Lebenshilfe

Drogenentzug im Kreis Olpe: So hat es Natascha T. geschafft

Eine Frau verlässt eine Substitutionsambulanz. Methadon und Polamidon wird hier an drogensüchtige Patienten als Substitution für Heroin verabreicht.

Eine Frau verlässt eine Substitutionsambulanz. Methadon und Polamidon wird hier an drogensüchtige Patienten als Substitution für Heroin verabreicht.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Kreis Olpe.  Natascha T. aus dem Kreis Olpe ist früh in die Drogensucht gerutscht. Sie erzählt, wie ihr die Substitutionsbehandlung noch heute hilft.

Jeden Morgen greift sie zunächst nach der kleinen Flasche mit den Tropfen auf ihrem Nachttisch. So wie viele Menschen ist Natascha T. (Name geändert) auf Arzneimittel angewiesen. Die 20 Milliliter, die sie einnimmt, lassen sie den Tag überstehen, lassen sie nachts schlafen. Doch es handelt sich nicht um Schmerzmittel. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Die 54-Jährige nimmt täglich Polamidon. Ein Drogenersatzstoff für Menschen mit einer Opiatabhängigkeit. Seit vielen Jahren befindet sie sich in der Substitutionsbehandlung. „So wie andere Insulin brauchen, brauche ich Polamidon“, erklärt sie. „Wenn ich das nicht hätte, wäre das eine absolute Katastrophe.“

Natascha T. lebt im Kreis Olpe. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht verraten. Zum Schutz ihrer Kinder. Ihr jüngster Sohn lebt noch bei ihr, der mittlere ist schon ausgezogen. Ihr ältester Sohn ist bei ihren Eltern aufgewachsen – einer der größten Tiefschläge in ihrem Leben. Doch sie hatte damals keine andere Wahl. Sie musste das Sorgerecht an ihre Mutter überschreiben. Es war die Drogensucht, die schon früh ihr Leben bestimmt hat. Im Alter von 13 Jahren gerät sie in den falschen Freundeskreis. Sie schwänzt die Schule, trinkt Alkohol, raucht Marihuana. „Ich hatte ein strenges Elternhaus“, erzählt sie. „Gut aber sehr streng, ich durfte nichts. Mir war das zu eng.“

Handel mit den Drogen

Doch die Flucht in die Freiheit hat Folgen. Immense Folgen. Natascha T. lernt damals ihren ersten langjährigen Partner kennen. Er ist deutlich älter als sie, konsumiert Heroin und Kokain. Sie wird neugierig – und abhängig. Um ihren Konsum zu finanzieren, beginnen sie gemeinsam Drogen zu verkaufen. Sie werden erwischt. Da war Natascha T. gerade mal 15 Jahre alt. Er muss ins Gefängnis, sie muss stattdessen eine Therapie machen – doch sie schafft es nicht. Immer wieder bricht sie ab. Später muss sie selbst ins Gefängnis.

Sie muss etwas ändern. Das wurde der heute 54-Jährigen damals bewusst. Das Substitutionsprogramm gibt es schon. Nur ist es damals schwieriger gewesen, aufgenommen zu werden. Aber sie schafft es, nimmt keine Drogen mehr. Der erste Erfolgsschritt. „Ich war richtig stolz auf mich, dass ich das geschafft habe“, erzählt Natascha T. Trotzdem wird sie rückfällig. Die Situation in ihrem Elternhaus, wo sie zeitweise wieder gelebt hat, überfordert sie erneut. Diese angespannte Situation, diese ländliche Gegend. Sie fühlt sich wie eingesperrt – und sucht wieder Kontakt zu ihrem alten Freundeskreis. Ein Fehler.

Aber dann wird sie schwanger. Nein, keine Drogen mehr, sagt sie sich damals. Und sie schafft es. Selbst das Substitut reduziert sie unter ärztlicher Aufsicht deutlich. Seit 28 Jahren nimmt sie nun Drogenersatzstoffe im Rahmen der Substitutionsbehandlung ein. Einmal in der Woche muss sie dafür zu einem Arzt. Daran hat sie sich gewöhnt und kommt gut zurecht. Zu Beginn der Behandlung müssen die Patienten oft täglich zum Arzt. „Das ist nicht leicht“, erzählt Natascha T. „Gerade am Anfang. Man vermisst das Lebensgefühl, die alten Freunde. Man steht plötzlich allein da.“

Beratung bei der Caritas

Begleitet wird Natascha T. von der Suchtberatung von Caritas-AufWind. Das ist kein Muss, wird aber empfohlen. 80 bis 90 Menschen im Kreis Olpe werden zurzeit bei ihrer Substitutionsbehandlung durch die Caritas-AufWind unterstützt. Nicht jeder Arzt bietet diese Behandlung an.

Im Kreis Olpe gibt es lediglich vier Anlaufstellen. „Teilweise müssen die Patienten weite Strecken zurücklegen“, berichtet Julia Duwe, Leitung Caritas-AufWind Wenden. „Das ist vor allem am Anfang der Behandlung eine große Hürde, wenn sie täglich zum Arzt müssen und oft auch keinen Führerschein haben.“ Die Unterversorgung im Bereich der Substitutionsärzte haben der Kreis Olpe und Caritas-Aufwind auf dem Schirm. Ärzte zu finden, die sich diesem Thema widmen, gestalte sich aber sehr schwierig. „Oft spielen hier auch Unwissenheit und Vorbehalte eine Rolle“, sagt Duwe.

Doch wie wichtig die Substitutionsbehandlung ist, zeigt der Fall von Natascha T. Heute hat die Hausfrau und Mutter ihr Leben im Griff. Dennoch: „Ohne die Substitution würde ich heute hier vermutlich nicht sitzen“, sagt sie.

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