Amtsgericht

Drei Monate Haft für vier Beleidigungen - Olper verurteilt

Urteil im Amtsgericht Olpe: Der Angeklagte muss wegen Polizisten-Beleidigung ins Gefängnis.

Urteil im Amtsgericht Olpe: Der Angeklagte muss wegen Polizisten-Beleidigung ins Gefängnis.

Foto: Uli Deck/Archiv

Olpe.   Ein 45-jähriger Mann aus Olpe wurde am Amtsgericht Olpe zu drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wegen Bedrohungen und Beleidigungen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

  • In drei Fällen waren Polizisten betroffen
  • Richter wertet schwierige Biografie des Angeklagten als strafmildernd
  • Starke Polizeipräsenz im Saal

Das kommt auch im Olper Amtsgericht nicht alle Tage vor: Der Angeklagte stand mitten in der Urteilsbegründung von Richter Markus Gerndorf auf und verließ den Gerichtssaal mit den Worten: „Tschüss, Herr Richter“.

Antrag von Staatsanwalt halbiert

Dabei hatte Gerndorf mit seinem Urteil von drei Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung nicht nur Milde gezeigt und den Antrag von Staatsanwalt Faßbender halbiert, sondern dem Angeklagten attestiert, dieser habe ein „schweres Päckchen“ mit sich herum zu tragen.

Gemeint war der Lebensweg des in Olpe wohnenden 45-Jährigen, der mit zahlreichen Rückschlägen gepflastert gewesen sei. Vor allem, dass ihn seine Eltern als 10-Jährigen in der Türkei beim Onkel zurückgelassen hätten. Gerndorf: „Was das bei einem Kind auslöst, kann sich keiner vorstellen.“ Es hätten sich Dinge verfestigt, die der Angeklagte „das ganze Leben mit sich trägt“. Gefühlte Ausgrenzung sei ein dauerhaftes Gefühl.

Auch nicht alltäglich: Das Geschehen im Saal verfolgten nicht nur zwei Justizbeamte des Amtsgerichts, sondern auch vier Polizisten der Olper Wache. Polizeipräsenz, so bestätigte Gerndorf, habe er mit Blick auf den Angeklagten auch angefordert. Dass allerdings gleich vier Beamte geschickt würden, überrasche ihn auch.

Verteidiger Trode, der Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte, kritisierte Gerndorf, dieser habe ihn über die Polizeianforderung im Vorfeld informieren müssen, durch die Polizeibeamten fühle er sich beeinflusst.

Beweisaufnahme zügig erledigt

Vor den Plädoyers war die Beweisaufnahme relativ schnell abgearbeitet. Bereits am ersten Prozesstag war der Löwenanteil erledigt worden. Es ging um mehrere Bedrohungen und Beleidigungen - überwiegend gegen Polizeibeamte. Die Bedrohungen hatte Richter Gerndorf eingestellt, was übrig blieb, waren Beleidigungen in vier Fällen.

In einem Fall hatte der 45-Jährige laut Anklage eine weibliche Spielhallenaufsicht mit obszönen und frauenfeindlichen Worten beleidigt, in den übrigen Fällen Polizisten als „Bastarde“ und „Nazi-Schweine“ beschimpft und zwei von ihnen den „Mittelfinger“ gezeigt. Was der Angeklagte allesamt nicht so bestätigte.

Während Staatsanwalt Faßbender in seinem Plädoyer erklärte, die Aussagen der beleidigten Frau und der Polizeibeamten seien allesamt glaubwürdig gewesen, hakte Verteidiger Andreas Trode (Iserlohn) genau da ein: „Die Staatsanwaltschaft hat die Aussagen des Angeklagten nicht den Aussagen der Zeugen gegenübergestellt.“ Dabei sei der Angeklagte wortgewandt und könne die Geschehnisse „sehr detailliert schildern.“ Vielleicht habe er ja auch Recht. Trode: „Es kann auch sein, dass Polizeibeamte die Unwahrheit sagen.“ In Olpe habe man sich offenbar auf den Angeklagten „eingeschossen“.

Dem folgte Richter Gerndorf allerdings nicht. Auch er hielt die belastenden Aussagen der Beleidigten für glaubhaft: „Ich bin der Überzeugung, dass Sie die Taten begangen haben.“ Die Einlassungen des Angeklagten seien demgegenüber „nicht belastbar“. Während Gerndorf die schwierige Biografie des Angeklagten strafmildernd wertete, listete er auf der anderen Seite das Vorstrafenregister auf, die negative Prognose der Bewährungshelferin und die Tatsache, dass der Angeklagte die Taten innerhalb einer laufenden Bewährung begangen habe. Für Gerndorf handelte es sich allerdings um Taten im Bereich der „Bagatell-Kriminalität“.

Psychotherapie das richtige Mittel

Eine Psychotherapie sei eigentlich für den Angeklagten das Richtige, doch dafür müsse dieser das auch wollen und einsehen. Das sei nicht der Fall: Er ist nicht wirklich therapiefähig“, ein grundsätzliches Problem bei Persönlichkeitsstörungen. Die drei Monate sitze der Angeklagte mühelos ab, und „das mit den Beleidigungen wird sicher weitergehen.“

Anders, als während des ersten Prozesstages, hatte sich der Angeklagte stellenweise nicht im Griff. Während seiner Urteilsbegründung forderte der Richter ihn vergeblich mehrfach auf, ihn nicht zu unterbrechen. Rechtskräftig wurde das Urteil gestern noch nicht, der Angeklagte konnte das Amtsgericht freien Fußes verlassen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben