf verarbeitet ist.“

Weber zeigt mir an Modellen ganz anschaulich, wovon er eigentlich spricht: Unter- und Oberschenkelknochen mit den jeweils beiden Gelenkköpfen und den dazwischen liegenden Menisken als Puffer. Davor die Kniescheibe mit Patellasehne. Ein Apparat, der während eines Lebens, vor allem eines Sportler- oder auch Handwerkerlebens Höchstleistungen vollbringen muss. Weber: „Es ist das größte Gelenk des Menschen.“

Metall und Kunststoff

Der wesentliche Unterschied von der Sportler-Prothese zur Voll-Prothese ist einfach nachzuvollziehen: Während die Voll-Prothese das gesamte Gelenk quasi ersetzt, kann die Sportler-Prothese, wenn der Rest des Gelenks noch genug hergibt, separat an einem Gelenkkopf einseitig eingesetzt werden.

Ein Metallstück mit einer speziellen Legierung wird in den Oberschenkel-Gelenkkopf getrieben und verwächst im günstigsten Fall mit dem Knochen. Auf der gegenüberliegenden Seite das gleiche am Schienbeinkopf, dazwischen als Knautschzone ein Kunststoff-Stoßdämpfer aus Polyethylen. Alternativ kann die Schlitten-Prothese mit Zement in den Knochen eingeklebt werden.

„Hält etwa 20 bis 25 Jahre und bringt deutlich Lebens-Qualität zurück.“ Aber nicht nur das. Manchmal gehe es auch um die berufliche Existenz: „Ich hatte auch schon Handwerker hier mit Mitte 50, die sich den ganzen Tag auf den Beinen aufhalten und zwingend auf ihre Beweglichkeit angewiesen waren.“

Kosten: rund 9.000 Euro für die Krankenkasse

Die Operation der Sportler-Prothese dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Schon nach vier bis fünf Tagen können die Patienten das Krankenhaus wieder verlassen, die erste arbeitsfreie Rekonvaleszenz-Phase dauere etwa sechs Wochen. Nach etwa sechs Monaten, so Weber, habe er wieder mit sportlicher Betätigung begonnen.

Wobei der erfahrene Chirurg darauf hinweist, dass das Material zwar weitgehend immer das gleiche sei, aber die Gesundung bei jedem Menschen anders verlaufe. Allein das Körpergewicht spiele eine wichtige Rolle: „Es ist ja klar, dass eine solche Konstruktion bei einem 100-Kilo-Mann deutlich mehr aushalten muss als bei einer 60 Kilo-Frau.“

Bleibt der ewig währende Ratschlag: Nicht mit dem von Ehrgeiz getriebenen Sportler-Kopf durch die Wand, sondern es langsam angehen lassen. Auch mit der Sportler-Prothese.

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