Arbeitsmarkt

Düstere Prognose für den Kreis Olpe

Schweißen gehört zu den Tätigkeiten, die bereits heute sehr gut und schnell von Robotern und  Maschinen ausgeführt werden.

Schweißen gehört zu den Tätigkeiten, die bereits heute sehr gut und schnell von Robotern und Maschinen ausgeführt werden.

Foto: Michael Kleinrensing

Kreis Olpe.   Studie prophezeit einen deutlichen Arbeitsplatzabbau. Agentur für Arbeit in Siegen widerspricht vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen

Arbeitslosigkeit ist im Kreis Olpe fast schon ein Fremdwort. Im Oktober sankt die Quote erneut. Sie liegt jetzt bei 3,1 Prozent. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag sie noch bei 3,7 Prozent. Die besten Jahre könnten allerdings vorbei sein. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht für den Kreis Olpe dunkle Wolken aufziehen - ein Menetekel unter der sperrigen Überschrift „Substituierbarkeitspotenziale“.

Gemeint ist damit die Zahl der Tätigkeiten eines Berufes, die schon heute von einem Computer oder einer computergesteuerten Maschine erledigt werden könnten. Ein Beispiel anhand des Berufs Kaufmann oder -frau bzw. das Büromanagement:

Sieben Tätigkeiten werden unter dem Begriff Büromanagement zusammengefasst:

Buchführung / Buchhaltung,

Personalwesen,

Terminplanung -überwachung,

Korrespondenz,

Büroorganisation, -management,

Postbearbeitung,

Büro- und Verwaltungsarbeiten.

Die vier fett gedruckten Tätigkeiten könnten nach Einschätzung der Agentur für Arbeit bereits heute durch Computer übernommen werden.

Metallbranche besonders betroffen

Vor allem in der Metallbranche gibt es eine Vielzahl von Tätigkeiten, die von Maschinen bzw. Computern bedroht werden: Zerspanungsmechaniker (100 Prozent), Maschinenbautechniker (100 Prozent), Schweißer im Anlagenbau (83 Prozent), Bürokaufmann -frau (67 Prozent), Fachlagerist (86 Prozent). Die Prozentangaben beziehen sich auf die Substituierbarkeitspotenziale. 100 Prozent bedeuten, dass die Tätigkeit komplett von Maschinen übernommen werden könnten.

Gutes Beispiel für einen Betreich, in dem Maschinen/Roboter kaum Einfluss haben werden, ist die Medizin. Ärzte haben 0 Risiko, Arzthelfer/innen 20 Prozent.

Das IAB, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat die Regionen in NRW mit Blick auf die Substituierbarkeitspotenziale analysiert. Das Ergebnis ist unangenehm: „In Olpe und dem Märkischen Kreis liegt der Anteil der Beschäftigten mit Substituierbarkeitspotenzialen mit 40 Prozent landesweit am höchsten“, heißt es in der kürzlich vorgestellten Studie. Dass diese Risiken unter dem Stichwort Industrie 4.0 existieren, ist nicht neu. Schon vor rund drei Jahren ist eine Vorläuferstudie zu ähnlichen Ergebnissen gekommen, die jetzt vorgelegten Zahlen sind für den Kreis Olpe allerdings noch um einiges alarmierender.

Nach Einschätzung des IAB macht den Kreis Olpe der hohe Anteil von Beschäftigten in Fertigungs- und Fertigungstechnischenberufen anfällig. Zusammen sind das fast 39 Prozent, ein Wert, der sonst nirgendwo in NRW erreicht werden. 40,4 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in einem Beruf, bei dem 70 bis 100 Prozent durch Maschinen übernommen werden könnten. Auch dieser Wert wird sonst nirgendwo in NRW erreicht.

Gehen in den Industriegebieten rund um Attendorn, Lennestadt und Olpe also bald die Jobs verloren?

Keine Prognosekraft

„Nein“, sagt Elke König, bei der Arbeitsagentur zuständig für die Arbeitsmarktbeobachtung in Südwestfalen. „Die Studie hat keine Prognosekraft, sie ist lediglich eine Beschreibung des Ist-Zustandes.“ Die Schwierigkeit für eine verlässliche Prognose liege in den unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen. Anfällig für eine Durchrationalisierung von Tätigkeiten sind vor allem große Betriebe. „In den kleinen und mittleren sieht es doch oft so aus“, sagt Elke König, „dass ein Mitarbeiter zwar eine Tätigkeit ausführt, die auch von einer Maschine übernommen werden könnte, aber gleichzeitig noch eine zweite Aufgabe übernimmt. In dieser Kombination ist er dann nicht zu ersetzen.“

Trotzdem wird die Digitalisierung Folgen für eine Reihe von Arbeitsplätzen haben: „Wenn wir auf Deutschland oder NRW sehen“, so Klein, „gehen wir davon aus, dass sich das ausgleicht. Jobs werden verschwinden, andere entstehen.“

Was allerdings nicht bedeute, dass dieser Ausgleich alle Regionen gleichmäßig betreffe. „Es kann gut sein“, sagt Elke König, „dass es Gewinner und Verlierer gibt.“ Die Frage sei, wie sich die Unternehmen auf die neuen Entwicklungen einstellen.

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