Einzelhandelskonzept

Drogeriemarkt fehlt seit fünf Jahren

Bis vor knapp fünf Jahren gab es den Schlecker-Markt an der Hauptstraße in Wenden. Das Bild stammt aus dem Juni 2012. Am Ende des Monats wurde der Markt damals geschlossen.

Foto: Josef Schmidt

Bis vor knapp fünf Jahren gab es den Schlecker-Markt an der Hauptstraße in Wenden. Das Bild stammt aus dem Juni 2012. Am Ende des Monats wurde der Markt damals geschlossen. Foto: Josef Schmidt

Wenden.   Seit der Schließung der Schlecker-Märkte Ende Juni 2012 fehlt in Wenden ein Drogeriemarkt. Alle Bemühungen für eine Ansiedlung waren erfolglos.

Es wird zur unendlichen Geschichte: Wenden sucht einen Drogeriefachmarkt. Seit der Schließung der Schlecker-Märkte Ende Juni 2012 waren die Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Zwar war vor Jahren die Ansiedlung eines Drogerie-Discounters im Wendebachcenter im Gespräch, doch die Pläne zerschlugen sich. Den Bedarf im Drogerie-Segment unterstreicht auch die Teilfortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes für die Gemeinde Wenden, die das Unternehmen „Stadt + Handel“ erstellt hat.

„Es ist wahrscheinlich schwierig, einen solchen Drogerie-Filialisten hier anzusiedeln, aber das Absatzpotential wäre da“, sagte Jens Nußbaum, der als Projektleiter des Dortmunder Unternehmens die Situation in der Gemeinde Wenden unter die Lupe genommen hat im Rat. Im Drogerie-Segment komme es in Wenden zu massiven Kaufkraftabflüssen. „Bei der Kleidung gibt es auch enormes Potential“, betonte Nußbaum. 88 Prozent der Kaufkraft würden hier abfließen. Es sei allerdings utopisch, dass man hier eine große Kaufkraft zurückholen könne.

Schließung von Fachgeschäften

In der Teilfortschreibung geht es vor allem auch um den Vergleich zum im Jahr 2009 aufgestellten Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes für Wenden. Insgesamt seien die Anzahl der Betriebe und die Verkaufsfläche in Wenden seit damals deutlich zurückgegangen. Konkret: Gab es im Jahr 2009 noch 114 Geschäfte in der Gemeinde Wenden, so ging diese Zahl auf 86 im vergangenen Jahr zurück. Ebenso ist die Ladenfläche von 20 000 auf 17 000 Quadratmeter gesunken.

Eine eklatante Zunahme leerstehender Ladenlokale lasse sich nur deshalb nicht feststellen, da die betroffenen Immobilien anderen Nutzungen jenseits des Einzelhandels zugeführt wurden (unter anderem Wohn- und Gewerbenutzung, sonstige zentrenergänzende Funktionen und Dienstleistungen). Besonders stark betroffen vom Rückgang der Betriebszahl und der Verkaufsfläche ist das Ortszentrum Wenden, heißt es in dem Gutachten. Hier seien insbesondere die Schließungen mehrerer Fachgeschäfte mit zentrenrelevanten Warengruppen (unter anderem Bekleidung, Glas, Porzellan, Keramik/Hausrat/Einrichtungszubehör) zu verzeichnen.

Starkes Angebot bei Lebensmitteln

Der Rückgang von Betrieben und Verkaufsfläche sei aber nicht erschreckend, so Jens Nußbaum: „Der Einzelhandel konzentriert sich. Kleinere Betriebe sind geschlossen worden, größere haben sich vergrößert. Das Geld aus Wenden fließt in andere Zentren ab. Das ist typisch für eine kleine Gemeinde.“ Man müsse die zentralen Versorgungsbereiche schützen und da, wo es sinnvoll sei, den Einzelhandel weiterentwickeln.

„Die Verkaufsfläche hat bei dem Lebensmitteln sogar zugenommen. Da liegt man bei 91 Prozent. Das, was in Wenden für Lebensmittel da ist, wird auch dort ausgegeben“, sagte Nußbaum. Im Gegensatz dazu hätten die Segmente Pflanzen- und Gartenbedarf sowie Kleidung stark abgenommen: „Das ist das klassische Sortiment, das für den Bummelkauf steht.“

Das Gutachten empfiehlt die Sicherung und Stärkung der fußläufigen Nahversorgung. Bestehende Lebensmittelmärkte im Ortszentrum Wenden und im Nebenzentrum Gerlingen sollten nachfrage- und zeitgemäß ausgebaut werden, sofern die Märkte im Einzelnen nicht mehr den aktuellen Marktanforderungen entsprechen. Hierdurch könne gewährleistet werden, dass die Funktionalität der zentralen Versorgungsbereiche stabilisiert wird. Letztlich sollten diejenigen Standorte zeitgemäß gesichert und fortentwickelt werden, die zwar nicht in den zentralen Versorgungsbereichen, jedoch in sonstigen städtebaulich integrierten Lagen angesiedelt sind und die die fußläufige Versorgung der umliegenden Siedlungsbereiche sichern. Es gehe um ein ausgewogenes Regularium zum Schutz und zur Entwicklung sowohl der Zentren, als auch der wohnortnahen Versorgung in der Fläche.

Beim Blick voraus prognostizierte Jens Nußbaum eine rückläufige Bevölkerung, eine steigende Zahl von älteren Menschen sowie den Online-Handel als erheblichen Faktor: „Im Jahr 2025 geht 30 Prozent im Bereich Technik/Medien über online. Bei den Lebensmitteln ist das etwas anders. Das wird nur gering zunehmen.“

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