1000 Jahre Kirchveischede

Drei Mediziner aus dem Ort praktizieren wie zu Omas Zeiten

Der Acad. Rath Doctor med. C. Büscher v. Laiwen mit Diakonisse Claudia Berg mit ihrem "Patienten-Opfer" am OP-Tisch vor der St. Servatius-Kirche in Kirchveischede.  

Der Acad. Rath Doctor med. C. Büscher v. Laiwen mit Diakonisse Claudia Berg mit ihrem "Patienten-Opfer" am OP-Tisch vor der St. Servatius-Kirche in Kirchveischede.  

Foto: Volker Eberts / WP

Kirchveischede.  Drei „echte“ Ärzte aus Kirchveischede demonstrieren am Sonntag beim Dorfjubiläum in einer Live-Satire, wie es in der Medizin im Jahr 1886 zuging.

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Dass vor der St. Servatius-Kirche in der 1000-jährigen Geschichte des Ortes irgendwann mal Leichen aufgebahrt wurden, ist gut möglich. Aber dass die leblosen Körper dort auch öffentlich „geöffnet“ und Organe entnommen wurden, das dürfte ein Novum sein. Am Sonntag, 15. September, können „medizinisch Interessierte, aber auch Frauen und niederes Volk“, so Acad. Rath Doctor med. C. Büscher von Laiwen, approbierter Medicus und Neurologicus, im Rahmen der „Historischen Röthe“ zum 1000-jährigen Dorfjubiläum miterleben, wie es in Medizin und Medizinstudium früher, im Jahre 1886, zuging.

Medicinische Vorlesung

Hinter dem strengen Herrn von Laiwen mit Zwirbelbart und Zylinder verbirgt sich Dr. Christian Büscher, Urologe und Belegarzt im St. Josefs-Hospital, der Am Laiwen in Kirchveischede wohnt. Ihm zur Seite am OP-Tisch werden am Sonntag Doctor Proctor Eugen vom und zum Berg, Klinikdirector Chirurgicus und Cholerikus sowie Director officinae Dr. med. habilitandus Joseph M. Kraume, Leybarzt und Pillendreher, beide gebürtige Kirchveischeder, stehen und gemeinsam und zum Leidwesen der sieben Patienten in einer Öffentlichen medicinischen Vorlesung einen wissenschaftlichen Disput ausfechten.

ARD-Serie Charité als Vorlage

„Es war die Zeit von Robert Koch und Rudolf Virchow, als die Charité in Berlin gegründet wurde“, erklärt Dr. Büscher. Vorlage für das „Drehbuch“ war die erste Staffel der ARD-Serie „Charité“. „Wir werden zeigen, wie es damals im Hörsaal bei Sektionen und OPs zuging“, so Büscher.

Mehr noch: Die drei „Götter in Weiß“ fetzen sich um die richtige Behandlungsweise, fahren sich gegenseitig in die Parade und wären da nicht die „Diakonisse“ Claudia Berg und die beiden „Krankenwärterinnen“ Kathi Dröge und Jenny Kurzbach, im richtigen Leben echte Krankenschwestern, die beruhigend einwirken, würde der „medicinische Disput“ womöglich eskalieren.

Nicht alle Patienten überleben

Auch die sieben Patienten, allesamt Laiendarsteller aus dem Ort, bekommen ordentlich ihr Fett weg und sind froh, dass sie nicht vor 135 Jahren lebten, als der Chirurgicus die „Gangstörung bei Steifbeinigkeit“, mit der Amputationssäge behandelte oder der Neurologicus die „Kindliche Patientin mit Twerstbockigkeit“ in die Heilanstalt schickte.

Aber keine Angst: Es wird kein echtes Blut spritzen und das ganze medizinische Spektakel ist eine lustige Satire, verspricht Dr. Büscher. „Manchmal geht es schon recht derb zu, aber immer mit dem Schalk im Nacken.“

Ein ganzes Jahr haben die Mediziner an dem Drehbuch gefeilt, bis „das Schauspiel in drei Akten“, so Claudia Berg, geschrieben war.

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