Nachbarschaftsstreit

Oberveischede: Verzweifeltes Paar kämpft gegen Feriengäste

Andrea und Markus Kruse aus Oberveischede.

Andrea und Markus Kruse aus Oberveischede.

Foto: Verena Hallermann / WP

Oberveischede.  Andrea und Markus Kruse aus Oberveischede leiden unter dem Lärm der neuen Ferienappartements direkt nebenan. Bislang ist der Kampf erfolglos.

Andrea und Markus Kruse sind sauer. Mehr noch: Sie sind verzweifelt. Seit 48 Jahren wohnen sie nun schon in Oberveischede. Es ist das Elternhaus der Familie Kruse, eine Doppelhaushälfte in einer ruhigen Wohngegend. Doch mit der Ruhe ist es vorbei. Schon längst. Direkt nebenan hat nämlich vor einigen Jahren ein Ferienappartement eröffnet. Gäste kommen und gehen, es wird gefeiert bis spät in die Abendstunden. Die Hellhörigkeit in dem Gebäudekomplex macht die Situation nicht besser. „Mittlerweile kann ich ganz gut zwischen einem Stehpinkler und einem Sitzpinkler unterscheiden“, sagt Markus Kruse. „Wir kriegen alles mit.“

Die Geschichte beginnt im Jahr 2014. Nebenan zieht ein neuer Nachbar ein, der seinen Teil der Doppelhaushälfte zu einem Ferienappartement umbaut. Am Anfang kommen nur gelegentlich Gäste, doch Silvester 2015 eskaliert die Situation das erste Mal. Andrea Kruse spricht von einer „Horde wilder Leute“, die mit Schneebällen gegen ihre Fenster werfen. Es ist nicht der einzige Vorfall. Zwei Mal hat das Ehepaar nach eigenen Angaben in diesem Jahr die Polizei rufen müssen. Nicht nur wegen Ruhestörung. Bei einem der Vorfälle haben Gäste einen Plastikstuhl auf dem Grill verbrannt.

Ungebetene Gäste im Garten

Im Tecklinghauser Weg Nummer 31 sind mittlerweile zwei Ferienwohnungen entstanden, in denen bis zu zwölf Personen übernachten können. Betreiber Mikail Kashmann inseriert über „Air BnB“, „Booking.com“ oder „Expedia“. Die Gäste reisen teilweise sehr spät an, erzählt das Ehepaar Kruse, einige verirrten sich zunächst auf ihrem Grundstück. „Die klingeln dann bei uns, weil sie den PIN-Code für die Appartements haben wollen“, sagt Markus Kruse. „Die setzen sich sogar bei uns in den Garten.“ Schon längst hat das Paar ihre Hecke vor dem Haus mit Schildern „dekoriert“ - „Hier sind keine Ferienwohnungen“ steht dort geschrieben. Doch auch das wird oft übersehen.

Kaum noch Schlaf

Es ist vor allem die Hellhörigkeit, die dem Ehepaar Kruse zu schaffen macht. Nicht nur Partys der Kurzurlauber bekommen sie mit. „Sie hören auch das Pärchen, das sich hier regelmäßig für vier Stunden trifft“, erzählt Andrea Kruse. „Er kommt um sieben Uhr, sie um halb acht. Er duscht vorher immer.“ Zum Lachen ist ihr nicht zumute. Genau wie ihr Mann arbeitet sie in einer Führungsposition eines Autohändlers. Ihr Tag beginnt früh. „Ich schlafe nur noch drei Stunden“, sagt sie. „Und bei dem Wetter kann man nicht immer das Fenster zulassen. Auch der Hund schlägt immer an.“

Und das ist noch nicht alles. Das Ehepaar macht auf die Revisionsluke im Badezimmer aufmerksam. Die beiden haben Angst vor einem Wasserschaden. Denn es handelt sich um ein Abwasserrohr für beide Doppelhaushälften. „Wenn das bei denen überläuft, dann haben wir das bei uns im Haus“, so Markus Kruse.

Was sagt die Stadt Olpe dazu? Zunächst einmal ist die Umnutzung der Wohnungen in Ferienappartements in dem Mischgebiet genehmigt und rechtlich völlig in Ordnung. Winfried Quast vom Bauordnungsamt lässt mitteilen, dass auch bei der Revisionsluke „kein Handlungsbedarf“ bestehe. Das sei baurechtlich in Ordnung und schon immer so gewesen – auch vor der Umnutzung in Ferienappartements. Und was sagt der Inhaber? Mikail Kashmann, der nicht so gut Deutsch spricht, wehrt sich gegen die Vorwürfe und sagt, dass es nicht zu laut sei.

Am Ende bleibt die Flucht

Das Ehepaar will zivilrechtlich dagegen vorgehen, dokumentiert fein säuberlich jede An- und Abreise. Die Kruses wollen zumindest ein paar Auflagen erreichen. Dass Anreisen nach 22 Uhr nicht erlaubt sind zum Beispiel, dass der Inhaber die Gäste in Empfang nimmt, damit diese sich nicht immer auf ihrem Grundstück verirren. Ansonsten weiß sich das Ehepaar nicht mehr zu helfen. „Für uns ist das einfach schrecklich“, sagt Andrea Kruse. „Das würde ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen.“ Mittlerweile sind die beiden so weit, dass sie das Elternhaus verlassen würden. Vermieten? Verkaufen? „Aber wer macht das mit?“, fragt Andrea Kruse.

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