Serie: Familienbande

Druck verspürt Melina Schöttes aus Oberhundem kaum

Melina Schöttes aus Oberhundem verspürt nicht die große Last auf ihren Schultern.

Melina Schöttes aus Oberhundem verspürt nicht die große Last auf ihren Schultern.

Foto: Florian Runte

Winterberg/Oberhundem.   Melina Schöttes ist eine ambitionierte Skifahrerin aus dem Kreis Olpe. Wie sie mit dem verbundenen Druck umgeht, hat sie unser Zeitung erzählt.

Ende November will Melina Schöttes (19) ihre Topform erreichen. Dann beginnt für die junge Frau aus Oberhundem die heiße Wettkampf-Phase auf den Brettern: Die Skilangläuferin will zurück in den Bundeskader. Nicht nur körperlich muss sie dann auf Topniveau sein, auch mental möchte die 19-Jährige, die in Winterberg auf das Geschwister-Scholl-Gymnasium geht – eine Eliteschule des Sports –, völlig befreit und locker an den Start gehen. Kein einfacher Spagat, doch die ambitionierte Sportlerin lässt sich von dieser Druck-Situation keineswegs beeinflussen.

„Das Verhältnis zwischen Ehrgeiz und Druck muss stimmen“, sagt sie. Und bei Melina stimme es: Trotz ihrer sportlichen Ambitionen verspüre sie eben nicht die große Last auf ihren Schultern. Weder von zuhause, noch von sich selbst. „Meine Eltern üben keinen Druck aus“, sagt die junge Frau, „sie stehen einfach hinter mir und begleiten mich zu meinen Wettkämpfen, das finde ich gut.“ Genauso verhalte es sich mit ihren Trainern.

Verlängerte Schulzeit

Den meisten Druck mache sie sich selbst, denn „komplett entspannt kann ich natürlich auch nicht sein, weder in der Vorbereitungszeit noch in der Phase meiner Wettkämpfe.“ Irgendwann habe sie gelernt, dass es sinnlos sei, sich unter großen Druck zu setzen, „denn dann bringt man nicht mehr seine Leistung. Ein Stück Lockerheit gehört dazu.“ Eine große Hilfe sei der Mentaltrainer, der nicht nur Melina, sondern auch die anderen sieben Wintersportler vom Internat unterstützt. „Die sportpsychologische Betreuung ist mir sehr wichtig, um eine gute Vorbereitung machen zu können und nicht zu sehr in Stress zu verfallen“, betont die gebürtige Oberhundemerin.

Mit diesem Trainer erarbeite sie in sechs Sitzungen eine Struktur, mit der sie sich ideal auf einen Wettkampf-Tag vorbereiten könne. Ganz wichtig für die Skilangläuferin: Bevor sie auf die Loipe geht, hört sie viel Musik, um zu entspannen und sich abzuschotten. „Motivierende Lieder“, wie etwa von „Kontra K“ oder „Kampfgeist.“

In der Schule verhält es sich ähnlich, auch da schweben weder ihre Eltern noch ihre Trainer wie ein Damokles-Schwert über ihr und fordern tadellose Leistungen und gute Noten. „Ich bin für mich selbst verantwortlich“, sagt Melina. Eine zusätzliche Last sei die Schule in dem vollen Termin- und Trainingskalender der 19-Jährigen ebenfalls nicht. Melina hat für ihr Abitur nämlich mehr Zeit als ihre Altersgenossen, lediglich zwölf Wochenstunden stehen auf ihrem Stundenplan. Da sie häufig, vor allem im Winter, im Unterricht fehlt, hat die junge Frau ein Jahr länger Zeit, um ihr Abitur in den Fächern Mathe, Sport (LKs) sowie Deutsch und Erdkunde (GKs) zu machen.

„Ich gehe es relativ entspannt an, dieses Halbjahr muss ich zum Beispiel nur acht Klausuren schreiben.“ Nur im Winter könne es zeitweise stressig werden, wenn sie in der Schule all das aufholen muss, was sie aufgrund ihrer Wettkämpfe verpasst hat. Wenn sie ihren Schulabschluss in der Tasche hat, dann möchte sich Melina der Bundespolizei anschließen; und dort in die Sportfördergruppe gehen. Und ihr sportliches Ziel ist ebenso ambitioniert: Sie will erst in den Bundeskader zurück, und dann eines Tages im Weltcup starten.

Bestimmtes Level förderlich

Mit Schülern, die unter Anspannung stehen, hat das Team der regionalen Schulberatung in seiner täglichen Arbeit zu tun. Wenngleich der Erwartungsdruck von Eltern im Kreis Olpe „keine Überhand nimmt“, wie die Schulpsychologinnen auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilten. Grundsätzlich kann ein mittleres Maß an Leistungsanforderungen leistungssteigernd wirken, wie Tanja Müller-Späth erläutert. Dieses Maß dürfe allerdings nicht überschritten werden, ansonsten würden Konzentration, Aufmerksamkeit sowie Motivation leiden und in Folge dessen die Leistungsfähigkeit abnehmen.

Eine Möglichkeit, den Schülern die Last zu nehmen, sei, ihnen klar zu machen, „dass sie Fehler machen dürfen.“ Die Aufgabe der Schulpsychologie: die Ressourcen der Kinder und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken durch den Aufbau von Handlungs- und Bewältigungsstrategien.

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